266 *in Wrst des Meöms. Historische Skizze von F. Iwenger. Fleute Landgraf oder keiner mehr! Und wer IT ein getreuer Hesse sein will, der folge mir! Sie " Oz ^ haben meinem Vater nicht Frieden gelassen, der war ihnen zu fromm; gewohneten sie das an mir, so müßte ich ihnen allezeit gereit sitzen als ein Zinsmeier, meine armen Unterthanen müßten sie nähren und keinen Frieden darzu haben." So lautete nach eines hessischen Chronisten Angabe die Ansprache, mit welcher der 25jährige Landgraf Ludwig, dem die Geschichte den ehrenden Beinamen der „Fried ­ same", der „Friedfertige", beigelegt hat, seine Getreuen entflammte, als er am 23. Juli 1427 bei Großenenglis seinen Gegnern, den Mainzern, den Erbfeinden unseres Hessenlandes, gegenüber ­ stand. Der Kurfürst und Erzbischof von Mainz, Konrad III, aus dem Geschlechte der Wildgrafen bei Rhein, hatte dem Landgrafen Ludwig von Hessen zwei Tage zuvor, am 21. Juli, einen Fehdebrief gesandt und war selbst nach Buchonien mit einem Heer gezogen, um den Bundesgenossen des Landgrafen, den greisen Fürstabt von Fuloa, Johannes von Merlau, zu bekriegen. Den Krieg in Heffen führte sein Neffe, Graf Gottfried von Leiningen. Letzterer verheerte mit den Mainzer Schaaren die Felder von Gudensberg, Felsberg und Melsungen. Als er auf seinem Rückzüge das Dorf Udenborn zwischen Fritzlar und Großenenglis an einem Winkel, den die Schwalm und die Edder bilden, aus ­ brannte, ereilte ihn der Landgraf mit seinem Heer, dem die Mainzer freilich an Zahl bedeutend überlegen waren. Aber wann wären die Heffen jemals vor der Uebermacht der Feinde zurück ­ gewichen! Was ihnen an Zahl abging, das er ­ setzte die hessische Tapferkeit, die Begeisterung, mrt welcher sie unter ihrem Landgrafen in die Schlacht zogen. Doch lasten wir den Chronisten selbst reden: „Da war Bischof Konrad zu Hassia laetatur, quia princeps iam dominatur, Qui plus ac humilis, in campis estque virilis. Gerstenberger Chronic. Hass. Fritzlar und hatte ein groß Hofwerk beiein ­ ander, und unterstund sich den jungen Landgraf zu beschädigen und meinte, er wäre noch ein Kind. Aber der junge Fürst gedachte dargegen, und bewarb sich mit seinen Hessen, edel und unedel, Bürger und Bauern, daß er ein ziemlich Volk zusammen brachte, und ließ da die Feinde beschauen und ihre Macht überschlagen, da erfand sich's in Wahrheit, daß die Mainzischen den Hessischen viel zu stark waren. Aber der Land ­ graf hieb damit drauf zu den Feinden als ein Unverzagter. Da folgten ihm die Seinen mit Treuen und brachten die Feinde in die Flucht und schlugen sie von Fritzlar gegenüber neben Englis bis gen Jesberg, und die Heffen gewannen von dem Bischof von Mainz 400 gesattelter Pferde und fingen ihm ab 2OO reisiger Mann". Wenige Tage später finden wir den Land ­ grafen bei Fulda. Dort, auf der Westseite, jenseits des Fluffes, befindet sich das Münsterfeld, eine weite von mehreren Dörfern begrenzte Ebene. Erzbischof Konrad von Mainz, ein eitler stolzer Prälat, stand daselbst an der Spitze seines Hof ­ staates und seines Heeres und leitete die Be ­ lagerung Fuldas. Am 10. August kam es zur Schlacht. Erzbischof Konrad verlor den Kern seiner Truppen und entkam selbst nur durch die Flucht. Mehr als 300 adelige Ritter wurden gefangen, auch das Panier des Erzbischofs wurde von den Hessen erobert und als Trophäe nach Marburg gebracht, wo es die Kirche der hl. Elisabeth zierte. Es waren Ehrentage in der ruhmreichen Ge ­ schichte unseres Heffenlandes, die Tage der Schlachten von Großenenglis und am Münster ­ feld, sie lieferten den Beweis, daß der jugend ­ liche Landgraf Ludwig, den die Gegner als „schwächlich" verschrieen hatten, ein tapferer, von hessischem Heldenmuth beseelter Heerführer war. Aoer nicht allein in dieser Eigenschaft hat er