Nachdem aus der „Grafschaft Katzeuelleu- j bogen" ein Apffel-Banm, der jährlich in der Christ- I Nacht in einer Stunde blühet und Aepfel trägt, der Rhein-Fall bey Stadt G o a r, welcher das bey Bingen unter die Erde versenckete Wasser wieder empor wirft, beschrieben worden ist, wird weiter genannt: „Schwalbach, ein Flecken, hat berühmte Saner- brnnnen, deren ein jeder seinen besonderen Namen hat, als der Linde-Brunn, der Wein-Brunn, der Stock-Brunn, der Koch-Brunn, der Grind-Brunn, der Katzen-Brnnn rc. und eine Stund davon das be ­ rühmte warme Bad, oder sogenannte Schlangen-Bad. Unter denen Sauerbrunnen übertrifft der Wein- Brunn die andern alle, denn er ist am Geschmack wie ein neuer Wein, und so er des Morgens in seiner natürlichen Hitze getrunken wird, ss empfindet man solches alsobald im Kopfs, und macht gantz trunken." Bey dem Flecken Berstadt ist eine Milch-warme Quelle, deren Ablaufs sich mit dem vorbeyrinnenden Bach vereiniget, in welchem Krebse gefangen werden von sonderbarer Eigenschaft, sintemahl die, so ob der Quelle gefangen werden, roth, die aber, so man unter derselben bekommt, im Sieden gelb werden. Homberg, eine Stadt mit einem Schloß, welches auf einem hohen freyen Berg ligt, im Nieder-Hessi ­ schen, von welchem man über 100 Städte und Dörfer zehlen kan. Daselbst ist auch ein Brunn, der 80 Klassier tief ist. Spangenberg, eine Stadt mit einem Vesten , Berg-Schloß. Bey der Stadt ein Berg auf welchem ' eine große Menge kleiner runder Steine gefunden wor ­ den, die alle von Natur das Zeichen wie eine Spange auf sich haben. *) Trefurt, eine Stadt und Amt, welche drey Grund- , Herren hat. Ein Theil gehört nach Hessen-Cassel, der andere dem Chur.-Fttrsten zn Mayntz, das dritte dem Chur.-Fürsten zn Sachsen. Jeder hat daselbst seinen besonderen Amtmann, auch seine besondere Bürgerschaft und Gassen. In Hessen ist der hohe Berg, W e i s n e r genannt, welcher oben einen Raum und Ebene hat, fast drey viertel Meilen lang, darauf etliche tausend Aecker Wiesen, auf welchem das schönste Graß wächst, so fast einen Menschen bedecket; auch sind allda schöne Brunnen und Quellen, die mit großem Geräusch zwischen den Steiullippen herunter fallen. Fnlda, die Haupt- und Resideutz-Stadt der ge ­ fürsteten Abiey gleichen Namens, allwo eine vortreff ­ liche Bibliothek aus lauter auf Pergament geschrie ­ benen Büchern, dergleichen an Alter und Menge in gantz Tentschland nicht zn finden. Der Abbt ist ein Fürst des Reichs, und der Römischen Kayserin Ertz- Cantzler, auch hat er den Vorzug über alle Aebbre in Teutschland und Frankreich, trügt auch die Würde eines Cardinals. Allhier ist Carolus Magnus ge ­ boren isu*!). Die Kirch zu St. Michael soll mit dem Tempel zu Jerusalem übereinkommen. *) (£$ sind damit die Encr ini ten gemeint, die fossilen Säulenglieder der Seelilie. t Von der Wetteraü. D i e tz, hat ein doppeltes hohes Schloß, in der' Grafschaft gleichen Namens, welche wegen ihres Reich ­ thums die güldene Grafschaft genannt worden. Zwey Meilen vor der Stadt ist das bekannte warme Bad an der Lohne, das Emser-Bad genannt, gehöret zum Theil dem Landgrafen zu Hessen, anderen Theils aber dem Grafen von Nassan-Katzenellenbogen zn, welche beyders. Vögte und Pfleger dabey gesetzet und bestellet. Han an, eine schöne, lustige und wohl-bevestigte auch Residentz-Stadt des Grafen von Hanau, am Fluß Kintz, nahe am Main, wird in die alte und neue Stadt abgetheilt; hat schöne und prächtige Kirchen. Es ist sonderlich die neue Stadt wohl werth zu be ­ sichtigen, nicht allein wegen der schön angelegten Forti- fication, als auch nach der Architectnr-Knnst aufge ­ führten herrlichen Gebäuen. Das Schloß in der Stadt ist zwar schön, aber eine halbe Stunde von der Stadt siehet man ein vortreffliches ohnlängst nach der Italiänischen Manier gebautes Schloß, Philipps-Ruhe genannt, welches mit schönen Zimmern und einem lusti ­ gen Garten versehen. Nicht weit von dieser Stadt ist ein Eichen-Wald, dessen Bäume aber niemals Eicheln tragen, deßwegen er auch der verfluchte Wald genannt wird. Es wird auch kein Holtz zn Gebäuen darinn ge- fället. Bei Büdingen, eineul Flecken ist ein Acker, darinn viele Kröten-Steine,*) die so wol äußer- als innerlich das Gisst abtreiben; sie haben eine schöne Bezeichnung einer Kröten. Wetzl ar, eine Freye Reichs-Stadt, ist jetzt wegen des Cammer-Gerichts bekannt, das Anno 168?) von Speyer dahin verleget worden." A. Aus alter und neuer Zeit. Der 29. Februar ist der Todestag eines knrhcssischen Staatsmannes, dessen Name heute noch, fast ein Menschenaller nach dem Hinscheiden desselben, den besten Klang hat. Am 29. Februar 1860 starb zu Hanan der Staatsrath Bernhard Eberhard, der lang ­ jährige Oberbürgermeister von Hanan, später Vorstand des Ministeriums des Innern im Märznnnisterium, das nach ihm seinen Namen führte. Geboren am C». April 1795 zn Schlüchtern, als der Sohn des dortigen Pfarrers Andreas Ludwig Eberhard, besuchte er das damals in seiner Vaterstadt blühende Gymnasium, die alte Klosterschule, aus welcher s. Z. so viele bedeutende Männer hervorgegangen sind, studierte hiernach zu Marburg, Wetzlar und Gießen Rechtswissenschaft, wurde l 817 in Hanan Obcrgerichtsadvokat, 1821 Staatsanwalt oulvocatus fisei) und 1829 Bürger ­ meister von Hanau. Er war Mitbegründer der knrhcssischen Verfassung vom 5. Januar 1831 und hervorragendes Mitglied der kurhessisch m Stände- kammer ununterbrochen bis zum Jahre 1848. Am 19. März des letztgenannten Jahres wurde er zum *) Ebenfalls Muschelkalkversteinernngen, (Terebrntula vulgaris, gem. 9ochmuschel).