Die Pilgerfahrten der Landgrafen Ludwig I. n«d Wilhelm I. van Hessen nach dem heiligen Grade. Von C. v. Ztamford. (Fortsetzung.) ie Galec war rndlich bereit, der Landgraf Wilhelm und der Graf von Hanau, Schachten, WerttenSschlehn, Hanstein, Arend von Stein, der von Kaiser Max dem Landgrafen zugeschickte Ritter Leonhard Wetter und alle anderen Pilger fuhren am 12. Juni nach der im Meere ankernden Galee. Landgraf Wilhelm führte einen Kaplan, einen Koch, welcher bereits dreimal das heilige Grab besucht hatte und einen Diener für sich mit. Bei gutem Winde ging folgenden Tages das Schiff unter Segel, an feinen Masten wehten außer den Bannern von St. Marco und des Patrons die Pilgerfahne, in weißem Felde ein rothes Kreuz und das Banner des Papstes. Die Stunde des Scheidens wurde durch eine feierliche Messe auf dem Ver ­ decke, den Gesang frommer Lieder der knieenden Schar und das zu Gott gerichtete Gebet um glückliche Fahrt zu einer ergreifenden Scene. Alle Behaglichkeit war zurückgelassen, es heißt: „jeder ein Truhenn, zwei Spannen breitt, will er woll liegen muß er sein Lager darauf zu- richtenn lassen«, sonst keinen andern Ortt." Der Landgraf ließ den Seinigen dieses bereiten und Umhänge anbringen, doch konnte „der mensch sich kaum auffrichten." Das Verdeck war meist der Aufenthalt, hier genossen die Seefahrer die Luft des südlichen Himmels, die wechfeindcn Eindrücke der ?im Sonnenglanze sich dehnende» Adria. Allein keinerlei Andeutung darüber entschlüpft Schachten- sonst so ausführlicher Feder, ledig ­ lich für Werke des Menschen und seine Bedürf ­ nisse hatte er Sinn, sie rühmt er, wo eS sich gebührt. Bei Städten steht am Höchsten ihrer Festigkeit gegen Feindes Angriff, so heißt das veuetian. Zara eine „fast starcke Stadt", Ragusä eine „wunderstarcke stadt". Der Sinn für die Natur war der Menschheit noch nicht aufgegangen, in dem unaufhörlichen Waffenlärm der Zeit mußte sie desto mehr aus Sicherheit' gegen Be ­ dränger halten. Die ganze Ostküste der Adria fast lag unter den Pranken des Löwen von St. Marco, nur Ragusa erhielt sich selbständig und weiter südlich langte schon die erobernde Faust des Türken ans Meer. Am Tage St. Johannis „machten« sie ein groß fest mit lichtern, Trum ­ metten, siengen, beten, zu lobe dem lieben Herrn St. Johannis. Ihn riefen Pilger ganz be ­ sonders an, diesesmal half es nichts, denn es heißt weiter: „unn ihnn der nacht kam ein sturmwindt undt warst uns hindcr sich bey dreissig weil Weges." Corfu, eine starke Stadt der Venediger, Modon, Cerigo u. a. Orte werden berührt und Einiges über jeden gesagt. Ein neuer Sturm macht die Meisten seekrank, in dem äußerst engen Raume bei verdorbener. Luft, mangelhafter, oft abscheulicher Kost, stehen die Pilger oft große Leiden aus. Bon Candia, auch venetianische Provinz, wo die Bewohner sich ähnlich der venetianische» Wnse kleideten, heißt es lobend „fast schöne Weiber und natürlicherm". Der Uebcrfluß der großen Insel an Früchten, Wein und Allerlei was der Mensch zu leben nöthig hat, erweckt die Bewunderung. Nach Berührung einiger den Johannitern gehörigen Inseln erreicht, das Schiff Rhodus; ein längerer Aufenthalt wirkte wohlthätig auf den Zustand der Seefahrer ein. Das Haupt dcS Johanniter- ordcnS war damals Peter von Aubuffon, einer seiner ausgezeichnetsten Großmeister; er hatte I I Jähre zuvor die Stadt gegen ein mächtiges Heer Sultan Mahomed' II. heldenmüthig ver ­ theidigt, die Türken mußten nach ungeheueren Verlusten abziehen. „Rodis ist fast eine wunder ­ starcke- stadt undt wierdt, weil man solche uoch täglichen befestigt, viel stärcker", äußert das Tagebuch und fügt hinzu „es ist auch M. G. F. u. H. (Landgraf Wilhelms mit drei anderen Rittern auff die Mauer gcriettenn, alle vier neben ­ einander, das keiner d?S andern pferdt heruerett,"