287 Regierungsreferendar bei der Regierung in Kassel; Referendar von Byren zum Gerickstsassessor; die Rechts- kandidaten Krebs und von Christen zu Referendaren. Beauftragt: der Pfarrer Most in Allendorf a. d. W. mit Versetzung der Metropolitanatsgeschäfte der Klasse Allendorf. Uebertragenr dem Postmeister Dornte in Witzen- Hausen die Vorsteherstelle des Postamts \ in Hechingen. Versetztr Postdirektor Schlitter von Mühlheim (Ruhr) nach Marburg; Postmeister Schönknecht von Ziegenhain nach Witzenhausen; Gymnasialdirektor Di-. Heldmann von Bückeburg nach Rinteln. Verliehen: Dem Privatdozenten in der theologischen Fakultät der Universität Marburg Lic. Dr. Johannes Werner das Prädikat „Professor". Wiederaufgenommen: Referendar Goebels in den Justizdienst. Entlassen: Notar Dr. zur. Wolter in Rinteln aus dem Amte als Notar; Schatzzahlmeister Klopfer bei der Landesdirektion; die Oberförster Wachsmuth in Dodenhausen und von Stiernberg in Haina. Geboren: Ein Sohn: Herrn L. Schomburg und Frau Anna, geb. Flacke, in Halle a. S. Verlebt: Frl. Marie Wichmann (Salzwedel) mit Architekt Jean Spindler (Kassel). Vermählt: Dr. inecl. Gg. Slemon, prakt. Arzt, mit Dora, geb. Kratz (Wildungen). Gestorben: Privatmann Karl Warnstorff (Kassel, 10. Oktober); Cäcilie Schultze, geb. von Heppe, Gattin des Oberlandesgerichtsrath Alexander Schultze (Kassel, 10. Oktober); Rechnungsrathswittwe Luise Heer, 67 Jahre alt (Kassel, 11. Oktober); Regierungs- und Banrath a. D. Wilhelm Landgrebe, 91 Jahre alt (Kassel, 12. Oktober); Forstreferendar Karl Coester (Hann. Münden, 13. Oktober); Rent ­ meister z. D. Wilhelm Reinhard Hassel, 88 Jahre alt (Kassel, 15. Oktober); Anna Dorothea Gertrud von Hartem, Gattin des Landraths Dietrich von Hartem (Ottweiler, 17. Oktober); Christine Hassen- pflug, geb. von Toden Warth, Wittwe des Professors Hassenpflug (Kassel, 18. Oktober); Apotheker Georg Stamm, 46 Jahre alt (Glauchau, 22. Oktober); Valeska Hartmann, geb. Ey len stein, Gattin des königl. Kammermusikers Wilhelm Hartmann (Kassel, 23. Oktober); Wilhelm Krapf, Einjährig-Freiwilliger, 18 Jahre alt (Wehlheiden, 23. Oktober); Karl Katzen ­ stein, 40 Jahre altlCarnaroon in Südafrika, 24. Oktober); königl. Banrath a. D. Kntlman n (Rinteln, 24. Oktober); Henry Moesta, aus Kassel gebürtig, 66 Jahre alt (Detroit, Mich., 1. Oktober). Hessische Bücherschau. William Pierson, Preußische Geschichte. Ber ­ lin (Gebr. Paetel.) - Bd. II, 1894. Bon Seite 374 an hat der Verfasser diesem Bande seiner preußischen Geschichte eine „Uebersicht der Geschichte der neuen Provinzen" angehangen; Hessen wird daselbst von Seite 403 dis 412 abgehandelt. Was Unkenntniß und An ­ maßung zu leisten im Stande sind, ist hier geleistet. Von den Landgrafen Karl, Friedrich I., Wilhelm VIII. und Friedrich II. weiß der Verfasser nichts weiter als den Soldaten ­ handel zu berichten, ob dessen er sich über die vier um das Hessenland so hochverdienten Fürstell in den gröbsten Schmähungen ergeht. Ein jeder Hesse weiß, welche Fürsorge Landgraf Karl wäh ­ rend seiner fast sechszigjährigen Regierung seinem Lande zu Theil werden ließ, wie er unausgesetzt auf Verbesseritllg der Verwaltung, Hebung der Industrie, der Landwirthschaft u. s. w. bedacht war. Wer es nicht weiß, der werfe einen Blick tu Bd. 3 der hessischen Landesordnungen, wo die von Landgraf Karl erlassenen 1006 Verordnungert ttub Gesetze ein schönes Denkmal seiner landesväterlichen Thätigkeit bilden. Von diesem trefflichstell Fürsten seiner Zeit, der noch jetzt im lebendigen Andenken aller Hessen steht, sagt der prellßische Geschichtsschreiber, zu seiner Ehre sei es bekannt, daß er sein Werk llllr aus Quellen dritter und vierter Hand auf ­ baut, — Folgendes: „Die Gelder, welche Landgraf Karl aus diesem Geschäft (dem Soldatenhandel) bezog, vergeudete er größtenteils in Pracht ­ bauten und für Gunstdamen; Nützliches ward nur wenig geschassell, wie der Ball voll Karlshasen, die Ansiedelung verjagter Hugenotten ll. a. Noch weniger (!) leistete dem Lande seill Sohll und Nachfolger Friedrich l. ll. s. w." Voll dem menschenfreundlichen mtb milden, der Wissenschaft imb Kunst huldigenden, auch dein Subsidienvertrage mit England durchaus ab- geneigten Landgrafen Friedrich ll. weiß Herr Pierson nur zll berichten, daß er feinen Vater Wilhelm VIII. noch a n nichts w ü r d i g e r Tyrannei überboten habe! — jenen Wil ­ helm VIII., der im Verein mit seinem Bruder- Friedrich sein Land durch die im Jahre 1739 erlassene „Grebenordnllng" zll einer Zeit „tyran- llisirte", wo man in andern Ländern von einer Gemeindeverfassllng noch keine Ahnung hatte; jenen Wilhelm VIII., voll dem Friedrich der Große bei der Nachricht von dessen Tode sagte, daß er seinen besten Freund und Delltschland einen seiner treff ­ lichsten Fürsten verloren habe. In dem geschilderten Tone geht die Sudelei weiter. Kurfürst Wilhelm I. ist der „böse" Kurfürst, der „Landesvater mit dem dicken Kops und langen Zopf", den die Ballern wieder haben wollten, trotzdem er „ein alter Esel" war. Und dies Alles wagt man dem prellßischen Volke als hessische Geschichte aufzutischen. Gewiß wird das Buch viel gekauft und viel gelesen werden. Trösten wir uns mit der Thatsache, daß im Lande des Soldatenhandels der „böse" Kurfürst Wilhelm I., als er im Jahre 1814 seine Landstände einberief unb auch die Bauern als vierten Stand mit hinzilzog, um aus freien Stücken den Entwllrs einer Landesverfassung vorzulegen, feststellen konnte, daß