231 selber marschirt waren und, im Korn versteckt, eine Flasche französischen Wein gefunden hatten, der der köstlichste Trunk ihrer Erinnerung war. — Henel war gegen Abend, als Adjutant im Gefolge des Herzogs von Braunschweig, in den Schloßhof von Wilhelmsthal, wo das Hauptquartier genommen wurde, eingeritten und erzählte, wie rundum noch Alles voll blessirter und gefangener Franzosen gelegen habe, die den Herzog mit lauten Akklamationen empfangen hätten. Gesenkten Blickes, die Hand an den Hut legend, sei dieser zwischen ihnen durchgeritten und in einem Zimmer des unteren Geschosses abge ­ stiegen. Hier wären die Franzosen an den Fenstern in die Höhe geklettert, um den Sieger zu betrachten. Kecke Burschen hätten auch hineingerufen: Braver General, wären wir so angeführt worden, wir hätten gesiegt. Wir sind schlecht angeführt worden; unsere unwissenden Generäle haben uns verrathen. Schw. Aus Aeimath und Fremde. Kassel. Am 20. August, dem Geburtstage des letziverstorbenen Kurfürsten von Hessen, Friedrich Wilhelm, war ebenso wie in den Vorjahren, das Grabmal desselben auf dem alten Friedhofe mit Lorbeer- kränzen und Bändern in den hessischen Farben, sowie mit Blumen reich geschmückt. Auch war die Grab ­ stätte vom Morgen bis zum Abend von Personen aus allen Ständen der Residenzstadt Kassel zahlreich besucht. Kränze hatten u. a. auf das Grabmal niederlegen lasten: sämmtliche Prinzen und Prinzessinnen von Hanau, die Herzogin Marie von Sachsen-Mei ­ ningen, die Prinzessin Moritz von Sachsen-Alienburg, sowie mehrere dem früheren kurfürstlichen Hofe nahe stehende Persönlichkeiten. Kassel. Am 13. und 14. August hatten Hessens Sänger sich in ihrer alten Hauptstadt zur Abhaltung eines 1. hessischen Sänger ­ festes in außerordentlich großer Anzahl eingefunden. Am Abend des 13. fand im Klosterbräu-Park ein solenner Kommers statt, bei welchem der Vorsitzende des Fulda-Werra-Sängerbundes, Herr Lehrer Arm- b r ö st e r, eine herzliche Bewillkommungsansprache hielt. In der am anderen Morgen stattgehabten Delegirtenversammlung wurde die Begründung eines allgemeinen hessischen Sänger ­ bundes beschlossen. Herr Oberbürgermeister Weise, welcher in der Versammlung anwesend war, brachte den auswärtigen Vereinen ein Hoch, welches Herr Armbröfter mit einem Hoch auf die Stadt Kastei und den Herrn Oberbürgermeister erwiderte. Den Glanzpunkt des Festes bildete das am Nachmittag des 14. im Stadtpark veranstaltete Konzert. Außer den hiesigen Vereinen betheiligten sich an demselben aktiv der Marburger „Liederverein" die Wolfhagener „Liedertafel", der Marburger „Liederkranz", der Mel- sunger „Männergesang-Verein". Unter den von Herrn Ellenberg vortrefflich geleiteten Mastenchören ist das von unserem hessischen Landsmann, dem kurfürstlichen Hofrathe, jetzigem fürstlich Nsmburgischen Kammerdirektor Karl Pr es er, dem rühmlichst be ­ kannten hessischen Poeten gedichtete herrliche Lied „Des deutschen Mannes Wort und Lied", in der wirkungsvollen Komposition unseres Lands ­ mannes August Münch besonders hervor zu heben. Stürmischer Applaus folgte diesem Vortrag. Der Komponist hat hier abermals einen Beweis seines hervorragenden musikalischen Talentes geliefert. — Herr Armbröster feierte am Schluß des Konzertes in beredten Worten die so glücklich gelungene Grün ­ dung eines hessischen Sängerbundes. — Schließlich haben wir — für künftige Fälle — noch eine kleine Aus ­ stellung zu machen. Wir finden es nämlich für wenig rücksichtsvoll gegen unsere deutschen Dichter, daß man die Titel von Liedern in das Programm aufnimmt und wohl die Komponisten der Lieder nennt, nicht aber die Dichter, und dann gehört es sich, daß man auf der Rückseite des Programms den Wortlaut des Liedes abdruckt. Wo soll denn die Aufmerksamkeit des Publikums herkommen, wenn es nur Melodien hört und nicht weiß, was die Herren Sänger singen? Natürlich plaudert dann die ganze Welt und weder von der Wort- noch Ton- dichtung erhält man ein Verständniß. Wir wünschen sehr, daß diese beiden Ausstellungen in künftigen Fällen, im eigenen Interesse der Gesang-Vereine, be ­ rücksichtigt werden. M. — Auf der feit Kurzem eröffneten Akademischen Kunstausstellung zu Berlin sind auch wieder hiesige, resp. hier lebende und hessische Künstler über ­ haupt mit Bildwerken vertreten. Der Direktor der hiesigen Kunstakademie, Profeffor Kolitz, stellte zwei Schlachtgemälde aus, welche schon hier berechtigte große Anerkennung fanden. Dieselben betiteln sich: „Auf der Straße nach Orleans" und „Vor Paris". Johannes Kleinschmidt erregt mit dem hier be ­ reits bekannten „Portrait seiner Mutter" (Kniestück), sowie einem Mönch, der die Photographie einer Grätzner'schen Mönchsscene mit Behagen betrachtet, Berliner Kunstberichten zufolge, besonderes Aufsehen. Bon hier sind weiter noch zu nennen: S. Gerechter mit einer Knaben-Gruppe (Portrait) und Adolf Müller mit einem Genrebild „Auf dem Friedhof". Von Hanau sind zwei Künstler an der Ausstellung betheiligt, nämlich: Paul Andorff („Der neue Markt und die Bischofsstraße" und „An der Unter- spree bei Moabit") und Cornicelius („König Enzio.und Lucia Viadogli im Gefängniß", „Bei bet Karteuschlägerei" und „Siegfried"). Gratz-Marburg stellte aus: „Mädchen in Oberhessen". Endlich sind noch drei auswärts lebende Hessen vertreten, nämlich