62 Philipp Ludwig II. Gin Lebensbild ans der Hanauer Krafen-Gefchichte. Bon F. W. (Schluß). *MhilipP Ludwig wurde» indeß bei der Aus- M führung seines Planes verschiedene Hindernisse *' in den Weg gelegt, einestheils von dem Rath der Stadt Frankfurt, welcher seinen Burgern bei Strafe verbot, in Hanau zu bauen, anderen- theils von dem Kurfürsten von Mainz, welcher die Behauptung aufstellte, daß das Bauterrain in dem ihm zustehenden Wildbann der Bulau läge. Was den letzten Einwand anging, so war es dem Grafen leicht nachzuweisen, daß hier noch nie Wald oder anderer Unterschlupf für das Wild gewesen sei, sondern daß das Baufeld nur aus Gärten und Aeckern bestehe. Nächstdem beschwerten sich die Bürger der Altstadt, daß durch de« Neubau ihre besten Grundstücke der Kultur entzogen würden, und sprachen die Be ­ fürchtung aus, daß sie durch die zahlreichen An ­ siedler in ihrem Erwerb geschädigt werden würden. Philipp Ludwig brachte sie dadurch zum Schweigen, , daß er ihnen für die verlorenen Grundstücke ! andere gab, zu welchem Ende er auch einen den j Herrn von Dorfelden gehörigen im Bauplan liegenden Güterkomplex von 30 Morgen erlauschte, j Das Bauterrain wurde an die Anbaner gegen I feste Taxen abgegeben. ! Mit dem Frühjahr 1597 erhob sich nun in ! dem Feld zwischen den Wällen Alt-Hanau's und i der Kirche des Kinzdorfes ein reges Leben. Der Wall und Graben, der die neue Stadt ! schützend umgeben sollte, wurde markirt, die Straßen nach den vier Himmelsgegenden abge ­ steckt, die Bauplätze vertheilt. Hier wurde ge ­ graben, dort gemauert oder gezimmert. Unter den Bau- und Werkleuten sehen wir den Grafen und die Bauherrn umhergehen, hier den Fortschritt der Arbeit prüfend, dort Neues anordnend. Bald stand das erste von Georg Behaigne er ­ baute Haus unter Dach, das Eckhaus am Markt, in welchem sich jetzt die hessische Diakonissen- ’ station befindet. Es erhielt den Namen: dar , Paradies und führte die Inschrift: Das erstgebaute Haus bin ich. Zum Paradieß heißt man mich. Für Brand und Noth mich Gott bewahr, Gleichwie auch meinen nächsten Nachbar. Bis zum Jahre 1600 waren bereits achtzehn Häuser fertig. In dem Zeitraum von da bis zum Beginn des dreißigjährigen Kriegs war die Bauthätigkeit am stärksten, so daß das Jahr 1618 bereits 364 Häuser vorfand. Die Kapitulation sicherte den Ansiedlern nicht nur vollkommen Religionsfreiheit, sondern auch eine fast ganz selbstständige Verwaltung ihrer Angelegenheiten, große Freiheiten, geringe Ab ­ gaben, und vor Altem vollkommene Handels- und Gewerbefreiheit, eine in den deutschen Städten damals noch unbekannte Sache. Hierdurch war den Ansiedlern Gelegenheit gegeben, ihre Kräfte ungehindert zu entfallen, denn sie brachten nicht nur Geld mit, sondern auch ein reiches Kapital von industrieller Geschicklichkeit, mit de.» sie nun durch keinen reichsstädtischen Zunftzwang mehr gehemmt wuchern durften. Unter den Zugezogenen waren zahlreiche Posamentirer d. h. Bandweber, Tuchmacher und Gerber, welche die heimische Textil- und Lederindustrie aus den Niederlanden nach Hanau verpflanzten, dir bis zum Anfang dieses Jahrhunderts daselbst geblüht, von da an aber anderen Industriezweigen Platz gemacht hat. Ebenso findet sich unter den ersten Bewohnern der Neustadt ein namhafter Juwelier, Jsak Meusenhol, der als der Vater der noch jetzt so blühenden Edelmetallbearbeitung zu betrachten ist. Zur Beförderung des Handels halte der Graf in der Kapitulation die Anlage eines Schiff- fahrtkanals, der sich vom Main bis in das Innere der Stadt erstreckte, sowie die Erbauung eines Marktschisfes versprochen, welches den täg ­ lichen Verkehr mit Frankfurt bis zur Eröffnung der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn vermittelt hat. Auch diese Einrichtung suchte Kurmainz zu stören, indem es im Jahre 1607 daS Marktschiff durch bewaffnete Mannschaft wegnehmen, zerstören und den Schiffer gefänglich nach Groß-Steiuheim abführen ließ. Philipp Ludwig wußte sich aber für diesen Gewaltakt die gebührende Genug ­ thuung zu verschaffen. Ain 9. April 1600 legten die Fremdlinge in Gegenwart von vielen gräflichen und fürstlichen Personen, darunter Friedrich, Pfalzgraf bei Rhein,. Johann von Nassau, sowie den Grafen