312 ihm zu einem in des Wortes eigentlichster Be ­ deutung Weltgeschäft entwickelte. Den großartigsten Aufschwung nahm die Fabrik hauptsächlich nach dem Jahre 1866 ltnb dann wieder nach 1871, zu welchen Zeiten die umfangreichsten Aufträge zur Herstellung von Lokomotiven bei ihm ein ­ liefen, wurden doch in dem Zeitraum 1865 bis 1873 400 Maschinen abgeliefert, und heute ist die Zahl 4000 weit überschritten. Den Grund zu der Henschel'schen Maschinen ­ fabrik hat des Verstorbenen Großvater, Karl Anton Henschel, gelegt. Ueber dessen Lebens ­ schicksale mögen hier einige Zeilen eingeschaltet werden. Geboren zu Kassel am 23. April 1780, widmete er sich dem Bergingenieur- und Maschinen ­ fach. In westfälischer Zeit war er als technischer Direktor der Berghauptmannschaft der Weser- division , dann nach Herstellung des Kurstaates 1814 als Bauinspektor unb Baumeister mit dem Wohnsitz in Kassel angestellt. Gleichzeitig erhielt er die Erlaubniß, Bestellungen auf Maschinen auszuführen, wozu ihm die Werkstätten seines Vaters Gelegenheit boten. Eifrig betheiligte er sich auch an der „Hessisch-Waldeckischen Kompagnie zur Gewinnung des Goldes aus dem Edderflnsse", die sich aus Anregung des früheren brasilianischen Obersten und Direktors der brasilianischen Gold ­ bergwerke , nachherigen portilgiesischen Oberberg- hauptmannes und Genieobersten Wilhelm Ludwig v. Eschwege (geb. 15. November 1779 zu Aue bei Eschwege, gest. 1. Februar 1855 zu Wolfsanger) gebildet hatte, sich aber wegen schlechter finanzieller Resultate im Mai 1835 wieder auslöste. Anton Henschel und Eschwege waren die Seele dieses Unternehmens. Gegen 1830 vergrößerte sich die HenscheUsche Fabrik und nahm die Firma „Henschel & Sohn" an. Die Inhaber waren Anton Henschel und dessen Vater. Im Juni 1835 starb der alte Oberbergrath Henschel, und Anton's ältester Sohn Karl, der Vater unseres Oskar Henschel, trat mit in das Geschäft ein. Vater unb Sohn führten es gemein ­ sam bis zum Anfang der 60 er Jahre. Im März 1860 starb der Sohn Karl (an den Folgen eines in Dresden erlittenen Sturzes) und im Mai 1861 sein Vater Anton. Erbe des Geschäftes wurde des letzteren Enkel Oskar, der mit zwei Schwestern die einzigen Hinterbliebenen bitbcteu. Ein jüngerer Bruder von Oskar Henschel war bereits 1846 gestorben. Es mag hier daran er ­ innert werden, daß der bekannte Bildhauer Johann Werner Henschel (geb. 14. Februar 1782 zu Kassel, gest. 15. August 1850 in Rom), u. A. der Schöpfer der Kolossalstatue des Bonifatius, die am 17. August 1842 zur elfhundertjährigen Jubelfeier der Gründung der Stadt Fulda dort aufgestellt worden, der Großonkel unseres Oskar Henschel war. Vielfache Ehrungen sind dem jüngst Verstorbenen zu Theil geworden. Seine Verdienste in dem Reich der Technik wurden an allerhöchster Stelle dadurch anerkannt, daß er 1868^um Kommerzienrath ernannt und später, 1875, ihm der Charakter als Geheimer Kommerzienrath verliehen wurde. Das Vertrauen seiner Mitbürger übertrug ihm zahl ­ reiche Ehrenstellen: er war mehrere Wahlperioden hindurch Mitglied des Bürgerausschusses, viele Jahre Mitglied der Kuratorien der städtischen höheren Schulen Kassels, gegen 20 Jahre Mit ­ glied der Handelskammer und lange Zeit deren Vorsitzender, endlich Mitglied des Provinzial- und Kommunallandtags, sowie Vorstand der ständischen Schatzkommission. Der Verblichene hatte allezeit ein warmes Herz und eine offene Hand für seine nach Tausenden zählende Arbeiterschaar. Von den großartigen Spenden, die von seiner Freigebigkeit beredtes Zeugniß ablegen, mögen hier nur zwei Erwähnung finden: die Henschel-Stiftung, die gelegentlich seiner fitbernen Hochzeitsfeier gegründet wurde, und der ­ er 100 000 Mark überwies, und die testamen ­ tarische Zuweisung von abermals 100 000 Mark an den Invaliden- und Unterstützungsfonds seiner Fabrikarbeiter. Semper honos nomenque tuum laudesque manebunt; Molliter ossa cubent cespite sub viridi! Dr. A. Todesfälle. Am 16. November verschied in Kassel der Amtsgerichtsrath Gustav Wilhelm Z i m m ermann, ein verdienstvoller althessischer Jurist. Zimmermann war am 1. Oktober 1823 in Allendors a. d. Werra geboren, besuchte das Lyceum Fridericiaum in Kassel und studirte in Heidelberg und Marburg die Rechte. Er absolvirte die vorgeschriebene Laufbahn und wurde im Jahre 1862 ordentlicher Assessor, 1867 Amtsrichter, 1874 Oberamtsrichter. Mit ihm ist ein hervor ­ ragender Jurist aus dem Leben geschieden, der die Strenge seines Amtes mit einer besonderen Liebens ­ würdigkeit llnd einem gleichmäßigen Wohlwollen gegen Alle verband. Auch außer seiner dienstlichen Thätigkeit war der Verblichene u. A. ein eifriges Mitglied des hessischen Geschichtsvereins, bekleidete das Ehrenamt eines Vorstands des Diakonissen ­ hauses zu Treysa und gehörte dem Kirchenvorstand der Oberneustädter Gemeinde an. — Am gleichen Tage starb zu Reichensachsen der Oberförster Friedrich Sacksofsky im 61. Lebensjahre, ein geborener Kasselaner, 1861—65 Leibjäger des Kurfürsten, den er it. A. zum Frankfurter Fürsten ­