306 G. «Humoristisches. 44. Wenn der Lenz die Blumen bringt Und die Nachtigallen singt. Und die Welt und Felder lachen Und die Vögel Hochzeit machen. Mürlenbach. 45. Als ich tu dieses Haus 'nein kam, Uebernahnr mich großes Wunder. Denn als ich Alles in's Auge nahm, Da war auch nichts darunter, Das nicht entzwei, zerrissen war Hub auch beschmutzt ja ganz ltnb gar, Daß Gott soll sich's erbarmen. Sterztzausen. 46. Wenn ich wüßte aller Menschen Gedanken Und könnte heilen alle Kranken, Aus alten ßeitteu junge machen. So wollt' ich die ganze Welt auslachen. Nie-rrrvrimar. 47. Ein Felsenkeller zeigt uns an, Wo früher hier ein Kloster stand. Ihr Wanderer, kommt All' herein,' Hier giebts 'neu guten Schoppen Wein. Hachborn. 48. Es war ein Weib, eine schöne Figur, Sie heirathete, ehe sie war alt, eine Uhr, Sie gebar, ehe sie war alt ein Jahr, Und starb, ehe sie geboren war. Wohra. 49. Schuhmacher braucht man überall Vom Bettler bis gum Edelmann, D'rum wer nicht barfuß laufen kann. Der muß sich bei uns melden all. Ein Jeder fühlt sich schon beglückt. Wenn ihn der Schuh so hart nicht drückt. Schiffelbach. 50. Wenn es wäre Landessitte, Daß man der H . . . die Nase abschnitte. Dann würde gewißlich mancher Mann Seine Frau ohne Nase han. Schiffelbach. d-<£3>-c Doktor Wehn. Erzählung von D. John. f l er alte Oberst schlug mit der flachen Hand e auf den Tisch, daß Teller und Gläser, die Cy von dem eben gehaltenen Abendessen noch dastanden, klirrten lind schüttelten und ein Messer- block sich überschlagend in das Zimmer flog. „Und das sag' ich Dir, Mädel, wenn Du Dir den Gedanken an den Doktor ilicht aus deni Kopfe schlägst, sind wir geschiedene Leute. Du weißt, ich scherze nicht. Entweder Du giebst dem Menschen den Abschied — oder ich — verstoße Dich, enterbe Dich." Letztere fürchterliche Drohung, die der Oberst v. Reinig mit einiger Vorliebe gegen sein Töchter ­ lein auszustoßen pflegte, wenn dasselbe einmal widerspenstig war, war im Grunde genommen doch recht harmlos, denn der Himmel hatte den biedern Kriegsmann nur in sehr bescheidenem Maße mit irdischen Gütern gesegnet. Doch der gewaltige Ernst, mit dem der alte Herr sic ans ­ sprach, verfehlte gewöhnlich seine Wirkung nicht ans Luise, der bei solchen harten Worten die schrecklichsten Zukunftsbilder sich zu enthüllen pflegten. Heute aber blieb die Wirkung aus: das Mädchen stand ruhig, selbstbewußt und in straffer Haltung da. Die Mutter klapperte in der Osenecke des alt ­ modischen, aber recht wohnlichen Zimmers mit den Stricknadeln, das Auge unverwandt auf Luise geheftet. Sv hatte sie das Mädchen noch nie ge ­ sehen. Welche Entschiedenheit des Ausdrucks und der Bewegung bei ihr, die sonst so stille, fast zaghaft war! Das Mutterauge sieht scharf, und es fand hier richtig heraus, daß die Liebe diese Veränderung hervorgebracht habe. — „Was hast Du zu antworten, Luise?" sagte der Oberst, die eisengrauen Brauen zusammenziehend. Das Mädchen wartete noch einen Augenblick, ehe cs antwortete: „Ich kann nicht, Vater. Verlange das nicht! Alles, nur Das nicht." — „Gerade Das verlange ich!" rief der Oberst, der sich mittlerweile seine Meerschaumpfeife angezündet und in dem alten Lehnstuhle Platz genommen hatte. — „Ich will — ich verspreche Dir, ach Vater —" Luise wurde bewegt und wollte sich dem alten Herrn nähern, aber er stieß sie rauh zurück. „Dummes Zeilg! Heulereien! Damit wollt Ihr Weiber Euch immer im entscheidenden Augenblick salviren. Aber ich falle ans den Schwindel nicht herein!" Er brummte, aufstehend und das Zimmer durchschreitend, noch weitere wenig schmeichelhafte Bemerkungen über das andere Ge ­ schlecht in den Bart. Luise hatte die weiche Stimmung, die sie eben