209 den ziemlich steilen Gipfel des BergeS zu den von der einstigen Größe der Burg noch Kunde gebenden und zum Theil noch wohlerhaltenen Ruinen derselben, auf welchen zur Feier des Tages einige Fahnen aufgesteckt waren. In den Räumen der Burg bewillkommte zunächst der jetzige Besitzer derselben, sowie der großen um ­ liegenden Waldung und des Schlosses Ramholz. Herr Stumm, Rittmeister im 13ten Husaren- Regiment, die Ankommenden aufs Freundlichste und erquickte die Durstigen mit einem Glase vortrefflichen Bieres. Nachdem man die Ruinen, zu deren Erhaltung Herr Stumm fortwährend mit großem Kostenaufwand bestrebt ist, besichtigt und sich an der hier gebotenen herrlichen Aus ­ sicht erfreut hatte, hielt Herr Major v. Stam ­ ford den angekündigten Bortrag über Ulrich von Hutten, und wußte in Il/z-stündiger freier Rede durch den auf den fleißigsten Studien beruhenden Inhalt die Anwesenden lebhaft zu fesseln, wofür ihm allseitig der größte Beifall und Dank zutheil wurde.*) Der Rückweg wurde dann wieder nach Schloß Ramholz angetreten, wo Herr Stumm die Güte hatte, den von ihm angelegten Park, welcher die Bewunderung Aller, erregte, sowie auch eine Sammlung einiger auf dem Steckelberg und Umgegend gefundene Alterthümer, welche bis zur Steinzeit zurückgehen, zu zeigen. Bon Ramholz begab man sich nach einer V* Stunde entfernten, eine schöne Aussicht bietenden, im Walde ge ­ legenen Stelle dem sogen. Borkel, wo von den Komitees in bester Weise dafür gesorgt war, die nach den Anstrengungen des Tages recht hungrig und durstig gewordenen Seelen durch Speise und Trank zu erquicken. Hier zeigte sich bald all ­ gemein ein gar reges fröhliches Lehen, welches dann auch im Absingen bekannter Lieder seinen Ausdruck fand. Die zahlreich vertretenen alten Herrn fanden sich zusammen und gedachten durch Absingen von Studentenliedern ihrer Burschen- zcit, wobei auch „O alte Burschenherrlichkeit" nicht fehlte. Den Gefühlen aller Anwesenden gab Herr Major v. Stamford entsprechenden Ausdruck, in ­ dem er dem auch hier mitanwesenden Herrn Rittmeister Stumm den Dank der Theilnehmer aussprach, worauf diese in das auf denselben aus ­ gebrachte Hoch auf das Lebhafteste einstimmten. Gleiches war der Fall bei einem Toast des Herrn Pfarrer Wiffemann aus Kassel auf die Mitglieder des Vorstandes des Geschichtsvereins und namentlich dessen Vorsitzenden, Herrn Major v. Stamford, ein Toast, welcher gestern vergessen )ei. Der Toast fand um so größeren Anklang, als Herr Wissemann in einer vortrefflichen, den geübten Redner bekundenden Weise seiner Ab ­ sicht Worte zu verleihen wußte. Damit war jedoch das Ende der so vergnügt verlebten Tage gekommen. Die erschienenen Gäste nahmen fast sämmtlich Abschied, um von dem nahe gelegenen Ramholzer Bahnhof den Weg in die Heimath anzutreten, alle aber werden ebenso, wie die Damen und Herrn aus Schlüchtern, der zu einem wahren Feste sich gestaltenden 53ten Jahres ­ versammlung des Geschichtsvereins noch lange ein freundliches Andenken bewahren. *) Wir werden auf diesen interessanten und bei der Schwierigkeit des Themas durch möglichste Unparteilichkeit sich auszeichnenden Bor ­ trag in der nächsten Nummer dieser Zeitschrift ausführlicher zurück ­ kommen. D. R. Margarethe Von H. Leller-Iordan. Zug, der von Süden kam, fuhr langsam IÄI in dep langen, mit Glas überdachten Bahn- Atgr Hof Münchens. Ich bog den Kopf zum ^ Wagen hinaus und sah in die matten Gas ­ flammen, die noch um ihr Recht mit dem sich senkenden Tage stritten. Ich hatte glückliche Künstlerjahre in Isar-Athen verlebt, war dann nach Pest übergesiedelt und wollte jetzt zu einer Privatausstellung nach Berlin, wohin ich esn großes historisches Gemälde voraus ­ geschickt halse. EL war das Resultat mühevoller Jahre gewfsen und seine Vollendung gab mir das Gefühl) als sei ich auf einem Berge an ­ gekommen, wo mich eine reinere Luft umwehe und mir den Ausblick in ein stilles, verheißungs ­ volle- Thal gewähre. Ich wollte in München ein paar Tage rasten, alte Freunde wiedersehen und die unvergessenen Plätze und Straßen begrüßen, über die ich einst so harmlos und glücklich gewandelt war. Die Zeit mit ihren Sorgen verscharrt so manche schöne Stunde unseres Lebens, aber als jetzt die Lokomotive pfiff, der Zug stille hielt und ich mit meinem kleinen Handkoffer auf den Perron sprang, da überkam mich — trotz des rauhen Herbstwindes, der mich von den Alpen