218 Leerfahrten -er Kandgrafen Kudwig I. und Wilhelm I. vm Hessen nach -em heiligen Grabe. Von <£. von Zksmforö. (Schluß.) oll mächtiger Eindrücke verließ Wilhelm am 3. Januar 1492 die ewige Stadt. Treu eingedenk seines Gelübdes in Todesnoth, ge ­ dachte er nun nach Loretto zu pilgern. In einem Wirthshause östlich von Spoleto geriethen die Pilger Nachts in Gefahr, indem Feuer aus ­ brach. Alle flüchteten, auch die Pferde wurden gerettet. Nach siebentägigem Ritte wurde Loretto erreicht, dessen Kapelle in der Meinung der Gläubigen das Häuslein ist, in welchem die heilige Jungfrau auf Erden lebte. Als 1291 Palästina in die Gewalt der Muhamedaner fiel, hätten Engel das Haus von Nazareth nach Dalmatien getragen, von da nach Italien und in einigen Absätzen es an jetzigen Ort geschoben, Alles auf Befehl der heiligen Jungfrau. Die Legende giebt die Gründe für das Einzelne an. Bald bildete sich die Stätte durch den Ruf ihres wunderthätigen Muttergottesbildes zu einem Wall ­ fahrtsorte aus. Zur Prüfung der einem frommen Manne Nachts gewordenen Offenbarung über die Herkunft der Kapelle zogen Abgeordnete mit den Maßen derselben in's Morgenland. In Nazareth fragten sie, ob hier vor einigen Jahren ein Haus abhanden gekommen sei. Dies wurde bejaht, sie maßen die leere Stätte und siehe, deren Maße stimmten mit denen zu Loretto. Hiernach waren alle in dessen Gegend überzeugt. Unsere Pilger verrichteten ihre Dankgebete in dem kleinen Gotteshause, und Schachten berichtet gläubig über einige von der heiligen Jungfrau hier verrichtete Wunder. Nach eintägigem Aufent ­ halte setzten die Pilger die Reise längs der adriatischen Küste fort, Ancona „gahr eine schöne stadt" und viele andere Orte wurden berührt, zu Chioggia ein Tag „stille gelegen." Auf dem Kanals fuhr der Landgraf nach Mestre, von wo er die Pferde nach Trevifo voraussandte, dann zur Lagunenstadt, 23. Januar. Hier traf er Philipp von Hanau bereits vor, beide Herren vereinigten sich wieder. Wilhelms diesmaliger Aufenthalt dehnte sich auf beinahe vier Wochen aus, der Karneval mit seiner Pracht und seinen Genüssen fesselte den jungen Fürsten, der in seiner nordischen, armen Heimath derartiges nicht kennen gelernt hatte. Der Doge und die Regierung erwiesen Wilhelm wieder große Ehre; jener lud ihn in den Palast ein , bewillkommnete ihn und erbot sich, ihm in allen dienlich und förderlich zu sein. Zunächst bot er dem Fürsten Bestrafung des Patrons an, wenn dieser etwas verfehlt haben sollte, — die Regierung, welche alle ihre Beamten und Unterthanen durch Späher über ­ wachte, hatte jedenfalls Kenntniß von dem Be ­ nehmen des Patrons. Landgraf Wilhelm war jedoch so edelmüthig, nicht klagen zu wollen. Die hessichen Gäste wurden eingeladen, einer Sitzung des großen Rathes beizuwohnen, welche jeden Sonntag stattfanden. Der Doge setzte Landgraf Wilhelm „über sich", den Grafen von Hanau „neben sich", d. h. er saß zwischen ihnen. Welchen Eindruck der Senat der Königin der Meere machte, lehrt die Bemerkung im Tagebuche: „magk ich warlichenn sprechenn, das ich köstlichers Raths von Ehrlichenn und Altenn Personenn niemals gesehenn habe, vermeine Ihrer woll bey funfhundertt gewesen« sein sollenn. . ." Interessante Notizen über die Bertheilung der höheren Staatsämter durch Kugelung, den Staat, dessen Seemacht, werden gebracht. Die Venetianer gaben die Zahl ihrer Schiffe aller Gattungen auf 30000 an; hierbei sind wohl auch die kleinsten mitgerechnet, welche bei der größtenteils nur im mittelländischen Meere betriebenen Schifffahrt, wie längs der Küsten vollkommen geeignet waren. Bald darauf, durch Vasco de Gamas und Christoph Colon's große Entdeckungen wurde es anders.