128 nicht auf dem Friedrichsplatz. Was hat der Künstler mit der Politik zu schaffen! Ich weiß auch, wie liebevoll mir einige Freuude unter den Kasseler Kollegen nachgesungen haben, als ich nicht wiederkam. Arme Mäuse! Nur Thoren können es als einen Grund mit für das schnelle Ende des Theaters ansehen, daß ich nicht wieder kam und die Heinefetter wegblieb. Das ist dummes, albernes Geschwätz, wenn es auch meiner Eitelkeit schmeichelt." Die beiden Bürgergardisten Gerber und Schmale fanden alsbald auswärts Engagement, ersterer übernahm die Direktion des Stadt- theaters in Bremen und Schmale wurde Mit ­ glied des Hoftheaters in Schwerin, iu welcher Stellung er, von allen Seiten anerkannt und geschätzt, bis zu seinem vor etwa 2 Jahren er ­ folgten Tod geblieben ist. Das Engagement des alten Schmidt war nur von kurzer Dauer, schon nach 2 Jahren wurde er mit einer Gnaden ­ pension von 5 Thalern monatlich entlassen. Da er damit sich, Frau und Tochter nicht ernähren konnte, war er auf die Unterstützung alter Freunde und Bekannten angewiesen, die ihm dann auch zu theil wurde. Mancher erinnert sich wohl noch der originellen Erscheinung des alten Künstlers, wenn er in Kniehosen, hohen Stiefeln, grünem Bieberrock und Pelzmütze Bekannte begrüßte und Loose zu einer, von ihm veranstaltelen Ausspiel ­ ung eines Papagei, einer Kiste Cigarren, eines von Napoleon getragenen Hosenträgers und dergl. anbot. Man beruhigte sich gern, wenn man nachher ans Befragen von ihm hörte, daß seine Tochter Carolina oder ein Göttinger Student den Gegenstand gewonnen habe. Auf das Theater war er noch seinem Abgang schlecht zu sprechen, es sei jetzt dramatischer Kloak, früher das wäre eine Bühne gewesen, Scydelmann und er, und was hätte er Geld gehabt, manchmal für 1000 Thaler Silber auf dem Leihhaus. Glücklicherweise sind die Zeiten vorüber, wo einst verdiente Hofschauspieler ein unverschuldet trauriges Ende nehmen, jetzt, wo Pensionsanstalten und die Bühnengenossenschaften so segensreich wirken. R.-s. Kasseler Maler iu den Jahren 1840 dis 1850 Bon g 0 ui & Kertzerrsteirr. (Schluß). Ickur kurze Zeit der Kasseler Akademie ange- M, hörend, waren damals noch einige Maler, ^ welche später zu Ruf und Ansehen gelangten, August von Wille, vor wenigen Wochen in Düsseldorf gestorben, ebenso tüchtig alsLandschafts- wie als Genremaler, Carl Arnold seit vielen Jahren in Berlin, ein vielseitiger Künstler, her ­ vorragend besonders in der Darstellung von Hunden und endlich Gustav Süß, der sich ein bescheidenes Genre erwählt hatte, in diesem aber wahrhaft Geniales leistete. Seine Hühner ­ bilder sind der ganzen Welt bekannt geworden; wen hätte nicht schon jenes kleines Bild gefesselt, welches ein eben aus dem Ei gekrochenes Küch ­ lein darstellt und wer hätte sich nicht ergötzt an dem „Wettlopen tüschen dem Hasen und dem Swinegel auf der Lüneburger Haide." Süß zählte zu den namhaftesten Düsseldorfer Künstlern. Er starb im Jahr 1882. Auf der Gemäldeausstellung in 1842 machte das lebensgroße Bildniß einer Italienerin, in dem malerischen Kostüm von Procida, das Werk eines kasseler Malers, Eduard Jhlee. be ­ rechtigtes Aufsehen und hatte das seltene Glück, in den landesherrlichen Besitz überzugehen. Jhlee war ein talentvoller, ernster und fleißiger Künstler und wandte sich, nicht ohne Erfolg, der Geschichts ­ malerei zu. Aber auch er gehörte zu Denen, die in Kassel weder Anerkennung noch Anregung fanden. Er lebte längere Zeit in Frankfurt, geschätzt als Portraitmaler und ging dann nach Italien, wo er sich fast ausschließlich dem Kopiren der alten Meister hingab. Zum Professor an der hiesigen Akademie ernannt, kehrte er zurück und wirkte noch einige Jahre als solcher. Die Gemälde-Gallerie hat die zahlreichen Kopien der Verstorbenen erworben und in einem eigenen Saale aufgestellt; Jhl4e ist aber in diesen Ge ­ mälden nur unvollkommen repräsentirt, es sind nur kühle Erinnerungen an die Originale, deren Farbenzauber nicht erreicht ist. Ganz abseits von allem Verkehr mit anderen kasseler Malern lebte und arbeitete KarlNahl, aus einer, an bedeutendenKünstlern reichen Familiie hervorgegangen. Mir ist es nicht bekannt, wem er seine Ausbildung verdankt, ich vermuthe nur, daß er wesentlich Autodidakt war. Bei der Wahl des Stoffes zu seinen Gemälden, hatte er iu erster Linie solche im Auge, die ihm Gelegenheit gaben, seine Geschicklichkeit in der Malerei von prächtigen Gewändern, blitzenden Geschmeiden und vor Allem in wirksamer Lampen- nnd Mond-