- 4 des mächtigen Franken-Herzogs und zur Brechung seines Einflusses willkommen war, verurtheilte ihn selbst als Landfriedensbrecher zu der enormen Strafe von 100 Mark Silbers (die ebeusovielen Rossen gleichwerthig erachtet wurden); seine Ge ­ treuen aber wie gemeine Räuber zu der ent ­ ehrenden Strafe, Hunde zur königlichen Pfalz nach Magdeburg zu tragen; indes Brnning, der tlrheber des Streites, straflos ausging. Was würde König Heinrich zu einer solchen, dem ersten Fürsten des Reiches widerfahrenen Behandlung gesagt haben! Wohl wurde die Strafe gebüßt. Allein sie öffnete Eberhard mit einem Male die Augen über den Irrthum, in welchem er und sein Bruder besangen gewesen waren, als sie dem Sachsenherzoge die Krone antragen ließen. Die Rolle der Franken war ausgespielt; sie hörten auf. das erste Volk des Reiches zu sein, wenn es nicht gelang, Otto das Scepter zu entwinden. Und diesen Kampf für die Vorherrschaft seines Volkes hat Eberhard auf ­ genommen. So sehr Otto den Gedemüthigten wiederholt zu begütigen versuchte, ein dauernder Friede war der Lage der Dinge nach unmöglich. In diesem Kampfe hat man Otto gewöhnlich als den Vertreter der Reichseinheit und der guten Sache, den an seiner Ehre gekränkten Eber ­ hard als den unversöhnlichen Rebellen hingestellt. Wenn Eberhard rebellirte, so durfte Otto sich nicht einmal beschweren, hatte er doch selbst die Rebellion in Schutz genommen. Allein in dem entstandenen Kampfe handelte es sich um mehr als die Sühne gekränkter Ehre, wie der Ver ­ lauf zeigen wird. Leider ist uns aus fränki ­ scher Feder auch nicht eine gleichzeitige Kunde jener Zeiten und Kämpfe überkommen, und die sächsischen Geschichtsschreiber verrathen nur ge ­ legentlich, um was es sich handelte. Das aber berichtet einer von ihnen, der Mönch Widukind von Coroei, daß auch unter den Sachsen Viele waren, die Ottos ungerechtes, parteiisches Ver ­ fahren mißbilligten; und ehe man den Stab über Eberhard bricht, dessen leutseligen, biederen Charakter der eben erwähnte Widukind selbst rühmend hervorhebt, und dessen redliche Bemüh ­ ungen nn» die Rettung der Einheit des Reiches unzweifelhaft sind, sollte »nan sich fragen, was der für ein Mann gewesen sein muß, gegen den sich der Reihe nach sein älterer wie sein jüngerer Bruder, sein Schwager, Sohn unb Eidam und die ersten Männer des Reiches, geistliche wie weltliche, auflehnen! Das Erste, was Eberhard that, um zu beweisen, wie er über des Königs Gericht denke, war, daß er den rebellischen Brüning anfs Neue mit Krieg über ­ zog und sein Gebiet verheerte. Bald entbrannte der Krieg aller Orten im hessischen Sachsen und in Westfalen, und besonders war es Ottos jüng ­ erer Bruder Heinrich, gegen de« sich die Er ­ bitterung der Franken richtete. Vergebens be ­ rief der König einen Tag nach Steele an der Ruhr, die Franken kamen nicht. Im Gegentheil schlossen sich viele Sachsen, darunter des Königs eigener Bruder Thankinar, an Eberhard an. Ersterem gelang es sogar, seinen Sttefbruder Heinrich in seine Gewalt zu bringen, und er lieferte ihn als Unterpfand seines Bundes ge ­ fangen an Eberhard aus. Zum Unglück für diesen aber erlitt im selben Jahre, bei Erstürmung der B»»rg Beleke in Westfalen, in welcher Heinrich sich befand, der junge Sohn seines Vetters Udo aus dem Nieder-, lahngau, Gebhard mit Namen, einen frühen Tod, und die Vettern, die bisher treu zu einander gestanden hatten, zerfielen: Udo und sein Bruder Hermann von Schwaben, »vie auch beider Better Konrad K»»rzbold, der Graf der Wetterau, sagten sich von Eberhard los und traten zürn Könige über. Thankmar aber wurde bei Erstürmung der Eresburg durch die Mannen des Königs er ­ schlagen. Welche anderlveiten, geheimen Triebfedern noch thätig »varen, um den Bruch im fränkischen Grafen ­ hause zu vervollständigen, entzieht sich völlig un ­ seren Blicken. Denn schwer kann »nan sich ein ­ reden, daß zu einer Zeit, >vo das Leben des Einzelnen so »venig galt, der Tod des jungen Gebhard allein eine derartig tief einschneidende Kluft zwischen Männern desselben Stamines und Blutes geschaffen haben sollte, daß sie sich nach ­ her aus den Tod befehden. Da Udo nnd Her ­ mann den Hauptvortheil später aus den Kämpfen