299 ihren Fenster bereit zu haltenden Nachen zukommen. Die Befreiung ist dann auch auf diese Weise in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni ge ­ lungen, nach Angabe meines Vaters aber nur durch die Beihülfe des damaligen Kastellkom ­ mandanten, des Majors Krupp, eines früheren kurhessischen Officiers. Giesewald und Schmalhans haben sich nicht lange der gewonnenen Freiheit erfreut, sie haben bald nachher auf den Schlachtfeldern Spaniens einen ruhmvollen Soldatentod als Officiere der englisch-deutschen Legion gefunden, während Berner noch ein höheres Lebensalter und eine angesehene Stellung in braunschweigschem Mili- tairdienst erreicht hat. Ein anderer Vorfall zu derselben Zeit hatte mit unserer Familie noch in näherer Beziehung gestanden. An dem Dörnbergschen Aufstand hatten sich auch zwei Commis meines Vaters, Söhne des Postmeisters in Homberg betheiligt, und einer derselben in solcher Weise, daß er vom Kriegs ­ gericht zum Tode verurtheilt wurde. Als er auf dem Rücktransport aus dem Gouvernements ­ gebäude am St. Martinsplatz, in welchem die Kriegsgerichte abgehalten wurden, nach dem Kastell Gelegenheit gefunden hatte, meinem Vater Nach ­ richt zu geben, daß er am andern Morgen er ­ schossen werden solle, eilte meine Großmutter, eine schon bejahrte, aber sehr energische Dame, zu dem ihr bekannt gewordenen, anerkannter ­ maßen sehr milde und gerecht gesinnten, west ­ fälischen Justiz-Minister Simeon, um bei ihm Hülfe zu suchen. Auf dessen Rath begab sie sich direkt in das Palais des Königs und es gelang ihr, diesen fußfällig um Gnade für den Verurtheilten zu bitten, die ihr dann auch alsbald gewährt wurde. Den zur Exekution bestimmt gewesenen Tag haben wir noch längere Jahre bis zum Tode meiner Großmutter als Familienfest gefeiert. Daran nahm der Ver- urtheilte, welcher nach Rückkehr des Kurfürsten zum Rentmeister ernannt war, jedesmal Theil. Als Beweis dafür, daß mein Vater auch in der westfälischen, für sein Kaufmanns-Geschäft so außerordentlich vortheilhaften Zeit seinem an- estammten Fürsten die Anhänglichkeit bewahrt atte, mag erwähnt werden, daß er bei einer auf Befehl Jerömes veranstalteten Auktion der von berühmten Künstlern herrührenden Bilder, welche hessische Regentenfamilien darstellten, eins der werthvollsten für mehrere hundert Thaler erstanden hatte, um es dem Kurfürsten bei dessen stets gehoffter Rückkehr in sein Land zu über ­ reichen. Diese Ueberreichung ist dann auch seiner Zeit erfolgt und hat die Sache mit dem sehr gnädigen Dank des Kurfürsten sein Bewenden gehabt. Der mit der Rückkehr des Kurfürsten in Kaffe! eingetretene Rückgang in allen Geschäftszweigen hatte in der Lebensweise aller Handel- und Ge- werbtreibenden nothwendig eine große Aenderung herbeiführen müssen. Während in der west ­ fälischen Zeit der leichte und große Verdienst und das von den eingewanderten Franzosen ge ­ gebene Beispiel eines überaus üppigen und ver ­ schwenderischen Lebens zu großen. Ausgaben für Vergnügungen aller Art und sonst reichlich ge ­ botene Lebensgenüsse Anreiz und Verführung geboten hatte, waren jetzt Verhältniße eingetreten, welche namentlich alle Gewerbtreibenden zur größten Sparsamkeit nöthigten. Gar manche derselben sind aber zu dieser Erkenntniß nicht gekommen und bei vielen hat es noch eine ge ­ raume Zeit gedauert, bis sie sich wieder an eine einfachere Lebensweise gewöhnt hatten. Eine etwas bessere Zeit für Handel und Gewerbe in Kassel war mit dem Regierungsantritt des weniger als sein Vater sparsamen und große Bauten anordnenden Kurfürsten Wilhelm II. eingetreten. (Schluß folgt.) ophie von Gilsa. Ich sah dich weinen. Ich sah dich weinen — Thränen sah Ich in des Auges Blau; Zm feuchten Glanze schien es da Ein Veilchen mit dem Thau. Ich sah dich lächeln und Saphir Verlor sei» glänzend Licht; Die Strahlen, die das Auge dir Beleben, hat er nicht! Den Wolken leiht die Sonne dort Die Farben sanft und tief, Kaum Abendschatten nimmt sie fort. Wenn längst der Tag entschlief. So strahlest du das eig'ne Glück Än's traurigste Gemüth: Dein Lächeln läßt ein Licht zurück, Davon das Herz erglüht. Lin hessisches Dichlerbilö von Jos. Grineau. (Schluß.) Lord Byron.