177 Berlin le 19. Juin 1756 Mon très Cher fils J’ai reçu avec plaisir votre Lettre, je vous Suis obligé de La part que vous prenés a mon nouveau Etablissement, et rien au monde ne m’aurois pu etre plus agréable que d'avoir appris par Mr. de Wiltorf que vous et vos frères, aux quels vous ferés bien des Com- plimens de ma part, vous etes bien Gouvernés a La Cour du Boy de Dannemarck, Continués toujours de la Sorte, et Comptés sur La Con ­ tinuation de La tendre affection Paternelle avec La quelle je ne cesserai d'etre Mon très Cher fils Embrassés vos Votre fidele et bon Pere freres de ma part Frederic PHDHesse ©feingrab bei Züschen. In der Woche nach Pfingsten wurde bei Züschen, dicht an der hessischen Grenze, ein St ein grab entdeckt. Es enthielt mehr oder weniger gut erhaltene Knochen von Männern, Frauen mtb Kindern, auch einige Pferdeknochen, zwei Steinäxte, eine Anzahl Urnen, Kohlenreste, jedoch kein Metall. In den: nun leeren Grabe sieht man deutlich drei größere und ein kleineres Bild von Pfeilen, 38 Bilder voll Halseisen und Handfesseln in verschiedener Größe in drei Formen, zwei Bilder von Kettell ltub das große Sonnenloch nach Osten. Halseisen, Hand- fesseln, Pfeile und Ketten deuten aus Krieg oder Gefangenschaft oder feindlichen Uebersall, die Pfeile auf ein damals gebrällchliches Kriegsgerüth, die Steinäxte waren eine Waffe der Germanen. In der „Kasseler Allg. Ztg." beschäftigt sich Dr. Rörig- Wildungen eingehend mit dem Funde und kommt zu dem Schlüsse, daß dieses Massengrab aus die Abschlachtung überfallener Chatten durch Drusus (15 n. Chr.) zurückzuführen sei. Die Römer zogen 4 Legionen, 1200 Reiter und 10 000 Mann germanische und gallische Hülfstruppen stark aus und trafen — so führt Dr. Rörig aus — auf die Chatten nahe bei der Edder, über welche sie, wahrscheinlich von Friedberg zur Schwalm, bei Treysa vorüber, nach der Altenburg kommend, Brücken schlugen. Die Chatten wurden durch diesen Uebersall der 47 000 römischen Krieger so überrascht, daß sie zum Theil sich verborgen haben mögen, nackt oder nur wenig bekleidet und kaum bewaffnet, nur geringen Widerstand leisten konnten, die Römer am Ausschlagen einer Brücke hinderten, jedoch überwunden, durch Wurfgeschosse und Pfeile zurückgetrieben wurden. Dagegen ist Alles, was schwach und wehrlos war, Frauen, junge Lellte und Kinder (Annalen I. 55, 56) gefangen oder niedergemetzelt worden. Sie haben widerstrebt, sich losmachen wollen, mtb sind dann erstochen, erschlagen, erwürgt; die Fliehenden oder von den 1200 römischen Reitern Stunden weit Verfolgten, sind dann mit Pfeilen zu Boden gestreckt. Nach ­ dem Mattium verbrannt, wandte sich Drusus zum Rheine hin. Die Umgegend von Mattium, da wo jetzt das hessische Dorf Maden liegt, begünstigte den römischen Uebersall. Ein schönes flaches Thal von mehreren Stunden im Umkreis, nach Lohne und Züschen hin sanft aufsteigende Landschaft, niedrige Hügel und) Gleichen Hill, dagegen nord ­ wärts über Gudensberg meist nackte basaltische Bergkegel, von denen herab die Römer das Schlacht ­ feld überschauen, die Reiter anweisen konnten, in welcher Richtung die Chatten zu treffen unb zu verfolgen, gefangen zu nehmen oder nieder zu machen seien. Die Chatten sind da mit Feiler und Schwert total vernichtet. Das war die Kriegs ­ kunst der kultnrbringenden, sreiheitraubenden, hab ­ süchtigen Römer! Jln Chattenlande haben sie schlimmer wie Rallbthiere gehaust. - So weit Dr. Rörig. Natürlich ist nicht der Volksstamm der Chatten durch Drusus vernichtet worden, deren Existenz vielmehr sich sehr bald wieder ben Römern in unangenehmer Weise fühlbar machte. Wie alts Gießen berichtet wird, werden all dein Castrum Alteburg die Ausgrabungsarbeiteu fortgesetzt. Bekanntlich hat der Oberhessische Geschichtsverein einen Theil des Geländes, in beut das Castrum Alteburg liegt, pachtweise über- nommen lllld zilm Zwecke der Erhaltung der Nord ­ seite des Castells einfriedigen lassen. Bis jetzt sind einzelne Theile der Mauer an dieser Stelle blosgelegt, das Uebrige soll im Laufe des Jahres noch ausgegraben werden. Als Beitrag zu den beträchtlichen Kosten, die hierdurch dem Verein erwachsen sind, hat der regierende Gras zu Solms- Lanbach in überaus liebenswürdiger Weise dem Verein einen namhaften Betrag zur Verfügung gestellt, wofür ihm die Dankbarkeit aller Alterthums- sreunde gesichert ist. Daß das „Nadelöhr" im Süllingswalde der rohen Zerstörnngslust einiger Handwerksbllrschen zum Opfer gefallen ist, haben wir schon in Nr. 10 mitgetheilt und auch berichtet, was über die Ent ­ stehung des Nadelöhrs erzählt wird. Ueber die Bedeutung des Males gehen die Ansichten freilich auseinander. Thatsache ist, daß das Denkmal vom hessischen Landgrafen Moritz im Jahre 1561 er ­ richtet und im Jahre 1757, als es defekt geworden war, reparirt worden ist. Es besteht aus einem etwa anderthalb Meter hohen und ein Meter