201 Aus alter und neuer Zeit. Unsere hessischen Landsleute findet man bekanntlich überall. Als ich vor einer Reihe von Jahren zum ersten Mal die damals noch in englischem Besitze befindliche Insel Helgoland be ­ suchte, fiel mir in der Princeßstreet unter all den Jansen, Friedrichs, Ohlsen ein Name aus, der unverkennbar hessisches Gepräge aufwies; es war der Name Stichtenoth. Obgleich der mir be ­ kannte Träger dieses Namens, dessen ich mich aus der Heimath erinnerte, durchaus nichts Anziehendes für mich hatte, so beschloß ich doch, seinen Helgo ­ länder Namensvetter kennen zu lernen. Ich trat in die Werkstätte, — der Mann war Schuster —, und fand einen freundlichen alten Mann, der denn natürlich auch als kurhessischer, aus Wanfried stammender Landsmann sich zu erkennen gab. Er war vor reichlich 40 Jahren auf der Wanderschaft nach Hamburg oder Bremen gekommen, hatte sich dort aus ein Schiff verdingt, war nach Helgoland gerathen und dort „hängen geblieben". Er ließ sich als Schuhmacher nieder und heirathete eine Helgoländerin; wenn er aber auch äußerlich Helgo ­ länder wurde und im Umgänge mit seinen neuen Landsleuten den Jnseldialekt sich aneignete, sprach er doch noch nach 40 Jahren seine unverfälschte hessische Mundart. An der alten Heimath, die er im Laufe der Jahre einmal besucht hatte, hing er mit großer Liebe und war deshalb auch sichtlich erfreut über meinen Besuch. Ich bin dann zu ­ weilen — auch in späteren Jahren — bei ihm gewesen und habe mit ihm geplaudert von der hessischen Heimath, ihren Bergen und grünen Thälern, die noch als freundliche Erinnerung vor seiner Seele standen. — Der Name Stichtenoth erweckt noch ein anderes Interesse. Meiner Ansicht nach gehört er zu den meist imperativen Namens- sormen, die wir gerade in Hessen ziemlich häufig haben, wie Schnellenpfeil (Schnell den Pfeil), Rinn- insland (Rinn in's Land), Hastenpflug oder Hassen ­ pflug (Hast den Pflug). Stichtenoth heißt jeden ­ falls ursprünglich „Stich die Naht"; der erste Träger ist also ein Schneider gewesen. Vielleicht giebt ein Fachmann sein Urtheil über meine Ver ­ muthung ab. Aus der Zeit der Wiederherstellung des kur ­ fürstlichen Regimentes nach der westfälischen Periode stammt das nachstehende, von der Ordenskanzlei ausgegangene Schriftstück: Zur Nota: Der Durchlauchtigste Ordens-Stifter haben die Taxe der Ordenszeichen aus dreyßig D u k a t e n bestimmt, welche von den Herren Rittern an den Ordens - Schatzmeister, Hos- Jntendanten Cnyrim eingesendet werden können. Außerdem werden von einem jeden Herrn Ritter bei der Ausnahme zum Behuf des Hospitals S. Elisabeth und zu des Schatz ­ meisters Berechnung erlegt . 5 Pistolen. Ferner als Gratial an den Garderobier...... 2 Pistolen. Und so auch an den Herold . . 2 Pistolen. Überdas wird, nach einer bestehenden eonformen Einrichtung, ein Kapital von 200 Rthlrn., oder 40 Pistolen, eingelegt, welches für die Ordens- Armen-Kasse dergestalt bestimmt ist, daß aus den Interessen dieses kleinen Kapitals das auf S. Elisabethentag gewöhnliche jährliche Ordens- Armen-Opser von zwey Pistolen bestritten, folg ­ lich ein ewiges Opfer dadurch gestiftet, und dieses sowohl während der Lebzeit als nach dem Tode der Herren Ordens-Ritter zur jähr ­ lichen Rechnungs-Einnahme gebracht, und aus solche Weise durch jene milde Gabe das Andenken an den Verstorbenen für immer rühmlichst er ­ halten wird. Kassel, d. 31. Dec. 1814. Aus Kurfürsts. Ordens -Kanzley. F. W. Strieder, geheimer Hof- und Ordensrath. Aus Heimath und Fremde. Die Vorbereitungen zu dem in der letzten August- woche stattfindenden fünfzigjährigen Jubiläum des Hanauer Bezirksverein für hessische Geschichte und Landeskunde, verbunden mit der Jahresversammlung des Hauptvereins für hessische Geschichte und Landeskunde werden der „Han. Ztg." zufolge jetzt eifrig be ­ trieben. In großen Zügen ist das Programm nunmehr entworfen. Am Montag, 27. August, wird ein Festkommers in dem Saale der „Zentral- halle" die Festtheilnehmer vereinen, bei dem es an Musik, Gesang und sonstiger anregender Unterhaltung nicht fehlen wird. Die Jahres ­ versammlung des Kasseler Hauptvereins wird am Dienstag Vormittag, 28. August, abgehalten, auf die zwei Festvorträge folgen werden, und zwar wird Herr Landgerichtsrath Dr. Brandt über die Landgräfin Amelia Elisabeth von Hessen und Herr Professor Dr. Wackermann überMoscherosch (eigent ­ lich Mosenrosh, Schriftsteller unter dem Pseudonym Philander von Sittewald, geboren 5. März 1601