318 Der Feldzug in Flandern. nach dem Tagebuch des hessischen Grenadiers Johannes Reuber von Niedervellmar mitgetheilt von W. Junghans. (Fortsetzung von Nr. 17, S. 223 des Jahrgangs 1893.) ^Mandgraf Wilhelm IX. hatte gleich nach M. Beendigung des Feldzugs von 1793 mit Cj der Krone von England einen neuen Ver ­ trag geschlossen, wodurch er derselben ein Heer von 6000 Mann kriegsgeübter Truppen zur Fortsetzung des Kriegs in Flandern überließ. Am 14. Oktober (1793) wurden diese Truppen von einem englischen Kommissär ans der „Kessel ­ städter Haide", hinter dem Schloß Philippsruhe gemustert, am 17. marschirte bereits das Gre ­ nadierbataillon German über Wiesbaden, Nassau, Koblenz, Bonn, Köln, Jülich und Aachen in das Brabanter Land. Am 11. November langten sie in Löwen, am 12. in Brüssel, am 16. in Tournay an. Hier rückten sie sogleich in die Linie ein. Die Oesterreicher unter dem Herzog von Koburg bildeten den linken, die Engländer unter General Port den rechten Flügel. Das Grenadierbataillon von German kam auch gleich auf Vorposten tind stand bei Albek den Franzosen gegenüber bis in den Dezember. Von beiden Seiten geschah nichts Bedeutendes, die Engländer zogen sich vielmehr in die Winterquartiere nach Gent zurück, nach Toumhout und Düxmütten (?), wo das German'sche Grenadierbataillon bis zum 1. März ruhig lag. Die in die Stellung der Hessen eingerückten Oesterreicher versahen den Vorpostendienst. Am 21. März setzte sich die Armee wieder in Marsch. Das Grenadier ­ bataillon von German marschirte über Ppern, Mönen (Men in?), Courtray, Tournay bis Valenciennes. Am 14. April erschien der junge Kaiser Franz selbst bei der Armee, um durch seine Gegenwart den Muth der Truppen zu erhöhen und den Krieg nach einem neuen von General Mack entworfenen Plan wieder zu erneuern. Am 17. rückte die gesammte alliirte Armee vorwärts, um die beiden französischen Festungen Cambrais und Landrecies aufzuheben. Deshalb mußte das hessische Korps zur Ver ­ stärkung der Kaiserlichen vor Landrecies rücken. Am 24. machten die Franzosen einen gleich ­ zeitigen Ausfall aus beiden Festungen, der aber glücklich abgeschlagen wurde. Am 26. wieder ­ holten sie denselben, wurden aber wiederum mit großem Verlust zurückgetrieben. Die Hessen standen mit zwei Regimentern Engländern und drei ungarischen Grenadierbataillonen im Zentrum, vor der Front der Kaiser und der Herzog von Port. Die Franzosen standen in einem Wald, — Reuber nennt ihn den Anreißer Wald, es ist aber der Wald von Arouaiz, zwischen Oisy und Vasigny —, und das Regiment Gardegrenadiere wurde befehligt, sie daraus zu vertreiben. Dies gelang ihnen zwar, aber mit großen Verlusten. Am 27. April machte die ganze Armee ob dieses Erfolges ein Freudenfeuer. Am 30. mußte Landrecies kapituliren. Nichtsdestoweniger trat die- Armee am 1. Mai den Rückmarsch nach Tournay an, da die Franzosen Courtray und „Mönen" genonunen hatten und dadurch die Flanken der englisch-hessischen Armee bedrohten. Auf dem Rückmarsch kam in stockfinsterer Nacht bei Sturm und Regen die ganze Armee auseinander, sodaß sich die einzelnen Truppentheile erst am Abend des 2. Mai wieder zusammenfanden. Von fünf Bataillonen Hessen waren kanin noch hundert Mann beisammen. Am 3. bezog die Armee ein festes Lager vor Tournay, wo sie täglich von den Franzosen angegriffen wurde. Von hier aus machte man eine Diversion, um das von den Hessen besetzte und hart bedrängte Ppern zu besetzen, aber auf dem Marsche dahin erlitt die alliirte Armee bei Lönneway (Lonnay?) eine