327 Mundart auf die andere zur Geltung gelangt, und besonders in den Grenzorten lassen sich solche in ziemlicher Menge nachweisen. Einige solche ans dem fränkischen Orte B a l h o r n, der 8 /4 Stunde von dem sächsischen Istha entfernt ist, mögen hier aufgeführt werden. Da ist zunächst die Fornr blutt (blott) für oberdeutsches bloß. Sie findet sich auffallender Weise auch in Schwaben, z. B. in Reutlingen, ist aber zweifellos niederdeutsch. Das Bruch (Bruech), gedehnt gesprochen, bedeutet wie im Westfälischen eine sumpfige Wiese (auch in der Wetterau noch gebräuchlich), S o p p e (Suppe) hat die oberdeutsche Form „Saufen" verdrängt, letztere ist nur in „Sures Suffen" (d. h. saure Milch) erhalten. Strotte (Gurgel) für Strotze (von strotzen), Schnutte (Schnauze) sind allein herrschend. Littch oder littich hat ebenfalls niederdeutsches Gepräge; die im Oberdeutschen übliche Form hat in tz weiterverschoben (Lützelsachsen). S ch r e b b (englisch shrew), mager, dürr, hört man öfter als die fränkische Form „schroh". Kreppeln, Verkleinerungswort aus mittelniederdeutsch Krupen, wovon auch Krüppel, ist gleich kriechen, mit der besondern Bedeutung: sich kümmerlich fortbewegen (auch tropisch). Ein kleiner Bauer, der mit Kühen sein kärgliches An ­ wesen bestellt, heißt ein Kreppelbure. „Kriechen" in eigentlicher Bedeutung ist das oberdeutsche krufen. Das eine oder andere von sächsischer Seite empfangene Wort ließe sich noch anführen. In andern Grenzorten ist zweifellos die gleiche Er ­ scheinung zu beobachten und es wäre angezeigt, wenn von Denjenigen, die Sinn und Verständniß für unsere Stammesmundart haben, solche Ausdrücke gesammelt würden. Die Fachgelehrten auf dem Gebiete der Sprachforschung wie der Geschichte sind ja für derartige Beiträge immer dankbar. Etwas von Marie Seebach. Der seiner Zeit vielgenannte Theateragent Heinrich in Berlin erhielt eines Tages von Marie Seebach aus Danzig, wo sie bei Genöe engagirt war, einen Brief, worin sie -ihren Besuch mit dem Bemerken ankündigte: sie komme, „um endlich (!) das Antlitz des Mannes von Angesicht zu Angesicht zu sehen, in dessen Händen das Schicksal so vieler armer Sterblichen ruhe". Heinrich, der einen be ­ sonderen Werth aus seine geschäftliche Verbindung mit dem kurfürstlichen Hoftheater in Kassel legte, empfahl die Seebach unterem 26. Februar 1850 nach Kassel als ein „talentvolles, junges und hübsches Mädchen". Da jedoch damals Fräulein Lembke, mit einer Gage von 800 Thalern, als „jugendlich erste Liebhaberin" an der kurfürstlichen Hosbühne thätig war, so schrieb Oberinspektor Flach am 13. März nach Berlin zurück, es frage sich vor Allem, ob Marie Seebach im Stande sei, das „jugendlich-naive Element" zu vertreten? Die schon am 17. März erfolgte Antwort lautete dahin: daß Fräulein Seebach in Danzig nicht nur muntere Rollen spiele, sondern auch die der „jugendlich-tragischen Liebhaberinnen". Als Hein ­ rich hieraus lange nichts hörte, wiederholte er seine Empfehlung am 21. April 1850 und be ­ zeichnete die junge Künstlerin als „höchst talent ­ voll und beachtenswerth". Auch hieraus wartete Heinrich vergebens auf eine Antwort. Da ihm jedoch daran lag, den aufgehenden Stern am dramatischen Himmel in die richtigen Bahnen zll leiten und ihm hierfür das Kasseler Kunstinstitnt ganz besonders geeignet erschien, so sandle er Marie Seebach gleich persönlich nach Kassel, mit dem Bemerken, er habe der jungen Künstlerin vier Gastspiele zugesagt. Dem Generalintendanten, Oberhosmarschall von Heeringen war natürlich diese eigenmächtige Zusage seines Agenten sehr befremdend, aber: Marie Seebach kam, sah Herrn von Heerillgen und — siegte. Schon am 4., 7., 14. und 16. Mai absolvirte sie ihr Gastspiel, und bereits unterm 17. Mai konnte Herr von Heeringen bei dem Kurfürsten ben Antrag stellen, diese „sehr talentvolle lind gewandte Schauspielerin" mit einer Gage von 700 Thalern zil engagiren, ein Antrag, der nach den großartigell Erfolgen der jungen Künstlerin sofort genehmigt wurde. Tempora mutantur! Als das in jeder Rolle durchschlagende, strebsame Talent es, trotz aller Unterstützung seitens einer begeisterten Kritik, nicht dahin bringen konnte, sich auch nur ausnahmsweise in geeigneten, tragischen Rollen zu zeigen, was für die Verhältnisse der kurfürstlichen Hofbühne geradezu unbegreiflich klingt, bat Marie Seebach, sie für den 1. Ok ­ tober 1852 wieder zu entlassen, unb Herr von Heeringen, der sie als „sehr talentvoll" engagiren zu dürfen gebeten hatte, berichtete unter'm 19. April 1852 an den Kurfürsten: Da auf das „Hierbleiben der Bittstellerin während der Monate August und September ld. h. nach den Ferien!) kein großer Werth zu legen sei, so möge man, um die Gage während der Ferienzeit (!) zu ersparen, sie schon am 16. Juni (Beginn der Ferien!) entlassen. Und — Marie Seebach wurde entlassen, weil Herr von Heeringen „keinen großen Werth" auf sie legte. Sie gab doch erst mit 28. September 1852 ihre Abschiedsvorstellung, und am 27. September 1854 begeisterte sie schon in dem kaiserlichen Hofburg-Theater ganz Wien mit ihrer Margarethe im „Faust". Durch ganz Deutschland drang die Kunde von ihrem Ruhm. r.