8 Doch dann, sowie verhüllt in ihrem Bauer Die Nachtigall nur mehr und holder singt, So sorge, daß aus. deiner Frühlingstrauer Sich siegreich auf die starke Seele schwingt. Du bist Poet, ein Schöpfer unter Schmerzen, Und hat der Tod dir eine Welt zerstört, Ruf' eine neue auf in deinem Herzen, Die dir und deiner Vaterlust gehört. Der Dichter, weißt du, soll der Muschel gleichen, Die, hart erkrankt, uns edle Perlen schenkt; Und in die Stunden, just die thränenreichen, Ist seiner besten Früchte Keim gesenkt; Fulda, 30. März 1841. j Dir aber wandelt sich des Grams Meduse j Ja doppelt in ein mildes Leidensbild: 1 Ein treues Weib und eine treue Muse — Welch' tröstend Paar, welch'zauberkräst'ger Schild! So leg' denn auf das Särglein deines Knaben I Aus deinem Lorbeer ein geweihtes Blatt, Und haben sie ihn draußen erst begraben 1 Bei Fremden und in fremder Lagerstatt, , Dann überziehe des Geliebten Bette ! Der Mai und deine Dichtung immergrün, ! Und aus des Kindes Staub laß um die Wette . Der Muse schönste Kinder um uns blühn! Frarr? Mrrgetstedl. Autigorre. Bon Ä. Leller-Ior-an. «Schluß). crnhard blieb stehen und sah dem Freunde nach, bis er an der nächsten Straße ver- ! schwand. Die Erzählung hatte ihn seltsam ! «bewegt. Hans Huber war eine Leuchte der Wissenschaft geworden, ein berühmter Mann — sonderbar und konnte Eva Bosse nicht ver ­ gessen! . . . Hans Huber war indessen weiter gegangen, den Regenschirm unter dem Arme. ( Die Sterne leuchteten hell über den Straßen ' und die kühle Luft trug auf ihren Schwingen balsamische Düfte. Hier auf diesem selben Wege | hatte er vor Jahren die Spuren der blassen ! Frau verfolgt, bis er sie gefunden. Eva Bosse! Für ihn trug sie >lur diesen ! Namen! Ob er sie wohl noch einmal finden ! würde im Leben — oder ob das Elend sie ; dennoch in seinen Abgrund gezogen .... Er , blieb unwillkürlich stehen und stöhnte laut. War ; es nicht doch nur Ihretwegen, daß er diese , Stadt aufgesucht? Wie waren ihre Züge stolz und erhaben — trotz des Grames — als sie | ihm auf dem einzigen Tische, den sie besaß, die ! Banknoten zurückschob, die er sie flehte von ihm anzunehmen— nachdem sie es abermals abgelehnt, sein Weib zu werden. — — — — — Und als sie dann die Thräne bemerkte, die in seinem Auge zitterte — was sagte sie da? „Laß mich Hans — ich habe mir das Glück Deiner Liebe in eitlem Wahne verscherzt — ich bin Deiner nicht werth ich — ich muß meine Menschenwürde wieder finden oder vergehen. Und als er sich ihr dann nahen — ihre Knie umklammern wollte — wie hatte sie sich da stolz und gebietend von ihm abgewandt. „Du warst der Einzige, der mich immer verstanden hat, Hans — verstehe mich auch jetzt." Weiter hatte sie kein Wort, aber ihre Lippen waren bleich und bebten. Ich ließ sie in der kahlen Stube, mit dem siechen Kinde — allein mit dem Elende — dem sie einst entfliehen wollte. — — Hans Huber hatte sich einen Augenblick, als bedürfe er des Haltes, an die Mauer des nächsteu Hauses gelehnt. Ihm gegenüber hoben sich die Umrisse der gothischen Kirche in edeln Linien gegen den Sternenhimmel. Ein gekreuzigter Heiland in der Nische schien beinahe lebendig in der flackernden Beleuchtung der Laterne, deren Licht über der Dornenkrone flimmerte. Hatte sie Kraft, Arbeit und Friede gefunden — Glück in unvergänglichen Dingen? Oder? Es war ihm plötzlich, als habe er das müde Dulderangesicht da in der Mauer schon einmal