244 bett Feuerbrattb in ihr wunbes Herz schleuberte unb viele schmerzliche Fragen nnb Gebanken entfachte. — — Leises Flüstern schreckte Konstanze aus tiefem Sinnen auf. Sie hob beit Kopf unb sah in bie Lanbstraße hinunter. Da schritt eben ein Paar, zärtlich an einanber geschmiegt, langsam aufwärts. Bei biesem Anblick staub ihr bas Herz in ungeheuerem Entsetzen stille. Es war ihr, als ob sie eilt Faustschlag treffe unb ber Bobett unter ihren Füßen hinweggezogen würbe. Dennoch erhob sie sich unb sah burch eine Oefftnuig ber Laube betn ganz in sein Glück versunkenen Paare starren Blickes so lange nach, bis bie bnnklen Schattett alter Bäume besseit Gestalten ihren Angen entzogen. Aus ber Ferne klang aber noch bas silberhelle lustige Kichern einer melobischen Mäbchenstimme beutlich burch bett Frieben ber Dümnierung leise zu ihr herüber. Längst war es bnnkel unb kühl geworben, buch noch immer buchte Konstanze nicht an bie Mahnung ber mütterlichen Freunbin. Jit Hkil'gk Armuth. Heil'ge Armuth, weltverschmähte, bie sich tröstenb Gott erwählte, Die er in Jubäas Bergen selig lächelnb sich vermählte, Die er ans bem Staub ber Demuth zur Gefährtin sich erhoben, Deren tiefgebeugtes Antlitz er mit gvlb'nem Scheut umwoben —, Wo Du gehst auf bieser Erbe mit bett wunb- gerieb'nen Füßen, Mit beut Staub auf Deinem Kleibe —, laß Dich ehren, laß Dich grüßen: Ob Du atis ber Klosterpforte trittst am thau- beglünzten Morgen Unb mit gottgegeb'nem Herzen Dich belübst mit fremben Sorgen, Ob Du wohnst int ernsten Geiste eines Mannes, ber ba kannte Jebe Nichtigkeit bes Lebens unb Dich breimal selig nannte, Ob Du stehst an Kirchenthüren, auf bem Antlitz sanfte Trauer, Unb Dich, scheu vor hartem Worte, an bie Steine brängst ber Mauer, Ob Du alt nnb einsam wanberst an bem Krück ­ stock auf bett Wegen Gebanken versunken saß sie in ber Laube. Enblich erhob sie sich unb schritt bie Stufen zu ber Billa hinan. Ringsum herrschte tobten- haftes Schweigen. Nur ber leise Gesang eines halbverschlafenen Vogels traf ihr Ohr, unb eilt feuchter Hauch wehte von bett Felbern an sie heran unb kühlte ihr heißes Gesicht. Weiße Nebel wallten zitternb über bett Wiesen im Grunbe, bie Bäume bes Gartens rauschten ge ­ heimnißvoll ; auf bett Wipfeln bes nahen Walbes wölbte sich ber bunkelblane, von zahllosen Sterneit übersäte Himmel. Bei biesem Anblick kam wieber Friebe in Konstanzens erregte Seele. Sie blieb einen Augenblick stehen, sah in bett stillen Abenb hinaus unb sprach leise vor sich hin, als ob sie zu einer anberen Person rebe: „Ja, wenn bie Sonne sinkt, bann wirb es kühl unb sterben bie Farben! Aber im Dunkel ba naht ber Friebe, ba gehen bie Sterne auf nnb leuchten! — Nein, ich bin nicht unglücklich unb verlassen! — Stehe ich auch ganz allein, so habe ich hoch meine Kunst, sie soll mir helfen, sie wirb mir helfen!" — 8 folgt.) Unb bem kargen Geber wünschest tausenbfachen Gottessegen, Ob im kurzeit Kinberröckchen unb mit nackten kleinen Füßen Blutenb gehst auf harten Steinen, um mit Veilchen uns zu grüßeit, Ob Du bumpf, verweinten Auges starrst burch's Fettster Deiner Hütte, — Ach, kein Stücklein Brvb im Kasten, keine Decke auf ber Schütte! —, Ob verschämt unb in Ergebung Du Dich plagst bie langen Nächte, Träumenb von bem Tag ber Sonne, ber auch Dir Erlösung brachte. Ob im Schooß ber Riesenstäbte, hungernb, mübe unb verloren, Du in kalten Winternächten seufzest: „Wär' ich nie geboren!" —, Ob Du im Maschinensaale, halberstickt vom heißen Staube, Ferne hörst ber Büche Rieseln, ferne siehst bes Walbes Laube, Ob im Massengrab bes Friebhofs eine Nummer nur bett Tobten Seiner blassen Waise anzeigt, weil zu theuer Grunb unb Boben, Ober ob ein Kreuz am Wege sagt: Hier ist er hingesunken,