47 eine bürgerliche Nahrung und Handlung zu bringen, eine neue Stadt an dem Einflüsse der Diemel in die Weser zu bauen und derselben den Namen Carls- hasen gegeben. Gestalten dann Höchstgedachte Jhro HochfürstÜche Durchlaucht den jetzt (1722) noch daselbst ­ wohnenden Ingenieur Major Friedrich Conradi zum ' Baudirektor besagter neuen Stadt gesetzt und aus ! landesväterlicher hohen Vorsorge herrliche Gebäude ! Don Steinen und insbesondere das kostbare Lazareth j Dor die in Kriegsdiensten verdient grmachten und | blessirten Invaliden aufbauen lassen und mit genug- ! samen revemie^ begnadigt, damit die Invaliden reich ­ liche Verpflegung darin haben können. Auch hat er, damit Jedermann heilsame Justiz widerfahre, einen Oberamtmann und drei evangelische Prediger in be ­ sagte neue Stadt gesetzt und dieselben mit reichlichen ! Besoldungen versehen. Der erste Oberamtmann ist ! Nathanael von Stoff gewesen, wie dann anjetzo Carl von Mannsbach als Oberamimann und Wolrad ReichhMdt, Ueentiatim juris, als Oberschulrheiß das ! Oberamt heilsamlich administriren. , Anno 1722. Da in diesem Jahre 30 Familien, ! welche wegen der wahren evangelischen Religion aus j Piermont vertrieben worden, bei unserem regierenden * lieben Landesfürsten um Schutz und Aufnahme unter- * thänigste Ansuchung gehan; so haben Ihre Hoch- , fürstliche Durchlaucht aus geborener Hochfürstlichen . Gnade und Clemcnz diesen vertriebenen aus Piemon- tesischem Lande väterlichen Schutz geaebeben und 15 Familien zwischen die Weilehütte und Gieselwerder bei die Spiegelglashütten und 15 Familien zwischen das hiesige Fsrsterhaus gegen Wahnbecke zu bauen • angewiesen, darneben mit Baumaterialien und Saat- ! fruchten in Gnaden versehen lassen, zugleich dem ersten - Orte den Namen Gottestreu und dem zweiten Ort ' den Namen Gewissensruhe geben lassen. Itter schließt seine Aufzeichnungen am 24. Novbr. , 1722 mit dem Wunsche: „Der große Gott, welcher aller Fürsten Hertze in j Händen hat, wolle unseren regierenden theueren Landes- j fürsten und Herrn ferner in seinem gnädigen Schutz j erhalten, denselben leiten und führen, daß er wie bis ­ her in der wahren Religion und Gottesfurcht seinen Unterthanen vorstehe und dieselben so lange glücklich regiere, bis er lebenssatt und altersmüde sein Leben beschließe. — R.-L. * * * Als die Landgrafen Ludwig und Heinrich ! am 2. März 1460 die hessischen Länder unter sich ! theilten, wurde rühmend hervorgehoben, daß Hessen j die Schutzgerechtigkeit über Fulda, Hersfeld und ! Corvey habe. Im hessischen Archiv zu Ziegenhain , fanden sich mehrere hierher gehörige Urkunden/ welche ! in dem nach dem Ableben Philipp des Großmüthigen angefertigten Repertorium wie folgt zusammengestellt sind: Reversalia Derjenigen, welche die Fürsten zu Hessen ! in Berspruch (Schutz) genommen. ! Es haben die Fürsten zu Hessen etliche Städte, j Klöster und Gemeinden in Ihren Berspruch genommen j gegen einen gewissen Versprach — oder Schutzgeld, wie hiernach folgt: Barchfeld. Landgraf Wilhelm der Mittlere zu Hessen re. Und haben die Inwohner dagegen 16 Gulden jährlich zu liefern bewilligt anno 1494. Bredelar. Das Kloster Breydeler Landhofmeister und Re ­ genten des Fürstenthums zu Hessen (während der Minderjährigkeit Philipp d. G.) anno 1511. Erfurt. Landgraf Ludwig zu Hessen gegen 300 Gulden jährliches Schutzgeld auf 20 Jahre, anno 1446. Frankfurt. anno 1450. Graf Philipp von Catzenelenbogen gegen 100 Gulden Verspruchsgeld jährlich. Flechdorf (Kloster). Landgraf Wilhelm zu Hessen gegen eine jährliche Summe anno 1507. Goßlar. anno 1501 Landgraf Wilhelm aus 8 Jahre gegen 200 Guldeu jährlich. Göttingen. anno 1493 Landgraf Wilhelm auf 8 Jähre uud anno 1500 auf 12'Jahre gegen 200 Gulden jährlich. Heina. Landgraf Wilhelm „Gegen Ihr Gebett und Gottes ­ dienst" anno 15(8 Freytags post Martini. Es folgen nun noch weiter: Hildesheim — Marsbergk — Mühlhausen — Nürnberg — Ober-Möllerich — Höxter — die rittet- schaftlichen Orte Mellbach und Florstadt — Notdhansen — Oberwes el — Waldeck — Wetzlar — theils unter Festsetzung einer jährlichen Geldzahlung, theils als Gegenleistung: Gebet und Gottesdienst, auch unter Zusicherung gegenseitigen Beistandes. Man ersieht hieraus, welches Zutrauens und An ­ sehens, welcher Macht und Gewalt unsere hessischen Fürsten sich damals erfreuten. *£4***. Hessische Mcherschan. Das neueste (Februar-)Heft der Rodenberg'schen „Deutschen Rundschau" enthält S. 303—306 einen kleinen Aussatz von A. Duncker: „das erste Schreibbuch Friedrichs d. Gr. und einige Briefe des ­ selben aus seiner Knabenzeit." Unter den Merkwürdigkeiten der Kasseler Landes ­ bibliothek wird bekanntlich auch das erste Schreibbuch des großen Königs aufbewahrt, welches von dem Kronprinzen Friedrich 1717, als dieser 5 Jahre alt war, begonnen wurde. Auf welche Weise das Heft in die Landesbibliothek gekommen ist, steht nicht fest. Sicher ist, daß es derselben schon vor dem I. 1794 angehört hat. 1885 war das Heft auf Ersuchen des Direktors des Hohenzollcrnmuseums im Schlosse Monbijou bei den Erinnerungen an König Friedrich II. ausgestellt. In dem erwähnten Aufs atz giebt der Verfasser eine Beschreibung des Heftes, sowie weitere Angaben über dessen Schicksale. Am Schluffe gelangen Priese