2 Kasseler Zeitungen im uarigcn Jahrhundert. Bon W. Rogge-Lndmig. ^Wl s ist eine ausfalltnde Erscheinung, daß in JM der Stadt Kassel erst am Ende des 16. Jahr ­ hunderts eine Buchdruckerei gegründet wurde. Noch unter der Regierung Wilhelm IV., des großen Kenners und Förderers der Wissenschaften, des Gründers der Landesbibliothek, wurden die landesherrlichen Verordnungen im Auslande, in Erfurt, gedruckt. Sein im Jahre 1592 zur Regierung gelangter Nachfolger Landgraf Moritz, von welchem ein Zeitgenosse sagt: „Wen unter allen jetzt lebenden Fürsten vermag ■ das Aus ­ land an Reichthum des Geistes und Vortrefflich ­ keit der Kenntniße diesem an die Seite zu setzen ? er schwelgt in den Wissenschaften und verschlingt sie", war deshalb alsbald darauf bedacht, diesem Bedürfniß abzuhelfen. Die Veranlassung dazu bot ihm die im Jahre 1595 erichtete und vier Jahre darauf zum Mauritianischen Kolleg er ­ weiterte Hofschule. Da er in dem wahrschein ­ lich aus Bremen stammenden Buchdrucker und Formenschneider Wilhelm Wessel die geeignete Persönlichkeit zur Ausführung seiner Absicht fand, errichtete er in seinem Lustschlosse in der Aue eine Ofsicin und übertrug Wessel die Leitung derselben. Das erste hier gedruckte Werk hatte den Landgrafen zum Verfasser, es war die Encyclopedia Principis illustr. I). Mauritii Hass. Landgr. Cassellis enc. Wilh. Wesselius 1597. 4. Nach dem im Jahre 1639 erfolgten Tode Wessels wurden im 17. und 18. Jahrhundert noch mehrere andere Buchdruckereien in Kassel errichtet, von denen die Hampe'sche die bedeu ­ tendste war und über 150 Jahre iu Blüthe ge ­ standen hat. Sie wurde im Jahre 1710 von Joh. Jnstus Heinrich Hampe gegründet nnd ist von seinen Nachkommen bis in die 60er Jahre dieses Jahrhunderts fortgeführt worden. Dieser Johann Justus Heinrich Hampe hat sich nun dadurch ein großes Verdienst um bte Stadt Kassel erworben, daß er sich entschloß, hioc eine Zeitung zu gründen, an welcher es bis da ­ hin noch gänzlich gefehlt hatte. In dem Jahre 1731 ertheilte ihm Landgraf Friedrich 1. von Hessen, König von Schweden, das Privileg, eine wöchentlich einmal erscheinende Zeitung heraus ­ zugeben. Unter dem Titel „Casselische Zeitung von Policey- Commercien und andern denr Publico nützlichen Sachen" erschien die erste Nummer derselben am 5. Februar 1731. Ein rechtes Vertrauen auf Erfolg seines Unter ­ nehmens scheint Hampe nicht gehabt zu haben, da er in der erste» Nummer erklärt: „Diese 6ourailt soll zur Beförderuug des Polizey- nnd Commerzwesens dienen; da der Verleger aber leicht zum voraus sieht, daß die Nachrichten an ­ fänglich sparsam einlaufen werden, ehe und bevor die Sache im Gange und ein jeder Notiz davon hat, als wird er bei solchen Umbständen mit einem halben Bogen anfangen. So auch ein oder der ander etwas in dieser Zeitung zur publipuen Notiz will eingerückt haben, der kann solches franco nebst einer proportionirten kleinen Erkenntlichkeit an den Verleger adres- siren."