288 die Leibeigenschaft, die vor Jahrhunderten diesen Stand von den Landtagsverhandlungen aus ­ schloß, in Hessen längst beseitigt und unbekannt sei. Ss. Wr. Ans meiner Zeit. Lebenserinnerungen von F rieb ri ch P e ch t. München, 1894. 2 Bde. Wir lesen auf S. 169 des ersten Bandes: „Als ich (Pecht) die französische Grenze überschritt, kam ich von Baden, das von Franzosen wimmelte, die sich da als vollständige Herren gerirten, mit jenem Uebermuth lind jener Verachtung der je ­ weiligen Lalldesart, die sie überall bald verhaßt macht. . . Drinnen in den Spielsälen erfreute lnich dann der Anblick jenes musterhaften deutschen Land es Vaters, des fortgejagten alten Kurfürsten von Hessen, der mitten unter den Croupiers und Spielern sitzend, das Gold ver ­ spielte, was er seinen Unterthanen ab ­ gepreßt. Eine mächtige Gestalt mit schneeweißem Bart, hatte er große Haufen Gold und Banknoten vor sich, die er mit einer gewissen Wuth aus die verschiedensten Kartell setzte. Bald hatte er Alles verloren und lief nun brummend fort, llm nach einiger Zeit mit frisch gefüllten Taschen wieder anzukommell. Und dafür wurden die armen hessischen Bauern bis auf's Blut aus ­ gesogen!" Bon diesen Angaben ist zunächst die falsch, daß Kurfürst Wilhelm IT. fortgejagt sei. Er hat freiwillig seine Residenz verlassen, tief verletzt durch das taktlose Benehmen der hauptstädtischen Bevölkerung, nub keine Deputationen vermochten den sonst so weichherzigen Mann, wieder zurück- zukehren. Weiter ist unrichtig, daß Wilhelm II. eine „mächtige" Gestalt gewesen sei. Er war eher klein intb dick. Endlich vergleiche man obige Darstellung mit derjenigen, welche Jakob Hoss- m ei st er in den im Jahre 1882 erschienenen „Hessischen Erinnerungen" auf S. 90 ff. voll seinen Eindrücken in Baden-Baden giebt. Der Kurfürst spielte diesem Beobachter zufolge durch ­ aus leidenschaftslos und gleichmüthig, auch im Allgemeinen mit vielem Glück, indem er sogar einige Male die Bank sprengte. Da er seine Civilliste bezog nnb mit dieser ebenso wie mit seinem Privatvermögen machen konnte, was er wollte, und da er andererseits verfassungsmäßig außer Stande war, den „armen" hessischen Baltern aitrf) nur einen Pfennig mehr abzunehmen, als was diese seine Civilliste betrug, so verdient Herr Friedrich Pecht wegell derartiger falscher nnb thörichter Behauptungen, wie er sie zilln besseren Aufputz seines Werkes ohne jegliche Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse aufgestellt hat, von jedem Hessen energisch zurechtgewiesen zu werden. Die hessischen Bauern sind von keinem ihrer Fürsten „bis auf's Blut ausgesogen worden", am wenigsten voll Kurfürst Wilhelm II., nnb ganz so arm, wie Herr Friedrich Pecht glaubt, sind sie auch nicht. Wenll des Verfassers Lebenserinnerungen im Uebrigell nicht zuverlässiger und genauer sind, als die auf S. 169 s. produzirten, so ist die delltsche Memoirenliteratur nicht sonderlich bereichert worden. K. Mr. Im 5. Jahrgang ist der Cotta'sche Musen ­ almanach wieder erschienen, herausgegeben von unseren Landsmann Otto Braun. Diese fein ­ sinnige Auslese zeitgenössischer Lyrik, die auch äußerlich in prächtigem Gewände erscheint, wird ein willkommenes Festgeschenk sein. Von hessischen Dichtern sind H. Keller-Jordan, Richard Jordan, Julius Rodenberg und Daniel Saul vertreten. Richtigstellung. Von Herrn Dr. med. Friedrich Hille in Straßburg i. E. erhalten wir folgende Zuschrift: „In meinen Artikel „Geschichte der Familie Hille" haben sich in Nr. 19 einige Unrichtigkeiten ein ­ geschlichen, die ich in der nächsten Nummer gefälligst zu berichtigen bitte: 1) S. 255. Auguste Karoline Wilhelmine Emilie Hille war nicht verheirathet mit dem Rentner Wilhelm Barkhausen in Detmold, sondern mit dem Architekten Konrad Barkhausen daselbst; 2) a. Emilie Friederike Luise Barkhausen war verheirathet mit dem Oberlehrer Dr. August Althaus in Berlin und ist daselbst mit Hinterlassung von zwei Kindern gestorben; 8) e. Theo Bertha Helene Mathilde Barkhausen ist seit 1872 verheirathet mit dem Rechtsanwalt und Notar Justizrath A l b r e ch t E a sp a r i in Kassel." Briefkasten. Alle Sendungen für die Redaktion sind zu richten an die Buchdruckern von Friedr. Scheel, Kassel, Schloßplatz 4. ö. Th. I). in Marburg. Wir werden Ihnen aus ­ führlich schreiben. Fräulein H. B. in R. bei Hanau; 6. B. in Wächters ­ bach; 0. GL in Hildesheim; Frau 8. I. in Gotha; Dr. W. S. in Fulda; J. 8. in Frankfurt; L. M. in Eschwege; Pfarrer J. in Preungesheim. Für die erhal ­ tenen Briefe und Beiträge sagen wir einstweilen unter Empfangsbestätigung besten Dank. n. R. in Frankfurt a. M. Aufsah über das von Ihnen berührte Thema wird in Bälde im „Hessenland" erscheinen. Nur ein wenig Geduld! K. W. in Kassel. Der „Kinder-Reigen" Keitgedicht in Nr. 20 des „Hessenland") rührt von unserm Lands ­ manne, dem Dichter Gustav Kastropp in Hannover her; leider ist in Folge eines Versehens beim Abdruck der Name des Autors ausgefallen. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. D. Saul in Stuttgart. Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.