— 202 — j > \ ► m Die Pilgerfahrten der Landgrafen Ludwig I. und Wilhelm I. von Kesse« «ich dem heiligen Grude. Von C. v. Stamford. (Fortsetzung.) 'Unvollendet war das fromme Werk, die Pilger 2 | verließen Jerusalem am 23. August unter äJ der Mamalucken Schutze, lagerten die erste Nacht auf dem Felde und „die Heiden» thätenu uns alle buber.y so ihnen nur möglichen» zu thuenn was, undt nahmen uns unsere röcke, bareth, flaschen, was ihnen werdten mochtte." Schachten selbst ward eine Flasche mit gutem Wein genommen und er dazu über den Hals geschlagen. In Ramla hielt man den Zug wieder drei Tage hin und als er zur Galee überfahren wollte, wurde ein letzter Tribut aus ­ gepreßt, bei Ungefügigen mit Schlägen. Nahe bei Famagusta (Eypern) schlichtete Landgraf Wil ­ helm einen Streit zwischen den Pilgern und dem Patron, der gegen ihren Willen wegen Krankheit dort landen wollte. Gegen sein Versprechen wurden aus dem Aufenthalte zwölf Tage. Der Landgraf benutzte sie zu eintm Ritte durch die seit IV2 Jahrzehnten im Besitz der Benetianer befindliche herrliche Insel. Die furchtbaren Spuren des Erdbebens, welches im April desselben Jahres die Insel heimsuchte, waren überall noch sichtbar; vier in acht Tagen einander folgende Stöße ließen das verzweifelte Volk den Untergang der Insel fürchten. Auf des Landgrafen Verwendung veranlaßte endlich der Kapitän der Stadt den Patron zur Abreise. Korsaren kamen unterwegs in Sicht, man bereitetete sich zu Kampfe vor, allein jene griffen ein anderes venetiauisches Schiff an und raubten es aus. Diesem half dann das Pilgerschiff mit Brod und Wein aus. Widrige Winde verzögerten die Fahrt, erst am 4. Oktober ankerte-die Galee vor Rhodos. Ludwig Wilhelm entschloß sich, dieselbe zu verlaffen, was leicht begreiflich ist. Der Patron wollte ein-von dem Großmeister dem Landgrafen geschenktes Roß nicht aufnehmen, da ließ dieser seine Effekten aus dem Schiffe laden. Der Patron wohl in Besorgniß wegen Almdung seines Verhaltens in Venedig, bat den Fürsten dringend zu bleiben, doch erfolglos. Wilhelm nahm sein Losament wie beim ersten Aufenthalte in dem Hospitale des Ordens. In den nächsten Tagen erkrankte Werttenschlehe und starb bald darauf; er wurde in der Kirche St. Antoni feierlich mit allen Ehren eines Johannisritters beigesetzt. Der Landgraf durchstreifte die Insel, geleitet von Graf Ulrich von Montfort; des Ordens Macht, seine Ein ­ richtungen zur Abwehr der Türken erfüllten die Fremden mit Bewunderung. 800 Türken und andere Sklaven mußten Tag für Tag schanzen, nur an wenigen hohen Festtagen durften sie ruhen. „Man treibt sie an die Arbeit wie in Deutschlandt das viehe, undt wenn sie zu nachtt thun ihr gefängniß geführt werden, liegen sie auf einander wie die schweine," hören wir. Da ­ ist ein greller Gegensatz zu dem Krankenhause' — aber es waren ja Ungläubige, folglich im Geiste des Zeitalters eigentlich keine Menschen. Landgraf Wilhelm miethete ein Schiff für sich und seine Diener allein um 170 Dukaten, wofür es ihn, „bis wo er absitzen wollte, 1000 Meilen weit" zu bringen hatte und Niemanden sonst auf ­ nehmen durfte. Nach siebzehntägigem Aufenthalte verabschiedete Wilhelm sich von dem Großmeister und den Rittern und verließ diesen äußersten Vor ­ posten gegen die heranwogende türkische Barbarei, dann ging es dem Abende zu. „W. G. F. n. H. saß auf das Schieff und machten im Namen Gottes mit guttem wiendte feget." Bald darauf traten Regen und Sturm ein, Alles war in Angst, da erblickten Schiffsleute „den lieben Herrn St. Helmus auf dem mastbaume" und waren aus aller Noch. Doch kamen noch mehr Fährlichkeiten, dabei die beständige Sorge vor Seeräubern. Am 27. Oktober beunruhigte es die Pilger, daß sie am Tage Simonis und Judae uueingedenk des Tages Fleisch verzehrt hatten, der Ungestüm des Wetters wurde so arg, daß