6 bis Boje*) einst hinters Geheimniß kam nnd sich von einigen Abschrift nahm. Als d'rauf ich die Dinger im Almanach sah, da stand ich halb lachend, halb weinend euch da! Freund Boje gab auch den Gevattersmann ab, der mir den Namen Rosalie gab. Was war zu machen? Es war geschehen! ich dachte lang in der Verkleidung zu gehn. Doch Fama (die in jeder Stadt gar wunderfeine Ohren hat), ging bald drauf herum von Haus zu Haus, und rief der Verfasserin Namen aus. Jetzt, dacht' ich, mußt du's wohl offenbaren, sonst möchten dir andre die Müh' ersparen: Nun kam ich mit einem Geburtstagslied, das man im ersten Bändchen sieht, und mit gar vielen Gedichten heran. — Potz tausend! wie sah der Herr Vater mich an! Ein kleiner Verweis, — doch sanft, nicht voll Hohn, war meiner zu langen Verschweigens Lohn; dann floh ich, — so hochroth als blühender Mohn! Zu der Zeit wollt' er mir gütig erklären, «aS Daktylus und Spondeen wären, und alles das. Doch ich muß bekennen, kaum weiß ich noch die Namen zu nennen. O, was so schwer ist, begreif' ich nie; — ich liebe nur Praxis, nicht Theorie. So mach' ich mir Hauben und Kleider und Hut, — nie lernt' ich's nach Regeln, — doch stehn sie mir gut. Wenn mich gleich viele sehr streng kritisiren, so werd' ich doch zärtliche Herzen stets rühren, nicht jedes Richters Beifall verlieren, — wenn laut mich ein sanft Empfindendes liest. Denn ungezwungnes Deklamiren kann auch die schlechtesten Verse verzieren. O, du — dessen Rede melodisch fließt, wie sich ei» Quell durch Veilchen ergießt, — wenn du mich einst vorliest, wie will ich mich freu'n ! Du wirst dem Liede Reize leihn. — Durch dichten geschnitzten Taxus bricht nie, weder Sonnen- und Mondenlicht: Da durch den Baum, der kunstlos blüht, die sinkende Sonne malerisch glüht: und silbern der Mond durch die Zweige blinkt, wenn abends die Flur vom Thaue trinkt. — Wer die Verfasserin dieses leicht hingeworfenen reizenden Gedichtes ist? Keine Geringere, als Philippine Engelhard, geb. Gattercr, die geniale Dichterin, die immer muntere und geschäftigtc t ausfrau, die allgemein beliebte, hochangeschcne esellschastsdame, deren sich Kasscl's ältere Bürger noch wohl erinnern werden. Ihr sei mein nächster Artikel gewidmet. F. -s. *) Heinrich Christian Boje. Dichter und Kritiker, Mitglied des Göttinger Hainbundes, geb. 1714, gest. 1806, ist der Herausgeber des Musenalmanachs (1770—1775) und des deutschen Museums (1776—1780). Antigour Bon H. Äeller-Lordan. er Regen goß in Strömen; es war eine dunkele, stürmische Nacht. Die Gewitter, die am Nachmittage im Gebirge gewüthet, hatten sich bis hinunter in das Thal gezogen und die heiße Luft mit eisigen Zügen getrunken. In einer Seitenstraße der Residenz, in einem eleganten Restaurant, das unter den» stolzen Namen: „Cafe Voltaire" Künstler und Ge ­ lehrte bei sich aufnahm, saßen an dem kleinen Marmortische im Hinterzimmer zwei Herren bei einer Flasche Wein. Sie schienen offenbar auf das Aufhören der Regens zu warten. Wenig ­ stens erhob sich der Eine zum wiederholten Male, trat an das Fenster und sah prüfend hinaus in die Nacht. Die Zweige der Bäume im Garten bogen sich ächzend bis beinahe zum Boden und schlugen, vom Winde getrieben, jäh gegen dje Scheiben, hinter welchen er stand. „Du wirst heute Abend die Hoffnung auf ­ geben müssen, mich Deiner Frau vorzustellen, Bernhard," sagte der Herr, welcher am Tische sitzen geblieben war, zu dem Anderen, der kopf ­ schüttelnd und ärgerlich seinen alten Platz wieder eingenommen hatte, „Die Anstandszeit ist längst > vorüber, und Du wirst am besten thun, meine Einladung anzunehmen, und heute Abend mein Gast zu sein." Bernhard fügte sich offenbar nicht gern in den i Vorschlag, aber er fügte sich und ließ es ge- i schehen, daß sein Freund die Speisekarte zur j Hand nahm und eines kleines Souper serviren ! ließ. Er innerte sich wohl noch mehrere Male i während der Mahlzeit an sein armes Frauchen, ! das nun warten würde, aber als beim Dessert Hans Huber sein Glas hob und auf dieselbe > mit beredten Wo-ten ein Hoch ausbrachte, war i sein Gleichgewicht vollkommen wieder hergestellt.