226 meiner Unterhaltung —! Aber sowie ich an ­ fange vom Heirathen zu reden, will niemand mehr etwas von mir wissen —! Dann kann mich Niemand mehr leiden —! Es ist um sich die Haare — (es Mt ihm ein, daß er eine Glatze hat) ja so —! Herr Gott! Und nun schießen -sie schon! Man sollte ja meinen, die Franzosen seien wieder im Lande —! O, meine Hypochondrie — meine Hypochondrie —! (Glockengeläute und Hochrufe hinter der Scene.) Siebenter Auftritt: Frau von Wolzogen, Henriette (in Reisekleidern, treten auf durch die Mitte). Man umringt sie. Hochrufe. Die Schulkinder singen: „Blühe lieöes Veilchen!" Vorige. Frau v. Wolzogen: Ich danke Euch, Ihr lieben Leute! Ihr erdrückt mich ja mit Euerer Freundlichkeit! Schiller (küßt, sich tief verneigend, Frau von Wol ­ zogen die Hand): O, meine Theuerste! Alle meine Wünsche und Träume haben Sie begleitet, seit Sie mir in Mannheim die Hand zum Abschied reichten! Der Himmel schenkte uns dies fröhliche Wiedersehen —! Wie glücklich bin ich, o, wie glücklich! Unsere Freundschaft, die Zusammen ­ schmelzung aller Gefühle soll uns diese Welt jetzt zum Eden gestalten —! Frauv.Wolzogen: Immer der Schwärmer! Schiller: Immer, wenn ich Sie sehe, Mutter meiner Lotte! — wenn ich der Liebe ge ­ denke, die uns alle umfängt, die mir wie der rosige Morgen jenseits der waldigen Hügel er ­ scheint —! (faßt Henriettens Hand) Und auch Sie, meine Beste! Herrlicher und schöner als je stehen Sie vor mir! Strahlend öffnet sich uns der Blick in die Zukunft! Die bange Kerkernacht ist dahin und in Ihrer Nähe winkt mir jetzt die goldene Freiheit! Lotte! Lotte! Henriette (hebt den Schleier in die Höhe, der ihr Gesicht bedeckt hat): Ich bin ja Lotte nicht —! Frau v. Wolzogen: Meine Pflegetochter Henriette ist es, die Sie noch nicht kennen —! Schiller (taumelt zurück): Wie — ? Aber wo ist denn Lotte — ? Sie schrieben mir doch — Frauv.Wolzogen: Lotte ist nicht hier — Schiller (höchst enttiiuscht): Nicht hier — ? Aher wo ist sie denn —? Freundin!! Henriette (begrüßt Bogt und dessen Frau). Frauv.Wolzogen (leise): Beherrschen Sie sich, lieber Ritter—! Schiller (beiseite, unglücklich): Ritter —! Ritter -! Frau v. Wolzogen (zu Reinwald): Siehe da, der Herr Bibliothekar — Reinwald: Frau Geheimrath, auch ich könnte es mir nicht versagen, trotz meiner Hypo ­ chondrie, an dem schönen Feste Ihrer Bewill ­ kommnung Theil zu nehmen! Heil und Segen zu Ihrer Ankunft in Bauerbüch! Frau v. Wolzogen: Ich danke Ihnen! — Judith — Elise —! Und Bogt führt mir seine Kleinen vor! — Herr Bürgermeister —! Das ganze Dorf hat sich ja aufgemacht, mich zu begrüßen! Ich danke Euch, ihr guten Leute, ich danke Euch! Euerer Hingebung und Treue bin ich stets gewiß! Wärm st ein (vortretend, zieht den Hut ab): Ja ­ wohl, gnädige Frau! Der Hingebung und Treue der Bauerbächer dürfen Ew. Hochwohlgeboren stets gewiß sein! Das ist in der ganzen Welt ja übrigens bekannt! — Gnädige Frau! Wir haben zwar während Ew. Hochwohlgeboren Ab ­ wesenheit, die ja ein ganzes, glockenvoll ge ­ schlagenes Jahr dauerte — Senfteig (Fistelstimme): Ach ne, Gevatter, es fehlen noch einige Tage daran — ich hab's heute Morgen ausgerechnet — Wärmstein: Barbierseele — ! Wir haben zwar während Ew. Hochwohlgebvren Abwesenheit, die ja ein ganzes, glockenvoll geschlagenes Jahr dauerte, mancherlei Streitigkeiten und Scherereien mit der Gutsverwaltung gehabt — Senfteig (halblaut): Scherereien — ? Er — ? Die Gutsverwaltung hat sich immer nur von mir scheeren lassen. W ä r m st e i n: Das Rindvieh des Dorfes — mit Respect zu vermelden! — ist mit dem Rind ­ vieh Ew. Hochwohlgeboren — Bogt: Ei zum Teufel, Herr Bürgermeister, so reden Sie doch nicht von unseren privaten Streitigkeiten —! Frau Geheimrath weiß ja auch bereits alles —! Wärmstein: Sie weiß bereits Alles? (Sehr befriedigt.) Ah, dann brauch' ich weiter nicht zu reden —! Der Zank thut unserer Liebe und Freundschaft weiter keinen Abbruch! Im Gegen ­ theil ! Frau v. Wolzogen (lächelt-: Ja, ja! Gott ­ lob, daß wir hier angelangt sind, daß der Odem des Thüringer Waldes uns wieder um ­ rauscht ! Nochmals, ich danke Euch, meine Freunde! Ich danke Euch —! (Geht mit Henriette ab ins Haus.) Schiller (will folgen, für sich): Aber Lotte — ? Wo ist Lotte — ? Reinwald (zerrt Schiller, der schon auf der Treppe, am Rockzipfel grob zurück.) Schiller: Was giebt's? Reinwald (rasch): Herr Doktor, ich wollte Ihnen nur sagen — aber nochmals, werden Sie nur nicht gleich böse —! Ich wollte Ihnen nur sagen, daß ich Ihrer Schwester bereits geschrieben habe —!