- 15 Angelegenheiten, der Landstände unseres Reg.-Bez., wie nicht minder des hiesigen Magistrates, eine statt ­ liche Festschrift herausgegeben, zu welcher außer hiesigen Mitgliedern zahlreiche answärtige nam ­ hafte Gelehrte literarische Beiträge lieferten.*) Der Tag selbst wurde durch eine Festsitzung mit nachfolgendem Mahle gefeiert. Anläßlich dieses Ju ­ biläums erwählte der Verein zu Ehren-Mitgliedern den Herrn Oberpräsidenten Staats-Minister Gra ­ fen zu Eulenburg, den Herrn Landesdirektor von Hundelshausen, den Herrn Geh. Regieungs-Rath Wendelstadt und den Herrn Sanitätsrath Dr. med. et phil. Eisenach (letzterer in Rotenburg a. F.). Aus der Zahl seiner Mitglieder, welche am Schluffe des letzten Geschäftsjahres aus 10 Ehren-, 65 korre- spondirenden und 86 wirklichen Mitgliedern bestand, riß der Tod die sämmtlich in hohem Alter stehenden Geh. Med. Rath Dr. 8. Schotten, Verlagsbuchhänd ­ ler Th. Fisher, Hofmauermeister Cred6, sämmtlich in Kassel, kgl. Rath F. C. Ehrlich in Linz und den Geh. Bergrath Professor D. W. Dunker iu Marburg — letzterer der geliebte Lehrer vieler Vereinsmit ­ glieder, ein hervorragender Kenner unseres Heimat ­ landes und ein besonderer Freund des Vereins. Die Tyätigkeit des Vereins blieb auch in den ver ­ flossenen beiden Jahren die seit langer Zeit ge ­ wohnte. Durch Besprechung hervorragender Tages ­ fragen naturwissenschaftlichen Charakters, durch Mit ­ theilungen neuer Beobachtungen und Forschungsresul- tate sowie orientirende Vorträge einzelner Mit ­ glieder über wichtige Spezialgebiete der Forschung, durch Demonstrationen von interressanten Apparaten und Naturalien suchte der Verein nach Kräften der Aufgabe gerecht zu werden, die Verbreitung natur ­ wissenschaftlicher Erkenntniß in Kassel zu fördern. Es wurden 22 Sitzungen abgehalten, 10 in den beiden Sommersemestern, 6 zn jedem Wintersemester. Die Gesammtzahl der Besucher derselben betrug 335. Neunzehn größere Vorträge wurden gehalten, vierzig zum größten Theil mit Vorzeigungen verbundene kleinere Mittheilungen gemacht. Von ersteren ge ­ hörten an der Astronomie 3, der reinen und tech ­ nischen Physik 2, der .einen und technischen Chemie 2, der Medizin 2, der Ornithologie 2, der Entomo ­ logie 4, der Botanik 2, der Geographie 1, dazu kommt rin Bericht über eine wissenschaftliche Ver ­ sammlung; von den kleineren Mittheilungen waren 18 aus dem Gebiete der Zoologie, je 8 aus dem der Botanik und Mineralogie, je 3 aus Physik und Geographie. —- Was die auswärtigen Beziehungen anbelangt, so sind dieselben nicht nur fortgesetzt die freundlichsten geblieben, sondern die Verbindungen des Vereins mit anderen gelehrten Gesellschaften haben sich sogar noch erweitert, indem 19 neue Tauschverbindungeu angeknüpft worden sind, so daß die Zahl der Gesellschaften, mit welchen der Verein seine Schriften austauscht, jetzt 329 beträgt. Es kann darnach der Kreis dieser Wechselbeziehungen zu den naturforschenden Gesellschaften der gesammten *) Dieselbe ist bei F. Keßler dahier erschienen und noch in einigen Exemplaren käuflich zu haben. eivilisirten Erde als ein nahezu vollständiger und btc Bereinsbibliothek in Beziehung auf Gesellschaftsschriften wohl als die reichste des Hessenlandes angesehen werden. Von Mitgliedern und Gönnern erhielt außerdem noch die Bibliothek die bedeutende Zahl von 210 Ge ­ schenken. Aber nicht bloß in dem Tauschverkehr äußerten sich die guten Beziehungen zu den auswärtigen Ge ­ sellschaften, sondern auch durch freundliche Einladungen zu Festlichkeiten n. dgl., welche Einladungen in der Zahl 21 während der beiden Geschäftsjahre einliefen. Außer der Einladung zum 50 jährigen Jubiläum des hiesigen Vereins für hessische Geschichte und Lan ­ deskunde war der Verein außer Stande einer der anderen Folge zu leisten. — Als wissenschaftliche Beigabe enthält der vorliegende Bericht eine Abhand ­ lung von S. Schlitzberger über die Pilzflora in der Umgegend von Kassel, welche die große Zahl von 572 verschiedenen Arten aufweist. — Mögen dem Vereine in dem zweiten Semisäknlum von Jahr zn Jahr neue Mitglieder zugeführt werden, neue Freunde und Gönner eystehen, damit er immer erfolgreicher die Zwecke zu verfolgen im Stande sei, welche seine Begründer im Auge gehabt haben, das sind einmal Erforschung der natürlichen Produkte des heimatlichen Bodens uns eres „ H e s s e n l a n d e s" dann aber auch, und zwar in allen Kreisen des Lebens und der Gesellschaft, die Weckung und Pflege der Liebe zu den jetzt unbestreitbar die Welt beherrschenden Naturwissenschaften, dem Einzelnen zur Freude, Er ­ holung und Erhebung, der Gesammtheit zum Vortheil und Nutzen. A. Hessische Mcherschim. Ludwig Mohr hat ein Bändchen Gedichte — vorwiegend romanzenhaften Charakters — herausge ­ geben unter dem Titel: „Eddergold. Poetischer Sagenschatz aus dem Lande der Hessen. Gedichte von Ludwig Mohr. Kassel 1886. Verlag von Gustav Klaunig, Hofbuchhandlung". Der Name des Autors hat im Hessenlande einen guten Klang und auch die vorliegende Sammlung von Poesien wird einer freund ­ lichen Aufnahme, insbesondere in der engeren Heimath, sicher sein dürfen. Es sind zumeist alte bekannte Gestalten, die der Dichter behandelt hat, Gestalten aus hessischer Sage und Geschichte. In allen Stücken bleibt sich die liebevolle und kenntnißreiche Behandlung des Stoffes gleich, während der poetische Werth der einzelnen Gedichte ein verschiedener ist. Bon beson ­ derem Interesse ist der Cyelus der Quintenlieder. —> Wir benutzen diese Gelegenheit, um hier auf die be ­ kannte Erzählung Mohrs „Roth-Weiß", die bei Ernst Kleimenhagen in Kassel erschien und sich auch äußerlich vorzüglich zum Weihnachts-Geschenk eignet, aufmerksam zn machen. Von Frau H. Keller-Jordan ist ein Bändchen Novellen (Aus der Gegenwart. Drei Novellen. Stuttgart. Verlag von W. Kohlhammer. 1887.) erschienen, welches auf keinem hessischen Weihnachts ­ tische fehlen sollte. Die Verfasserin gehört zn jener