380 ße toast er. 5. Heft. Hamburg 1894. Hersag von G ii st a v Fri tz s ch e. Druck von L. Doll in Kassel. Mit diesem 5. Hest ist das außerordentlich werthvolle Werk Lewalter's abgeschlossen. Wir werden dem Gesammttoerk noch besondere Würdigung angedeihen lassen und bemerken heute nur, daß Heft 5 mit der gleichen Sorgfalt und Sachkenntniß abgefaßt ist wie seine Vorgänger. Einer erfreu ­ lichen Thatsache wollen wir ferner Erwähnung thun: Es wird manchmal geklagt, daß der Born des Volksliedes in Versiegen sei. Wer die Lewalter'sche Sammlung durchlieft, wird diese pessimistische An ­ sicht ablegen. Die Formen mögen wechseln, aber die Volksseele wird immer im Lied den richtigen Ausdruck ihrer Gefühle finden. Und so werden auch spätere Geschlechtsfolgen noch singen, vielleicht anders, als unsere Altvordern gethan, aber so, wie ihnen um's Herz ist. So lange es Lieben und Leiden, Scheiden und Meiden geben wird, so lange wird auch die Volksweise erklingen. —a— Just noch rechtzeitig zum Weihnachtssest erscheint das durch unsere Zeitschrift wiederholt angekündigte „H e s s i s che Di ch t e r b it ch", herausgegeben von Valentin Traubt in Rauschenberg. (Selbst ­ verlag — Preis Mt. 3.50.) Es ist eine stattliche Anzahl hessischer Dichter und Dichterinnen, die der Herausgeber um sich versammelt hat; die meisten Namen sind den Lesern dieser Blätter bekannt, denn das „Hessenland zählt ihre Träger zu seinen Mitarbeitern. Manche Dichtergabe ist reicher, manche bescheidener ausgefallen, diese Buntheit ge ­ hört eben zum Wesen der Anthologie. Im Ganzen überwiegt der erfreuliche Eindruck, daß im Hessen ­ land Sangesfreude und Sangeskunde noch nicht ausgestorben sind und daß die Liebe zur Heimath, die in unserem Volksstamme lebt, auch im Liede ihren Ausdruck findet. — Dem hübsch ausgestatteten Buche gereicht das beigegebene Portrait Carl Pr es er's zur besonderen Zierde. Der Kurfürsten tag zu Fulda im Jahre 1 5 6 8. Von Oberlehrer Dr. P aut Guba. Osterprogamm der Drei - König - Schule (Real ­ gymnasium) zu Dresden-Neustadt. 1894. 40. (18 Seiten.) Unmittelbar vor Ausbruch des zweiten Huge ­ nottenkrieges in Frankreich hatten Gesandte und Agenten Condö's an den protestantischen Fürsten- hösen Deutschlands Hilfe für den bevorstehenden Glaubenskrieg erbeten. Bei dem Herrscher der Kurpsalz hatten Condö's Abgesandte sofort ge ­ neigtes Ohr gesunden. Friedrich und sein jugend ­ frischer Sohn Johann Casimir rüsteten ohne Zau ­ dern ein Hilfsheer von 8000 Reitern und einem Regiment Fußvolk. Kaum war die Kunde hiervon zum Kaiser Maximilian gedrungen, als er sofort seinen Rath Dr. Jlsung nach Heidelberg schickte mit dem Auftrag, scharf gegen den Pfalzgras' vorzu ­ gehen und namentlich diesem auszugeben, „bei des Kaisers und des Reiches schwerer Ungnad, Straf und Pön" das angeworbene Kriegsvolk zu ent ­ lassen. Unser Pfälzer aber ließ sich nicht ein ­ schüchtern, er rüstete ruhig weiter und sandte sein Heer nach Lothringen, und das war gemäß der „Libertät der Reichsstände" (Kriegsdienste im Aus ­ lande anzunehmen) sein Recht. Nun ordnete der Kaiser eine Kurfürstenversammlung für den Drei- Königs-Tag des Jahres 1568 nach Fulda an, die sich u. A. mit den Wirren in Frankreich, sowie mit der Libertütsfrage beschäftigen sollte. Der Kaiser ließ seinen Standpunkt in diesen Sachen dahin präzisiren, daß es sich in Frankreich nicht um religiöse Dinge handle, sondern es lüge eine Rebellion der Unterthanen gegen ihren König vor, und in Betreff der „Libertät" müsse er den Kur ­ fürsten gegenüber diesen Begriff dahin modifiziren, daß sie wohl Kriegsdienste bei auswärtigen Fürsten annehmen, nie aber rebellischen Unterthanen Hilfe leisten dürften. So wenig, wie mit der Zumuthung des Kaisers, gegen Friedrich von der Pfalz wegen seines Heereszugs vorzugehen, sich die Kurfürsten einverstanden erklärten, ebensowenig ließen sie sich die „Libertät" durch die kaiserliche Auffassung einschränken. Ein positives Resultat kam bei der ganzen Tagung nicht heraus, die Verhandlungen hatten nur ein tiefes Mißtrauen der protestan ­ tischen Fürsten gegen die kaiserliche Politik ge ­ zeitigt. Verfasser hat sich ein Verdienst erworben, die Verhandlungen des Fuldaer Fürstentags ein ­ gehender, als es alle Geschichtswerke thun, dargelegt zu haben und uns damit einen genaueren Einblick in die damalige kaiserliche Politik zu gewähren. Seine Darstellung stützt sich im Wesentlichen aus die Akten des Hauptstaatsarchivs in Dresden, das gerade eine um so größere Vollständigkeit ausweist, als der von Protestanten wie auch vom Kaiser und den Katholischen viel umworbene Kurfürst August von Sachsen im Mittelpunkt fast aller politischen Verhandlungen stand. A.