146 «f fi des Innern, von Hanstein, vertrat die Anklage. Moog wurde zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt, und zur Verbüßung der Strafe nach Magdeburg gebracht, dessen Uebergabe an die Preußen ihn befreite. Dem Verräther Roth, das ganze Dorf nannte ihn den Judas, ging es nach Verdienst. Kein Goßfelder erwiderte seinen Gruß. Die Kinder schimpften hinter ihm her. Die Hausthüren schlossen sich vor ihm. Jn'S Wirthshaus zu gehen, wäre der eignen Aufforderung, ihn mindestens halb todt zu schlagen, gleichgekommen. Die Plätze auf der Kirchenbank, auf der er auch den seinigen hatte, blieben leer. Schließlich konnte er es nicht mehr ertragen, er zog von Goßfelden weg in das am Wollenberg, Caldern gegenüber, liegende einzelne Haus, das Eichhaus genannt. Im Frühjahr hausirte er mit Rechen, die er im Winter geschnitzt. An der Lahn kaufte von ihm Niemand, er mußte nach Niederhessev wandern, wo man ihn nicht kannte, und so hielt er denn auch jedes Frühjahr seine Rechen auf der Kasseler Fuldabrücke feil. Wir müssen uns noch einmal nach Moog um- sehen. Er hatte Eigenschaften, die ihn zum Führer qualificirteu Er hatte Muth und Geistes« gegenwart und war in der Wahl der Mittel nicht verlegen. Irgend welche Verlegenheit kannte er überhaupt um so weniger, als eine die Wahr ­ heit verschleiernde Höflichkeit ihm selbst der Be ­ zeichnung nach fremd war. Im Jahre 1817 oder 18 wurde für die Lahn zwischen Sterz ­ hausen und Goßfelden ein neues Bett gegraben, ein für damalige Zeiten bedeutendes Unternehmen. Witdungen, der nun wieder kurfürstlich hessicher Oberforstmeister, und Hanstein, der kurfürstlich hessischer Regierungsrath, beide in Marburg ge ­ worden waren, besuchten eines TagS. die Arbeits ­ stelle und stießen hier aus unsere» Moog, der dort auch als Taglöhner beschäftigt war. Hanstein, dem eine gewisse Leutseligkeit nicht abzusprechen, klopfte Moog mit den Worten auf die Schulter: „Ei, da ist ja auch der brave alte Hesse! Moog wies jedoch dies Lob mit den an beide Herren gerichteten Worten zurück: „So, sei mer alle ­ weil oach werrer gaud hessisch? Ehr zwö wart verdammt franzesch!" Durch diese Worte entstand nicht,' wie es irr Theatersprache heißt, ein tableau, sie wirkten wie eine Versenkung. In der 17. Erzählung theilt, uns- Münscher einen Vorfall mit, der sich 1812 iy Marburg ereignete. Die Landsmannschaft der Hessen hatte, die Anwesenheit böhmischer Musikanten benutzend, einen Kommers oder dergleichen arrangirt. Im Verlauf dieser geselligen Vereinigung läßt ein Student den Erzherzog Karl, ein -anderer den Kurfürsten Wilhelm leben, es fehlt auch nicht an einem Hoch auf Deutschland, an einem Pereat auf die Franzosen. Tags daraus, beziehungs ­ weise einige Tage später werden wegen dieses Vorfalls sieben Studenden gefänglich eingezogen, und von diesen vier nach Dassel transportirt. Unter den letzteren befand sich der 1885 ver ­ storbene Superintendent Schüler zu Aflcndorf und der Geheime Regierungsrath Schröder zu Kassel. Während nun bei Schüler besonders erwähnt ist, daß er in den Befteiungskriegen mit Auszeichnung gedient, er war freiwilliger hessischer Jäger, ist von Schröders Theilnahme an diesen Kämpfen nichts ausdrücklich bemerkt. Als sich 1815 der Ausmarsch der Hessen ver ­ zögerte, trat Schröder in ein preußisches Regiment,' in welchem er den Feldzug mitmachte und dann in sein Vaterland zurückkehrte. Aehnlich verfuhr Bach, später Obergerichtsanwalt in Kassel, der in das Füsilierbataillon des fünfzehnten Regiments trat, welches bekanntlich die Spitze der die Franzosen nach. der Schlacht bei Waterloo verfolgenden Preußen bildete, und dessen kühnem und rast ­ losen Draufgehen hauptsächlich die Auflösung der französischen Armee z« danken war. Nachstehendes habe ich ans Schröder's Muud: Als die nach Kaffel transportirten Studenten dort anlangten, wurden sie in eins der Büreaux der hohen Polizei geführt. Sie fanden da einen jungen Schreiber, der sie selbstverständlich ohne dazu das geringste Recht zu haben, mit Vor ­ würfen über ihr illoyales Betragen empfing ^ und wissen Sie,-sagte Schröder zu mir, wo ich' diesen Burschen wieder sah ? an der kurfürstlichen Mittagstafel, er' war immittrlst geadelt, war Ge«. heiMrath «. s. w. geworden. Ich überlasse es dem Leser, Vergleiche zwischen den verschiedenen Personen anzustellen, die ich hier vorführte.