162 So finden wir unser Brüderpaar, hoch oben in Schottland wieder. Nicht gar zu weit von der Stadt Perth sollten die Hessen die Pässe, die in's Hochland führten, überwachen, um den aufrührerischen Bergschotten ein Hervorbrechen in's Niederland unmöglich zu machen. Unweit des engen Passes Killikrankie lagen die vorgeschobenen Truppen der Hessen, des Regiment Maximilian und einige Compagnien von Mans ­ bach, während im Felde zwei englische Compag ­ nien den Eingang selbst besetzt hielten. Es war ein unfreundlicher Abend im April des Jahres 1746 und um die Beiwachtsfeuer lagerten die Grenadiere und Musketiere und unter ihnen, dort, bei den lodernden Scheiten, der Hermes und der Barthel. Der Letztere lag ausgestreckt aus einem Bund Haferstroh, neben ihm saß der lange Bruder und im Kreise die jungen aus dem fernen Hessenland, zwischen ihnen der Sergeant, rauchend aus kurzen Kalk ­ pfeifen, plaudernd, und eine dickbauchige Kruke Usquebaugh zwischen sich kreisen lassende „Morgen giebts was", ließ sich während einer Pause im Wechselgespräch, der Sergeant, ein narbiger kriegserfahrener Mann, der sich bisher auffallend schweigend verhalten hatte, plötzlich vernehmen. „Und das weiß Er so gewiß Sergeant?" fragte Barthel, sich von seinem Lager etwas aufrichtend und ihn anstarrend. „Wenn ich Alles so gewiß wüßte." „Aber woher weiß Er's denn? bis jetzt hat sich vom Feinde nichts spüren lassen." „Seht Jungen, fuhr der Sergeant mit ge ­ dämpfter Stimme fort, wenn man so 21 Jahre mitläuft wie ich, und in so viel blutigen Affairen gewesen ist,-so hat man seine Zeichen, die Nie ­ mand versteht, als man ganz allein." Die Gre ­ nadiere horchten schweigend auf. „Ehe ich's erste Mal in's Feuer kam, und mir ahnte es so wenig, wie heute, da knackte mir Abends, leise der Hahn an der Muskete, Obgleich er in Ruh war, 's hörte es auch Niemand als ich. Ich achtete nicht drauf, aber am anderen Tage waren die Franzosen da. Seitdem, jedes Mal, wenn's was Ernstliches am anderen Tage gab, hört ich leise den Hahn knacken, — und heute —" „Heute?" Die Grenadiere hingen athcmlos an seinem Munde. „Heute knackte er dreimal. Morgen gehts heiß her, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Denkt an mich." „Na, meinetwegen", rief ein Grenadier, „immer besser, als vor langer Weile in dem verwünsch ­ ten Lande umkommen." „Das meine ich au!" ließ sich ein Anderer vernehmen. ,,S' ist richtig," sprach ein alter Grenadier, „'s hat jeder seine Zeichen, wann's was Ernstliches giebt. Da war der Weiland aus Ziegenhain, der Unteroffizier bei Donop, der voriges Jahr bei Roeremonde in's Gras biß, der sah immer vor der Schlacht 'n kleines, graues Männchen; vor Roeremonde hatte er's auch gesehen, und da winkte es ihm. als ob er zu ihm kommen sollte, er erzählte es auch Abends am Feuer, und am anderen Tage war er weg. Ja, ja, Ihr seid noch jung, aber jeder Alte, der hat so seine Zeichen." „Morgen giebts was," wiederholte der Ser ­ geant nachdrücklich. „Loßt se kummen — me wunn's ’n wiesen, rief der Grenadier Grewe, der aus Kassel stammte, vom Brinke. „Die Kerle midde ehren nackichden Beinen, sunn schun laufen lernen." Hast Du denn schon welche gesehn? fragte ein Anderer neugierig. „De Englänner hon jo zwei gefangen Heide Morgen. — Die hon Uch so Kiddel ahne uß gewirfelden Zigg — un nackichde Beine — bloß Strimpe dröhne — un ne Schirze uß Fell. Godd verbumm mich ich hon mich halb dod gelacht — ewer de Kerle — un dann hon so se blaue blaue Betzeln uff mit Federn drahne." „Wie sind sie denn bewaffnet?" „Jo was ich do gesehn hon, do hon se so 'en breiden korzen Säbel — un dann so Ding wie 'n Deckel uff'n isernes Kochdibben, daß äß'n Schild, un dodermidde wunn se de Bagonettstiche ufffangen. Hahaha! "und derGrenadier lachte herzlich. „Wo hast Du sie denn gesehen?" „Bih den Englännern. ich sprochs jo schun, Heide Morgen als ich midd n Prinz do ahn den Bergen war. Se wurden gerahde ingebracht un de Englänner wullden se glich kapenniren un daß se noch lewen, honn se nurd den Prinz ß verdanken, der sprach: Das ging net, das weren Kriegs ­ gefangene, un wo he wer, do wirden keine Ge ­ fangenen abgemurkst. Der englische Oberst, der wullde noch was, aber der Prinz drehde emme den Buckel zu un ging wecken. Do honn se se dann lewen lassen. Se honn Üch ne hellische Wuth uff de Schotten, de Rindfleischfresser, unse Prinz «wer, das sprech ich Uch" und er neigte sich zu den Anderen „der hodd de Englänner im Magen — das kunnd de glauwen." „Kerls was steckt Ihr die Köpfe zusammen? ließ sich plötzlich eine jugendliche Stimme vernehmen.