326 nur die Küsten der Adria kennen, aber trotz aller Herrlichkeit da draußen und allem Jubel in ihrem Innern, dachten die Gatten au ein einsames Grab in der fernen Vaterstadt, dessen Schneedecke heute mit italienischen Rose» geschmückt war. Auch heute lebte der alte Himmelsrest wieder in ihnen ans, aber er war größer ge ­ worden, weiter, und viele helle Sternlein flim ­ merten daran wie draußen an dem tiefblauen Firmamente. Christus ist da. Schalle nur, Glockenklang! Brause, du Festqesang: Christus ist da. — Heilige, stille Nacht, Hast uns so froh gemacht, Hast uns das Heil gebracht. Christus ist da. Engel verkünden schon: Kommen ist Gottes Sohn. Christus ist da. — Ehre sei Gott dem Herrn, Er hat die Menschen gern. Hell strahlt sein Morgenstern: Christus ist da. Jauchze nur, Christenheit! Freude wird alles Leid. Christus ist da. — Er, der den Frieden bringt, Sünde und Tod bezwingt, Finsterniß niederringt, Christus ist da. Kurt Kuhn. Der Kaum im Spätherbst. £ Baum, dein grün und schlicht Gewand, Wo ist es hingekommen? Du hast ein Kleid mit Flittertand Voll eitel» Sinns genommen. Mit Gold und Grau, mit Roth und Braun, Mit Litzen und mit Flöcklein, Doch möcht' ich dich am liebsten schau'» In deinem Werktagsröcklein. Da rauscht' der Baum mich an voll Leid Und that sich zu mir bücken: Es ist, v Freund, mein Sterbekleid, Mit dem sie heilt' mich schmücken. ?. Saut. Aus alter und neuer Jett. Kleider machen Leut e. Dieses alte Sprich ­ wort bewahrheitet sich bei einer Begebenheit, welche O. Melander in seinem Buche „Jocorum atque seriorum eenturiae aliquot, Francofurti 1617" von Professor B u s ch in Marburg mittheilt und welche in freier Uebersetzung wie folgt lautet: Nach Mit ­ theilung gelehrter ltnb glaubwürdiger Männer ging der einst sehr berühmte Professor und Dichter- Hermann Busch in Marburg an einer großen Anzahl Bürger auf dem Markte vorüber, ohne daß ihm, der im Hauskleid sich aus die Straße be- I geben hatte, von irgend einem derselben die er ­ forderliche Ehrenbezeigung zu Theil wurde. Als dies Busch wahrnahm, ging er sogleich in seine Wohnung zurück, vertauschte seine bequeme Kleidung mit seiner prächtigen Amtstracht und begab sich alsbald wieder aus den Marktplatz. Dort erhoben sich bei seinem Erscheinen Alle, entblößten ihren Kopf und erzeigten ihm ihre Ehrerbietung. Aber dieser gelehrte Mann achtete nicht auf diese Beweise der Hochachtung, begab sich vielmehr wieder in seine Wohnung zurück. Dort zog er sein Amts ­ kleid aus, warf es auf die Erde, trat mit den Füßen darails und sprach ärgerlich und aufgeregt durch das eben Vorgefallene: Bist du, Kleid, der Busch oder bin ich es? Aeußerst ausgebracht war der Mann über die von ihm wahrgenommene verkehrte unb irrige Ansicht der Leute, nicht dem Manne, sondern der Kleidung kommen die Ehrenbezeigung zu. (Ludovicus Milichius in oratione contra im- moderatum vestitum.) S. Alundartliches. Die Mundartgrenze zwischen Chatten und Sachsen ist eine außerordentlich scharfe und ausgeprägte. Im Kreise Wolfhagen hat man aus fränkischer Seite für das Plattdeutsch-Sprechen der Sachsen den Spotlausdruck „quackeln", vielleicht ein Onomatopoietikon, gebildet, um das schwer Verständliche des Sächsischen zu bezeichnen. Nichts desto weniger sind im Lause der Jahrhunderte oder vielmehr Jahrtausende manche Einflüsse der eineil