155 Gläubigen auf. Viele Tausende unternahmen ungeachtet der drohenden Schrecken und Gefahren die unsäglich mühselige Reise, nicht etwa nur geringere Leute, sondern auch Fürsten und Vor ­ nehme. Diese sogar in überwiegender Zahl, da der weite Weg, welcher größtentheils zur See zurückgelegt wurde, beträchtliche Mittel erforderte. Aermere begnügten sich meist mit Wallfahrten, zu den in allen christlichen Ländern mit Heilig ­ keit begabten, dafür bestimmten Orten. Die Landessürsten von Hessen hatten mehrfach mit ihren Rittern und Mannen in den Kreuzes ­ heeren gestritten. Der Bruder Landgraf Lud ­ wigs I. von Thüringen und Hessen, Udo, Bischof von Naumburg, zog mit König Konrad III. 1147 in das gelobte Land, er wurde ein Opfer dieses menschenwürgenden Kreuzzuges. Ludwigs Enkel, Ludwig III., ein ritterlicher Fü'st, dem Kaiser Friedrich Rothbart, seinem Oheim, treu ergeben, führte ihm einen Hcerhaufen zu, als er 1189 zu dem fast das ganze Abendland in Bewegung setzenden Kreuzzuge die Heimath ver ­ ließ. Der tüchtige Landgraf leistete im Heere große Dienste, vorzüglich bei der Belagerung von Akkon; allein eine Krankheit raffte ihn 1190 hinweg. Sein Bruder und Nachfolger Hermann nahm ebenfalls das Kreuz, als er nach Bedräng ­ nissen und Kämpfen einige Ruhe in seinem Lande hergestellt hatte. Er führte seine Thüringer und Hessen 1197 nach dem Morgenlande, wo Sultan Saladins Tod der christlichen Herrschaft neuen Aufschwung zu verheißen schien. Dennoch blieben die ohne hinlängliche Kräfte und ohne Ueberein ­ stimmung unternommenen Angriffe resultatlos. L- Hermann ging in die Heimath zurück. Als Kaiser Friedrich II. dem Drängen des Papstes auf einen Kre.uzzug sich nicht länger entziehen konnte, bewog er auch den Landgrafen von Thüringen und Hessen, Ludwig IV., zur Hceres- folge. Der erst-'27jährige, doch kriegserfahrene, tapfere und angesehene Fürst, einer der mächtigsten des Reiches, wurde von seinem kaiserlichen Vetter dazu ersehen, den Oberbefehl über alle deutschen Krieger im Kreuzheere zu führen. Im Früh ­ jahre 1227 zog er aus, ergreifenden Abschied von seiner Gemahlin Elisabeth nehmend, welche einige Tagereisen mit ihm zog und sich gar nicht von ihm trennen wollte. Ihre schlimme Ahnung wurde Wahrheit. Noch in Süditalien, zu Otranto, wo die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers seuchenartige Krankheiten unter den Kreuzfahrern hervorrief, erkrankte auch Landgraf Ludwig und starb nach kurzer Krankheit, tiefbektagt — ein unersetzlicher Verlust für den Kaiser und das Heer, wie für seine Lande. So hatten vier der thüringisch-hessischen Fürsten der Pflicht genügt, welche in jener Zeit frommer Begeisterung der Glaube auferlegte, drei derselben hatten ihre Treue mit dem Tode besiegelt. Dabei fällt ins Gewicht, daß ihr Stamm meist nur auf vier Auge» stand; in Ludwigs IV. des Heiligen Bruder starb die männliche Linie aus. Die immer trauriger sich gestaltenden Dinge im deutschen Reiche, zugleich die Trennung Hessens von Thüringen ließen eine Betheiligung hessischer Fürsten an einer Kreuzfahrt nicht zu. Mit dem Falle Akkons 1291 ging der letzte Posten ver ­ loren, welchen die Christenheit noch inne gehabt hatte. Die Wiedereroberung überstieg die Kräfte, welche etwa noch dazu aufzubringen waren, die Begeisterung war bei der Mehrzahl geschwunden. An die Stelle mächtiger Heereszüge treten die Fahrten demüthiger Pilger, über drei Jahr ­ hunderte lang, bis in das siebzehnte währten diese, dem frommen Bedürfnisse genügenden Wanderungen. Doch war es nicht immer der religiöse Drang allein, dem die Pilgrime folgten, auch bloße Reiselust, der Trieb ferne Länder kennen zu lernen, politische oder Handelsauf ­ träge u. A. bewogen jene. Bei vielen war es der Wunsch, Ritter vom heiligen Grabe zu werden, was nur in Jerusalem selbst möglich war. Sowie den Hessenfürsten in den nach Lüdwigs des Heiligen Tode bis zum Ende der Kreuzzüge vergangenen 64 Jahren, die Verhältnisse ihres Landes nicht gestatteten, es zu verlassen, blieb es auch fernerhin. Eine lange Zeit verging, in welcher eine Reihe von Landgrafen aus bra- bantischem Stamme fast unaufhörlich in Fehden und Kriege verwickelt waren und mehrfach um ihre Existenz zu kämpfen hatten. Erst dem Sohne Hermanns des Gelehrten, Ludwig dem Fried ­ fertigen, war eine mehr gesicherte Herrschaft be ­ schicken. Er unternahm denn auch eine Fahrt nach dem gelobten Lande, nachdem er den alten Erbfeind Hessens, den Erzbischof von Mainz, so schwer getroffen hatte, daß er Frieden gab und fernerhin ernste Gefahr Hessen von dem Mainzer nicht drohte. Der junge Fürst, welcher bereits so manche Proben seiner Weisheit, Mäßigung und Kraft abgelegt hatte, war von tiefer Frömmig ­ keit. Das Beispiel seiner Vorfahren, der thüringi ­ schen Landgrafen, welche gegen die Feinde Christi gezogen, der Ruhm seiner frommen Aeltermutter Elisabeth, leuchteten ihm voran, mahnten ihn zur Nacheiferung. Da zog im Jahre 1429 der Landgraf als Pilger aus, das heilige Grab zu besuchen; ein Bericht über diese Reise ist nicht vorhanden, sodaß nur das Allgemeine derselben