203 gestanden halte, ließ er sich im Jahre 1814 als Amisadvokat in Homberg nieder; daselbst wurden 1815 H. Martin, der spätere Oberappellationsrath, und 1822 W. Martin, bisher Superintendent in Gudensberg, geboren. Die Söhne waren geistig reich begabt. Julius Martin besuchte die Rektorschule zu Homberg, gleichzeitig mit dem Schreiber dieser Zeilen, und dann das Gymnasium zu Erfurt, wo Kritz, Scheibener und Mensing seine vorzüglichen Lehrer waren. Ostern 1832 ward er zu Marburg als 8tuckio8U8 theologiae immatrikulirt. Marburg hatte sich damals als Universität be ­ deutend gehoben. Martin hörte die Vorlesungen der Theologen Julius Müller und Kling, des Philologen K. F. Hermann und des Philosophen Sengler. Der Ruf Tholuck's zog ihn Ostern 1833 auf die Universität Halle. Zwischen dem geistreichen Professor Tholuck und seinem in ein nahes Verhältniß zu dem Lehrer tretenden Schüler gestaltete sich eine Freundschaft, die bis zu Tholuck's Tod fortgedauert hat. Im Sommersemester 1834 bestand I. Martin die theologischen Examina, und jetzt hielt er es für seine Ausgabe, von seiner be ­ deutenden Begabung als Prediger, vorzugsweise in Homberg, allwo seine Kirche immer gedrängt voll war, Gebrauch zu machen. Seine Predigten zeich ­ neten sich durch Klarheit und Wärme, die sich zur Begeisterung steigerte, mit einem tief zum Gemüth sprechenden Vortrag aus. Schon damals sah man ihn als einen zu einem hohen kirchlichen Berus beanlagten und bestimmten jungen Geistlichen an. Nachdem er mehrere Jahre in Homberg an der Stadtschule als Konrektor und als Seminarlehrer gewirÜ hatte, berief ihn der Kurfürst, der seine Probepredigt gehört hatte, im Jahre 1843 zum Hos- und Garnisonspsarrer nach Kassel. Von Stufe zu Stufe stieg er auf, bis ihn der Kurfürst 1856 zum Superintendenten (Generalsuperintendenten) ernannte. Seine reichgesegnete Wirksamkeit in diesem hohen Amte, während welcher ihm gelegentlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums im Jahre 1884 von Sr. Majestät dem Kaiser der Rothe Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und von der Universität Marburg die theologische Doktor ­ würde verliehen wurde, dauerte bis in's Jahr 1887. Die Beerdigung fand unter großer Betheiligung namentlich seitens der niederhessischen Geistlichkeit am 27. Juli statt. Generalsuperintendent Lohr hielt die Grabrede. Z>. Der am 16. d. M. in Kassel verstorbene Ober- Postkassen-Buchhalter a. D. Adalbert Jaenecke war eine in weilen Kreisen bekannte und hoch ­ geschätzte Persönlichkeit. Der Verewigte hat sich namentlich um das Turnwesen in Kassel außer ­ ordentlich verdient gemacht. Lange Jahre wirkte er als Turnwart der Netteren Kasseler Turn ­ gemeinde". Selbst schon in hohem Alter stehend, bekundete er sich noch durch Wort und That als Förderer der Turnerei. Der Turnverein „Jahn" ernannte Jaenecke s. Zt. zum Ehrenvorsitzenden. Wersonakien. Ernannt: Gerichtsassessor Winneberger zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Finsingen (Elsaß- Lothringen); die Rechtskandidaten von und zu Loewen- stein und Dietrich zu Referendaren. Versetzt: Amtsrichter vr. Hab ich in Sontra an das Amtsgericht in Rüdesheim. — Ferner wurde Regierungs ­ assessor vr. Roh de in Marburg bis auf Weiteres dem Landrath des Kreises Bersenbrück zur Hilfeleistung zu ­ getheilt und Gerichtsassessor Berlin in die Liste der Rechtsanwälte bei dem Amtsgericht in Schmalkalden ein ­ getragen. Bestellt: Der bisher provisorisch bestellte Rektor vast. 6x1r. Ritter zu Wolfhagen als Rektor an der Stadt ­ schule daselbst. Gerichtsassessor vr. jur. Schultheis als Mitpatron des Fürstabt Landau'schen Familien- Stipendiums in Fulda. Verliehen: Dem Thierarzt Wilhelm E st o r aus Marburg die bisher von ihm interimistisch verwaltete Kreisthierarztstelle in Frankenberg. Beauftragt: Der Regierungsassessor von Baum- tz ach mit der kommissarischen Verwaltung des Landraths ­ amtes im Kreise Gelnhausen. Entlassen: Der Gerichtsassessor Lucas aus dem Justizdienst behufs Uebertritts zur Kommunalverwaltung. Geborenr Ein Knabe dem Oberroßarzt Rind und Frau Anna, geb. Pfeiffer (Kassel, 20. Juli). Vermählt: Adolph Jürgensen mit Cäcilie, geb. Bartheldes (Kassel, 21. Juli). Gestorben: Emmy von Wild, geb. Engel (Frank ­ furt a. M., 14. Juli); Oberpostkassenbuchhalter a. D. Adalbert Jänecke (Kassel, 16. Juli); Frau Rentmeister- Friederike D ö r f f l e r, geb. Cordes (Gelnhausen, 17. Juli); Instrumentenmacher Reinhold Scheel, 86 Jahre alt (Kassel, 18. Juli); Apotheker Adolf Hilgenberg sen., 66 Jahre alt (Treysa, 23. Juli); Kanzleisekretär a. D. Karl Lorenz, 66 Jahre alt (Kassel, 21. Juli); General ­ superintendent a. D. vr. theol. Julius Martin, 81 Jahre alt (Kassel, 25. Juli); Direktor des Eisenbahn- Betriebsamts (Kassel-Schwerte) Geh. Regierungsrath Joses Busch, 55 Jahre alt (Kassel, 25. Juli). Hessische Oncherschau. Gedichte von Marie Westerburg. Kassel. Verlag von Th. G. Fisher & Co. 1894. Ein ernstes Geschick ist es. das der Verfasserin beschieden ist. und so ist der Grundton der Gedichte, die in einem geschmackvollen Bändchen vereinigt I sind, ein ernster und trüber. Die Klage um den