310 Bullen Provida solersque Vom 16. August 1821 und Ad dominici gregis custodiam vom April 1827 die Wahl vollzogen werden, von welchen bei der letzte» Besetzung des bischöflichen Stuhles zu Fulda Abstand genommen worden war. Es kursiren im Publikum Listen der Bischofskandidaten, die sich widersprechen. Wer weiß, daß bei solchen geistlichen Wahlakten die unverbrüchlichste Verschwiegenheit in den maßgebenden Kreisen herrscht, dem wird es auch keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß jene Listen blos auf Gerüchte zurückzuführen sind, die jeglicher Authenticität entbehren. Eine interessante Anekdote bezüglich der Verschwiegenheit in solchen Angelegen» heiten erzählt uns Malkmus in seinem Historien- büchlein, die charakteristisch genug ist, um sie hier wiederzugeben: »Pfarrer Krisch, einer der ältesten Priester der Diärese Fulda, war im Jahre 1848 nach dem Tode des Bischofs Psaff bei Aufstellung des Verzeichnisses derjenigen Geistlichen, die das Dom ­ kapitel durch geheime Abstimmung für die Wieder- bcsetzung des bischöflichen Stuhles als Kandidaten in Aussicht nahm, einer der drei Skrutatoren, welche unter Angelobung strenger Verschwiegenheit die Wahl- zettel entgegen zu nehmen, die abgegebenen Stimmen zu zählen und das Ergebniß der Wahl zu ermitteln hatten. Nach Vollendung dieses Geschäftes begegnete ihm der Medizinalrath vr. I. Wiegand und fragte neugierig: »Nun, Herr Pfarrer, Sie kommen soeben, wie ich sehe, vom Skrutinium; welches sind denn die erwählten Bischofs-Kandidaten?" Darauf erwiderte Krisch: »Können Sie schweigen, Herr Doktor?" Aus dieser Vorfrage und aus dem Tone, womit sie ausgesprochen war, glanbte W. auf die Geneigtheit des Pfarrers schließen zu dürfen, daß er ihm das Geheimniß verrathen werde, und antwortete mit feierlichem Ernste: »Schweigen? Ich kann schweigen wie das Grab." »Ich auch," versetzte Krisch und ging seiner Wege." — , Der nächste Donnerstag, der 4. d. M., an welchem endlich,, wie oben bemerkt, die Wahl des neue« Bischofs von Fulda vollzogen werden soll, wird Klarheit bringen. Möge die bevorstehende Wahl der Diöcese Fulda zum Heil und Segen gereichen. Das walte Gott! Todesfälle. Am 11. October starb nach kurzem Krankenlager der Oberlandesgerichtsrath Otto Klingender. Geboren am 18. December 1817, besuchte er das Gymnasium zu Hersfeld, studirte hiernach auf der Landesuniversität Marburg Juris ­ prudenz, wo er zu den ausgezeichnetsten Schülern Vangerow's zählte. Nach absolvirtem juristischem Vorbereitungsdienste war er zuerst Amtsasseffor in Grebenstein, wurde hiernach zum Obergerichtsaffessor in Rotenburg ernannt und von hier in rascher Folge an die Obergerichte zu Fulda und Marburg versetzt. Als Justizbeamtcr wirkte er an den Justizämtern zn Wolfhagen und Kassel, wurde in den 50r Jahren zum Obergerichtsrathe befördert, von 1867 an war er Mitglied des Appellationsgerichtes und von 1879 ab des Oberlandesgerichts in Kassel. Der Ver ­ blichene war ein berufstreuer Beamter von tief ­ religiösem Gemüthe, wegen der Wahrhaftigkeit, Lauter ­ keit und Herzensredlichkeit seines Wesens hochgeachtet von allen, die ihn kannten. Die Kollegen des Ver ­ blichenen haben demselben einen warmen Nachruf ge ­ widmet, in welchem seiner verdienstvolle» amtlichen Thätigkeit und seinem edlen menschlichen Charakter die gebührende Anerkennung zu Theil wird. R. i. p. Am 13. Okt. verschied Plötzlich am Schlagfluffe der Landgerichtsrath a. D. Karl Fulda, geboren 1817 zu Kassel als Sohn des Geh. Oberfinanzraths F. Karl Fulda besuchte die Gymnasien zu Hildcs- heim und Kassel, welches letztere er 1835 absolvirte. widmete sich hierauf dem Studium der Rechtswissen ­ schaft auf den Universitäten Marburg, Göttingen und Bonn. Nach seinem juristischen Vorbereitungs ­ dienste wurde er zunächst Amtsasseffor in Neuhof, dann Vertreter der Staatsanwaltschaft in Rotenburg. Hiernach wurde er zum Justizbeamten in Allendorf a. d. W. befördert, in welcher Stellung er zwölf Jahre lang wirkte, bis er als Staatsprokurator nach Rinteln versetzt wurde. Im Jahre 1867 wurde er zum Kreisrichter bezw. Kreisgerichtsrath bei dem Kreisgerichte in Marburg und 1879 zum Land ­ gerichtsrath daselbst ernannt. Nach seiner Pensionirung ließ er sich in Kassel nieder. Schon als Student hatte sich Fulda mit literarische» Arbeiten beschäftigt, bei welchen unser bekannter hessischer Romanschrift ­ steller Heinrich Koenig sein Leiter und Berather war. Von seinen Schriften nennen wir die Bio ­ graphie Charlottens von Schiller, seine Studie über William Shakespeare, sein Buch über Adalbert von Chamisso. Von seinen juristischen Schriften sind hervorzuheben: »Die Reform des Gefängnißwesens", »die Gefängnißverbefferung und der Strafvollzug für das Deutsche Reich". Gemeinschaftlich mit Ä. Hoff ­ meister gab er die interessante Schrift: »Hessische Zeiten und Persönlichkeiten" (Marburg 1876) heraus. Die Kritik hat sich über seine Schriften,' sowohl lite ­ rarischen, wie juristischen Inhalts, mit Anerkennung ausgesprochen. I. — Am Sonntag den 16. Oktober wurden die irdischen Reste des am 14. Oktober nach nur kurzem Krankenlager verschiedenen, auch in den Lehrerkreise» höherer Schulen in anderen Städten bekannt gewordene»