Dr. GotllieL» Kellner und Heinrich Keife Geschildert von X Trabers. (Schluß.) c |Sv te Aushebung Dr. Kellners aus dem Kloster lol Wormeln erfolgte, wenn ich mich recht ent- Aär sinne, im Juli 1851, ungefähr gleichzeitig mit Hornfeck's und meiner eigenen Ver ­ haftung in Fulda. Auch wir hatten gegen die Srptemberordonnanzen, in denen wir eine Ver ­ letzung der Verfassung von 1831 erblickten, in einer Reihe von Zeitungsartikeln beharrlich an ­ gekämpft und wurden acht bis neun Monate nach dem Erscheinen der letzten Nummer unsere- Blattes verhaftet, um erst jetzt vor das permanente Kriegs ­ gericht gestellt zu werden. Auf dem Transporte in da- Kastell zu Kassel mußte ich mit meinen Gensdarmen zu Bebra übernachten. Dort im Gasthause wurde mir zugeraunt: Auch Kellner soll verhaftet sein. Es verging aber Woche auf Woche, ohne daß von dieser Verhaftung etwas zu merken war. Da mit einem Male, in der Nacht vom 13. auf den 14. August, wird es im Kastellhofe un ­ gewöhnlich lebendig. Ich verlasse mein Lager und eile an's Fenster. Doch läßt sich in der dunklen Nacht und weil die Eisenstäbe einen ordentlichen Ausblick unmöglich machen, nichts unterscheiden. Auf der Zelle neben mir entsteht ungewöhnliches Ab- und Zugehen. Diese Zelle zu meiner Rechten hatte bisher dem Auditeur Dallwig, der sich dem permanenten Kriegsgerichte zur Verfügung gestellt hatte, als Verhörzimmer gedient. Nun aber wurden plötzlich lärmende Einrichtungen getroffen, wahrscheinlich Tisch und Stühle entfernt, eine Pritsche aufgestellt und was sonst noch geschehen mochte. Als das Poltern aufhörte, war mir, als würden dem Wachtposten auf dem Gange besondere Instruktionen ertheilt. Am anderen Morgen bekam ich Gewißheit durch die Nachbarschaft außerhalb des Kastells. Dem Eingänge des Letzteren gegenüber, vom Kastell durch die Straße getrennt, zieht sich eine Reihe von Häusern hin. So war es wenigstens damals, wenn es sich jetzt etwa geändert haben sollte. Aus den oberen Stockwerken jener Häuser konnte man herüber in's Kastell sehen, in die vergitterten Fenster unserer im ersten Stock gelegenen Zellen. Das Gegenüber dieser Zellenfenster und jener Häuser ist zwar ein ziemlich weites, indem die erwähnte Straße, der Kastelleingang, ein Theil des Walles und dann auch noch die ganze Breite des Kastellhofs dazwischen liegen; wer aber so gute Augen hat, wie die weinigen damals waren. bedarf keines Glases, um eine Person, die aus jenen Häusern herüberblickt, genau zu unter ­ scheiden. Dort in dem oberen Stockwerk eines der Häuser gewahre ich jetzt eine Frauengestalt, die ein Kind so weit als möglich aus dem offenen Fenster heraus hält, als wollte sie eS in den Kastellhof gleichsam herüberreichen. Ich erkannte auf den ersten Blick Gottlieb Kellners Frau und wußte nun, wer in der Nacht mein Nachbar geworden war. Als nach etwa einer vollen Stunde die Frauen- gestalt mit ihrem Kinde aus dem Fenster wieder verschwunden war und ich annehmen durfte, daß sie das Haus, aus welchem sie ihren Grnß herüber ­ gewinkt, wieder verlaffen habe, trommelte ich an die Wand, die mich von Kellner trennte. Ich schlage dann einmal hart an und rufe aus Leibes ­ kräften A. Ich wiederholte sowohl den Schlag wie auch den Ruf. Ich ließ dann zwei Schläge folgen und rief B. Sofort antwortete Kellner mit drei Schlägeu und rief 6. Er hatte mich also verstanden und unser Klopf - Alphabet war fertig. Allerdings ein sehr unpraktisches, weil es höchst unbeqnem und ermüdend war. Wie hätten wir es auch gleich so vollkommen haben können, wie es die in den Gefängnißzellen ein ­ gebürgerten Gauner besitzen? Aber immerhin, wir konnten uns schon verständigen, wenn auch nur mühsam und langsam. Wir gingen auch sofort daran, unsere Buchstabenbezeichnung bequemer einzurichten; bald aber konnten wir das Klopf ­ alphabet fast ganz entbehren. Unter den Soldaten, die täglich die Kastell ­ wache zu beziehen hatten, gab es nämlich immer eine erhebliche Anzahl uns vertrauter Parteigänger, und wenn auch ich es verschmähte, von denselben jemals eine Gefälligkeit in Anspruch zu nehmen, so waren die Kasseler Demokraten minder skrupulös und organisirten sofort eine sehr rege Verbindung. Am besten ging das von Statten, wenn die Wache vom Leibgarderegiment bezogen war, in das sich ein Kasselaner Namens Zinn (er war Setzer seines Zeichens) als Freiwilliger hatte aufnehmen lassen, um gleichsam der Leiter des geheimen Verkehrs zu werden. Seiner Schlauheit gelang es sogar, sich in den Besitz eines Nachschlüssels zu setzen, mit welchem er, wenn ihn die Reihe traf. Nachts im Gang vor Kellners Zelle auf Posten zu stehen, nach Belieben öffnen konnte.