263 Die Auswahl der abzuändernden Straßennamen wäre übrigens auch nicht leicht, manche Umtaufungen, z. B. Oberstegasse in Oberste Straße, würden sich auch schwerlich einbürgern können. — Wir können der Entscheidung der städtischen Behörden nur bei ­ pflichten. Wo noch alte Namen in Geltung sind, hat man allen Grund, sie 511 erhalten und sie nicht einer ganz unberechtigten Geschmacksrichtung zu opfern. Früher ist in dieser Beziehung an vielen Orten arg gesündigt worden; an Stelle einge ­ wurzelter und sinnvoller Namen sind vielfach Be ­ zeichnungen getreten, die auf reiner Willkür beruhen; jetzt ist der historische Sinn glücklicher Weise wieder so stark, daß solche Mißgriffe nicht mehr oder doch nur selten vorkommen. Auch bei der Benennung neuer Straßen sollte man immer bemüht sein, Namen zu wählen, die in einem inneren Zusammen ­ hang mit dem stehen, was sie bezeichnen sollen. — In Anknüpfung hieran sei mitgetheilt, daß der zur Freilegung der Kasseler Martinskirche her ­ zustellende Platz die Bezeichnung „Landgraf Philipp-Platz" und die von hier nach der Königsstraße zu siihrende Straße den Namen „Philippstraße" führen wird. Universitätsnachrichten. Aus Marburg wird berichtet: Professor Richard Barth, der hiesige Universitäts-Musikdirektor, ist zur Leitung der Philharmonischen Gesellschaft in Hamburg, die in dem kommenden Winter ihr 70jähriges Bestehen feiert, als Nachfolger des zurücktretenden Professors von Bernuth berufen worden. Herr Professor Barth gedenkt diesem Ruf, der für ihn einen großen Fortschritt in seiner Karriere bedeutet, zu folgen. Hoffentlich gelingt es unserer Universitätsverwaltung, recht bald einen Ersatz für Herrn Professor Barth zu gewinnen. Im hohen Alter von 82 Jahren verschied in Kassel in der Frühe des 24. September nach langem Leiden der Metropolitan a. D. August Friedrich Karff. Derselbe war am 21. März 1812 zu Kassel geboren, studirte, wie wir dem „Kaff. Tagebl." entnehmen, 1831 bis 1833 Theologie an der Universität Marburg, war dann in Kassel zunächst als Lehrer und sodann vom Jahre 1836 bis zum Jahre 1846 als Psarrverweser thätig. Im Jahre 1846 wurde ihm von dem zuständigen Patronate die erledigte Psarrstelle in Obermeiser übertragen, welche er bis zum Jahre 1892 verwaltete. 1868 mit Bersehung des Metro- politanats der Klasse Zierenberg beauftragt und später, im Jahre 1873, zum Metropolitan definitiv bestellt, ist Karff während der ganzen Zeit seiner Anstellung im Psarramte auch im Schulaufsichts- dienste thätig gewesen. Der Verstorbene gehörte der ersten außerordentlichen Synode vom Jahre 1884 in Kassel an, welche den Zweck hatte, die jetzige Presbyterial- und Synodalordnung vor ­ zubereiten. Am 11. November 1886 vollendete derselbe in voller geistiger und körperlicher Frische und getragen von der Liebe und Verehrung seiner Gemeinde eine ununterbrochene fünfzigjährige Amts ­ thätigkeit. Aus Anlaß dieses seltenen Jubiläums wurde ihm der Kroneuordeu III. Klasse mit der Zahl 50 verliehen. Nachdem er 1892 in den Ruhestand getreten war, zog er nach Kassel. Der Ver ­ blichene hat stets mit Hingebung seines Amtes gewaltet und sich die Verehrung und Liebe der ihm an ­ vertrauten Gemeinde und der ihm unterstellten Geistlichen erworben. Einem Wunsche des Ent ­ schlafenen zufolge fand die Beerdigung in Ober ­ meiser statt. — Am 22. September starb ebenfalls in Kassel in Folge eines Schlaganfalls der Amtsrichter a. D. Reinhard Dietz im 72. Lebensjahre. Der ­ selbe war zu Schmalkalden am 12. Juni 1823 geboren, hatte in Marburg die Universität besucht und war in verschiedenen hessischen Städten, wie Hersfeld, Fritzlar, Großalmerode, Meerholz rc., als Richter thätig gewesen, bis er vor einigen Jahren in den Ruhestand trat und seinen ständigen Aufent ­ halt in Kassel nahm. — Der am 27. September im 79. Lebensjahre verstorbene Geheime Rechnungs ­ rath Heinrich Gunkel wurde am 11. April 1816 zu Hanau geboreu, besuchte das dortige Gymnasium und widmete sich dein Studium der Rechte au der Landesuniversität Marburg. Nach Absolvirung seiner akademischen Studien bestand Gunkel im September des Jahres 1838 die juristische Staatsprüfung mit Auszeichnung und wurde im November desselben Jahres als Rechts ­ praktikant in den kurhessischen Justizdienst aus ­ genommen. April 1840 erfolgte seine Ernennung zum Obergerichtsreferendar in Kassel, und nachdem er seit 1846 als Sekretariatsgehülfe bei dem Ober ­ gericht thätig gewesen war, wurde er im Mai 1849 zum Sekretär bei der Staatsprokuratur in Kassel berufen. Wegen seiner Schwerhörigkeit hat der Ver ­ storbene von seiner Verwendung im Richterdienst absehen müssen. Er verblieb in seiner Stellung als Sekretär der Staatsprokuratur bis zum Jahre 1867. Bei der Organisation in diesem Jahre wurde Gunkel zum Appellationsgerichts-Sekretär in Kassel ernannt. Dann einige Jahre der Oberstaatsanwalt ­ schaft überwiesen, war Gunkel seit April 1885 bei dem Oberlandesgericht thätig, woselbst er als Bibliothekar fungirte. Bis vor wenigen Wochen hat der Verstorbene seines Amtes mit treuer Pflicht-