329 Schulralh, 1884 durch die Charakterisirung als Oberschulrath ausgezeichnet. Am 9. November 1885 beging er sein 50jähriges Amtsjubiläum unter allgemeiner Theilnahme von nah unb fern. Am 1 Mai 1887 trat er in den Ruhestand. — Wir machen uns zum Dolmetscher der herzlichsten Ge ­ burtstagsgrüße unb -Wünsche seiner zahlreichen Verehrer unb dankbaren Schüler int Hessenlande. Dr. A. Todesfälle. In Ehlen starb am 3. Dezember der frühere Landtags- und Kommunallandtags- Abgeordnete Heinrich Knobel, ein Reffe des be ­ kannten hessischen Verfassnngskämpfers. — Am 5. Dezember verschied an den Folgen eines Schlag- anfalles eine hessische Schriftstellerin, deren Namen mit Ehren innerhalb und außerhalb unseres engeren Vaterlandes genannt wird, Frau Lilly Wie ­ gand (als Schriftstellerin H. Brand) in Wahlers ­ hausen. Aus einer knrhessischen Ossiziersfamilie stammend, zu Kassel als die älteste Tochter des verstorbenen Oberstlieutenants Hillebrand geboren, lebte Lilly Hillebrand lange Jahre bei Frei- frau von ©teilt in Berka a. W. Hier empfing die Verewigte die Anregung zu ihrem ersten Werke „Heinrich von Brabant, das Kind von Hessen", einer historischen Erzählung ans dem 13. Jahrhun ­ dert, mit der sie eines der besten Erzeugnisse historischer Romanliteratur schuf. Im Laufe der Jahre, nachdem sie die Gattin des Verlagsbuch ­ händlers Georg H. Wiegand geworden war, folgten ihre historischen Erzählungen aus der hessischen Geschichte „In Lehnspflicht", „Allzeit getreu", „Gute Zeit im Lande", „Vor der Fremd ­ herrschaft". Ihr letztes Werk, die historische Er ­ zählung „Unter König Järome", ist erst vor Kurzem erschienen und wird auch in diesen Blättern noch eine Würdigung erfahren. — Am gleichen Tage starb in Kassel im 83. Lebensjahre der Geheime Justizrath z. D. R ö t t g e r G a n s l a n d t, geboren zu Hanau als der Sohn des Lübecker Senators Ganslandt; nahe verwandt mit dem Dichter Emanuel Geibel, genoß R. Ganslandt seine Er ­ ziehung in Lübeck, besuchte das Gymnasium und studirte an den Universitäten Marburg und Heidel ­ berg. Nach glänzend bestandener juristischer Staats ­ prüfung an der Landesuniversität Marburg wurde der Verstorbene zum Obergerichtsreferendar in Hanau ernannt. Dann einige Jahre als Gerichts ­ assessor in Rinteln thätig, begleitete R. Ganslandt während der politisch erregten Zeit des Jahre 1848 das Amt des Staatsanwaltes in Fulda. Später erfolgte seine Berufung zum Obergerichtsrath in Fulda. In dieser Stellung verblieb er bis zum i Jahre 1869, in welchem er zum Appellations ­ gerichtsrath in Kassel ernannt wurde. Hier gehörte der Verblichene lange Jahre dem Zivilsenat des Appellationsgerichts an. Bei der Reorganisation des Gerichtswesens im Jahre 1879 wurde R. Gans ­ landt unter Verleihung des Charakters eines Ge ­ heimen Jnstizraths zur Disposition gestellt. Die hessische Juristenwelt betrauert in dem Verblichenen den Verlust eines ihrer bedeutendsten Vertreter. Ein scharfsinniger, mit hohen Gaben des Geistes und Herzens ausgestatteter Beamter ist mit ihm ans dem Leben geschieden. Seine Verdienste wurden durch Verleihtlng mehrerer Orden ausgezeichnet.— Am 11. d. M. verschied in Kassel nach lang ­ jährigem Leiden der praktische Arzt Dr. med. L u d- wig Wachs. Derselbe war geboren zu Hanau 1843, wo sein Vater Landrath war. In Folge dessen Versetzung als Regierungsrath nach Kassel erhielt er seine erste wissenschaftliche Vorbildung (1852 — 56) ans dem Gymnasium daselbst, um dieselbe von 1856—64 auf dem Gymnasium zu Fulda fortzusetzen, wohin seit! Vater inzwischen als Regierungsdirektor versetzt worden war. 1864 bezog er die Universität Marburg, studirte später auch in Würzburg und Berlin. Nachdem er eine Zeit lang am Kasseler Landkrankenhans eine Assistentenstelle bekleidet, im Kriegsjahr auch ein Feldlazarett) geleitet hatte, ließ er sich in Haderau im Holsteinischen als praktischer Arzt nieder. Nach mehrjähriger Praxis daselbst machten seine Gesund ­ heitsverhältnisse die Uebersiedelung in ein wärmeres Klima wünschenswerth. An mehreren Orten Italiens übte er die ärztliche Praxis aus, und wesentlich gekräftigt konnte er im Jahre 1889 nach Kassel zurückkehren und hier seinem Berufe leben. Mehrfache Jnflnenzaanfälle und pneumatische Erkrankungen im vergangenen Winter setzten seiner Gesundheit stark zu. Ein längerer Aufenthalt in Bad Reh ­ burg brachte leider nicht die gehoffte Besserung. Nach aufopfernder, liebevollster Pflege seitens seiner Gattin hat ein sanfter Tod ihn von seinen schweren Leiden erlöst. Mit ihm ist ein treuer und mit ­ fühlender Arzt, ein edler und von seinen zahl ­ reichen Freunden hochgeschätzter und geliebter Mensch dahingegangen. (A.) Hessische Ottcherschau. Deutsche Volkslieder. In Niederhessen ans dem Munde des Volkes gesammelt, mit einfacher Klavierbegleitung, geschichtlichen und vergleichen ­ den Anmerkungen herausgegeben von Johann