67 Nach dem Ableben seiner Gattin brachte er die Kinder aus deren erster Ehe im Sommer 1812 zu Verwandten in Hessen. König Jerömc hatte aus eigener großmüthiger Initiative dem General von Lepel , ein Wiedersehen mit dem Sohne angeboten und dem letzteren dazu den Besuch der Heimath gestattet. Im Winter 1812/13 wurde Lepel zu seinem Herrn nach Prag berufen und begleitete den ­ selben nach Breslau zur Begrüßung der durch den Vertrag von Kalisch verbündeten Monarchen von Rußland und Preußen. Er verblieb dann im Gefolge des Kurfürsten und wurde ver- schiedenlich in das Hauptquartier der Alliirten, deren Einzug in Dresden er beiwohnte, ent ­ sendet. Da der Kurfürst, ehe Oesterreich, in dessen Territorium er wohnte, dem russisch-preußischen Bündniß beigetreten war, keine kriegerischen Rüst ­ ungen vornehmen konnte, versprach er dem Mi- uister Freiherrn von Stein, zumeist auf Zurathen . Lepels, eine pekuniäre Beihülfe zu den Feldzugs ­ kosten von monatlich 50000 Thlr., deren erste zweimonatliche Rathe letzterer, nicht ohne Gefahr, in die Hände der französischen Armee zu fallen, an Minister Hardenberg überbrachte. Ueber die ' Beziehungen Lepels zu Stein, die damals be- 1 gönnen, liegen, wie wir aus der Beilage ersehen ' werden, interessante Aufzeichnungen, zum Theil mit wörtlicher Wiedergabe der wichtigeren Unter ­ redungen, vor. 'Auf die 'Rachricht von der Ein ­ nahme Kassels durch Czernitscheff wurde Lepel mit dem Obersten von Müller sofort vom Kur ­ fürsten dorthin entsendet, um Besitz von Hessen zu nehmen.' Sie erfuhren aber rechtzeitig den Wiederabzug der Russen und schlossen sich nun dem großen Hauptquartier an, in welchem sie der Leipziger Schlacht beiwohnten und in dessen Gefolge sie nach Frankfurt a. M. kamen. Dort unterzeichnete Lepel am 3. December 1813 in Voll ­ macht seines kurfürstlichen Herrn den Zutritts ­ vertrag zur großen Allianz, durch welchen dieser ; wieder in seine Staaten eingesetzt wurde. Die > Auswechselung der Ratifikationsurkunden fand in ' Basel und Freiburg statt. ! Im Sommer 1813 war Lepel dienstthuender ! Kammerherr und am letzten Tage des Jahres j Geheimer Regierungsrath, geworden. Nach der ersten Einnahme von Paris reiste j er in höherem Aufträge dorthin, um die Kunst- 1 und literarischen Schätze zu reklamiren, welche ! die französischen und wcstphälischen Behörden ! aus den Kasseler Museen und der Bibliothek j halten wegführen lassen. Diese Mission scheiterte, > weil durch die Kapitulation von Paris die Be- j ! stände des Musee Napoleon garantirt waren. 1 In den Jahren 1814—15 wirkte Lepel als ! zweiter Bevollmächtigter des Kurfürsten, der in ­ zwischen Besitz seines Erbes ergriffen und eine I Armee von 21000 Mann aufgestellt hatte, auf dem Wiener Kongresse. Er nahm thätigen An ­ theil au ben Verhandlungen über die deutschen Angelegenheiten. Einzelne Noten sind im ersten Entwurf seiner Feder entflossen und auch bei 1 der Redaktion der Bundesakte wirkte er eifrig > mit. Auch hierüber sind detaillirte Angaben im I Nachlasse vorhanden, von denen die erste Anlage handeln wird. . Auch die Verhandlungen zwischen Preußen und dem Kurfürsten, in welchen von diesem gegen Abtretung der Niedergrafschaft Katzenellen ­ bogen und der Grafschaft Plesse ein Theil des Bisthums Fulda, einschließlich der Stadt, als Grvßherzogthum Fulda erworben wurde, waren Lepel anvertraut, ebenso die Auseinandersetzung mit Hessen-Darnfftadt wegen Retrocession resp. Ersatz von vier . Hanau'schen Aemtern, welche Napoleon dem Großherzoge überwiesen hatte. Im Jahre 1816 erhielt Lepel statt der in seinen Wünschen liegenden und ihm anfangs zugesagten Stelle des Gesandten am neu errichtetcn Bunde, den diplomatischen Posten am Wiener Hofe. Er traf dort zur vierten Vermählung des Kaisers Franz ein und begab sich im Februar nach München, wo er.ebenfalls beglaubigt war, zur Ueberreichung seiner Kreditive. Dort traf ihn die Weisung: sich unverzüglich nach Frankfurt zu verfügen und die Stelle des Bundestags- ■ gesandten, erst provisorisch, dann definitiv, zu übernehmen. Seine Vorgänger hatten einem, den Kurfürsten gravirenden Beschlusse der Versammlung gegen ­ über keine Verwahrung eingelegt. Es handelte sich nut die Herausgabe der ehemaligen Güter des deutschen Ordens, dessen Aufhebung Napoleon im Jahre 1808 dekretirt und dessen Besitzungen er dem Landesherrn geschenkt hatte. Von der westphälischen Regierung waren die Güter zum Theile verkauft worden. Der Kurfürst nahm nach seiner Rückkehr von dem Nichtveräußcrten Besitz und erließ, da die Käufer der bereits veräußerten Güter durch die Gerichte in ihrem Besitze geschützt wurden, eine Verordnung, wo ­ nach dieselben, gegen den Kaufpreis und den Ersatz nachweislicher Meliorationen zurückzuer ­ statten seien. Hierdurch mußte namentlich ein Domänenkäufer Hofmann, der die bereits in die Katasterrolle eingetragenen Güter in größeren Parcellen anderweit veräußert hatte, empfindliche Verluste erleiden.