188 Rest auf allen Seiten vertheilt, so ging es unter der Sonne glühendem Strahle durch das steinige wüste Land fürbaß „hübsch in der ordnunge" fügt Schachten humoristisch hinzu. Bor Ort ­ schaften eilte ein Reitertrupp voraus, um zu hindern, daß „die heidnischen Weiber undt kiendter die Pilger beschimpften undt mit steinen würffen." Dennoch geschah dieses oft genug, Pilger, welche außer Bereich des Geleites geriethen, waren in Lebensgefahr. Stellt man sich in dieser so über ­ aus unwürdigen Lage die deutschen Reichsfürsten vor, so erscheint gewiß der Muth der Seele wie des Leibes bewundernswerth, welcher zum Aus ­ harren um des idealen Zieles willen stärkte. Und diese Großen der Erde hatten Namen wie Alles ablegen müssen, was ihren hohen Stand hätte verrathen können, da sie sonst in die Ge ­ fahr geriethen um Lösegeldes willen gefangen gemacht zu werden. Die Habgier der Mosle ­ min spähte stets nach Solchen, aus denen sie mehr zu erpressen hoffen durften. Daher suchte man vorher die Galeoten (Schiffsleute) durch reiche Trinkgelder vom Verrathe abzuhalten, ohne dadurch demselben im gelobten Lande stets zu entgehen. Wie leicht mochte das an Ehrfurcht gewöhnte Gefolge, selbst wenn es auf seiner Hut war, solche Männer bloßstellen! Der Patron einigte sich mit der Behörde über den Zoll für seine Pilgertrupp:, welcher stets sehr hoch ge ­ trieben wurde. Zu Ramla, dem Haltepunkte zwischen Jaffa und Jerusalem, hielt man die Karawane drei Tage durch die Bestimmung des Tributs an die Behörden auf „wir lebtenn mit Essenn und Trinckenn übel" hören wir da. In furchtbarer Hitze ging es weiter, ein Brunnen lockte zu gieriger Benutzung, bald starb ein alter Pilger auf seinem Esel, sofort von den „Heiden" ausgeplündert. Durch wildes, elendes Aussehen fallen die umherschweifenden Arabi (Beduinen) auf, von deren Bestialität wir abschreckende Züge erfahren und gegen welche die Mamalucken und Türken vortheilhaft hervorgehoben werden. Die übermäßige Hitze wurde vielen gefährlich, doch trat Abends Kühle ein, sie erholten sich „Gott schickett es zum besten»" tröstet Schachten. Es kam vor, daß beim Aufbruche die, welche den Namen ihres Eselführers vergessen hatten, zu Fuße gehen mußten, ein Mühsal, dem sich nicht einmal die Eingeborenen unterzogen. Jedes Auf- und Absitzen mußte mit einem Bakschisch vergolten werden, dabei thaten die Treiber auch „sonsten viel buberey, stahlen» u. s. w." Die bergigen, steinigen Wege verursachten nicht selten Straucheln der Thiere, besonders in der Nacht, dann war ein Sturz fast unausbleiblich, der aber dann noch ein Geldopfer zur Folge hatte. Doch der schmachvolle Ritt hat auck ein Ende. Am Morgen des 15. August erblicken die vordersten Pilger das lo heiß ersehnte Ziel — vor ihnen erglänzen die Zinnen der heiligen Stadt, ein Anblick, der alle ausgestandenen Leiden ver ­ gessen macht. Thränen der Rührung brechen aus manchem Auge, Alle drängen nach vorn, springen von den Thieren, umarmen einander, fallen nieder zu inbrünstigem Gebete. Bor der Stadt erwarten Mönche den Zug, welche für die Unterkunft gesorgt haben. Den Landgrafen, Philipp von Hanau und die übrigen Deutschen nahm ein Haus auf, in dem sie auf tem kahlen Erdboden lagen, dessen Wirth keinerlei Speise oder Trank für sie hatte. Da ziehen sic selbst aus. kaufen sich Nahrung, Holz u. A. Der Guardian sendet ihnen Teppiche und Aehnliches, so richten sie sich nothdürftig ein. Vorschriften für ihr Verhalten werden ihnen eingeschärft, Ver ­ stöße können schlimme Folgen, ja Gefahr für das Leben bringen. Gleich am folgenden Tage beginnen die Pilger unter Führung der Mönche den Besuch der hxiligen Stätten, die Verehrung der Reliquien. Zahlreich sind diese Orte in der Stadt, wie in deren Umgegend, in beständiger Aufregung und Entzückung bringen die frommen Männer ihre Gebete, ihre Opfergabcn dar. Eine erste Nacht wird im Tempel über des Heilands Grabe in stiller Andacht ausgeharrt, später liegen die Pilger noch eine Nacht zur Vorbereitung im Gebete auf des Tempels Fußboden, um dann gegen Morgen zum Anblicke des höchsten Heilig- thnmes zugelassen zu werden. Ampeln erleuchteten den unterirdischen Raum, durch eine schmale Oeffnung geht man ein zu dem Grabe des Heilandes, von Schauern der Andacht durchbebt. Nach diesem ritt die ganze Schar der Pilger gen Betlehem, eine Anzahl ehrwürdiger oder heiliger Stätten zu besuchen, und dann lagen sie eine dritte Nacht betend im Tempel. Nun »gelten sie für würdig zur Aufnahme als Ritter vom heiligen Grabe, der dafür vom Papste Bevollmächtigte ertheilt dem knieenden L. Wilhelm den Ritter ­ schlag mit der Fähigkeit, die übrigen Geprüften aufzunehmen. Der neue Ritter vollzieht die Ceremonie an dem Grafen von Hanau, ihren Begleitern und allen noch Anwesenden. Alle diese Anstrengungen, bei elender Lebensweise, zur Höhezeit des syrischen Sommers, wurden in 8 Tagen vollbracht, während sonst meist 14 Tage dafür verwendet wurden. (Fortsetzung folgt),