sagt der Forstmeister, der ziemlich Lokal- kenntniß hatte, zu meinem Vater: „Nun gehen Sie da hinaus, und ich nehme den Weg nach dort, und wenn es Tag wird, treffen wir beide an dem und dem Orte des Waldes wieder zu ­ sammen". Mein Vater tragt gegen diese Trennung im Interesse seines Vorgesetzten wohlbegründete Bedenken und sagt: „Lassen Sie uns zusammen ­ bleiben." Herr von Schwertzell besteht jedoch auf seiner Anordnung, und jeder geht seines Wegs. Gegen Morgen, als es Tag wird, hat sich mein Vater an der dazu bestimmten Waldstclle eingefunden, aber der Herr Forstmeister ist nicht anwesend, kommt auch nach langem Warten überhaupt nicht. Inzwischen ist es Mittag ge ­ worden, was meinen Vater zu der Vermuthung kommen läßt, daß Herr von Schwertzell bereits nach Wellerode zurückgegangen sei. Mein Vater geht nun auch nach Hause, erfährt aber beim Eintreten in den Hofraum zu seinem Schrecken von meiner im Hausflur stehenden Mutter, daß der Forstmeister leider noch nicht da sei. Daß dem Herrn vielleicht ein Unfall widerfahren sein möchte, ist die nächste Sorge. Mein Vater geht daher sofort zu dem Ortsvorstand, zu jener Zeit „Grebe" genannt, theilt diesem den Vorfall mit und veranlaßt mittels der Kirchthurmglocke eine Zusammenkunft der Gemeinde an der hierzu in öffentlichen Angelegenheiten des Orts be ­ stimmten Stelle unter der sogen. Linde, gegen ­ über dem Forsthof, an dem durch das Dorf fließenden Bach, die „Fahrenbach" genannt. Die Gemeinde folgt dem Rufe der Glocke, mein Vater theilt wiederholt auch den ver ­ sammelten Einwohnern den. Vorfall mit und bittet, ihm sich anzuschließen, um den Herrn Forstmeister aufzusuchen, dem vielleicht ein Unfall widerfahren sei. Man rückt aus in der Richtung nach dem „Schorn", „Stellberg" u. s. w., und, nicht mehr fern vom Wald, erblickt mein Vater 171 — seinen Vorgesetzten, langsam sich fortbewegend nach Wellerode hin, weshalb er nunmehr die Leute veranlaßt, wieder nach Hause zu gehen. Als mein Vater dem Herrn von Schwertzell näher kommt, überfällt ihn ein panischer Schreck wegen des zusammengefallenen und wahrhaft geisterhaften Aussehens des Forstmeisters. Dieser reicht meinem Vater die Hand. Letzterer bittet um Auskunft über das, was etwa vorgefallen sei, aber Herr von Schwertzell schweigt, und so gehen beide stumm in das Dorf zurück. In den Hausflur des Forsthofes eingetreten nimmt Herr von Schwertzell, den meine Mutter am Eingang begrüßte, die Hand nreines Vaters mit den Worten: „Kommen Sie mit hinauf auf mein Zimmer." Ueber das, was nun hier besprochen wurde, hat mein Vater niemals etwas mit ­ getheilt und alles ihm bekannt Gegebene mit in das Grab genommen, obgleich meine Mutter mehr als einmal im Leben um Auskunft über diesen Fall gebeten hat. Nur das Eine erzählte er: Herr von Schwertzell hat zum Schluß seiner llnterredung gesagt: „Bleiben Sie des Nachts aus dem Wald, um Ihr Leben der Familie zu erhalten!" Nach diesem Vorfall ist Herr von Schwertzell niemals wieder nach Welle rode ge ­ kommen. Leider ist in dem tollen Jahr 1848, da viele Beamte im Allgemeinen nicht den Muth be ­ saßen, dem ungesetzlichen Thun und Treiben der Wilddiebe fest entgegenzutreten, das Hochwild des Reviers Wellerode gänzlich ausgerottet worden, und es hat bis heute noch nicht gelingen können, diese Zierde des Waldes wieder aufkommen zu lassen. Noch jetzt versetze ich mich in die Jahre 1833 und 1834 mit Vergnügen zurück, wo aus dein Felde am sogen. Eisberg ganze Rudel von Rothwild, ein starker Edelhirsch voran, durch die Hunde des Feldhüters zur Flucht in das Dickicht des Waldes zurückgetrieben wurden. '0 c ~[3£r > c ' Ium in. hessischen Bundessängerfest zu Hersfeld. Die alte Lullusstadt steht festlich geschmückt, um die lieben Gäste zu begrüßen, die sie erwartet. Die einzelnen Ausschüsse des Sängersestes sind seit Wochen in voller Thätigkeit: da gilt es, ganz abgesehen von den eigentlich musikalischen Vor ­ bereitungen, Konzerthalle und Wirthschaftenden, die gleichsam über Nacht aus dem Boden gewachsen sind, auszuschmücken, da heißt es vor Allem, die fremden Sänger unterzubringen, kurz, es hat Alles zu geschehen, was für einen gedeihlichen Verlaus des Festes nothwendig ist. Das F e st- p r o g r a m m lautet: Sonnabend, den 30. Juni, von 3 Uhr Nachmittags ab: Empfang der von auswärts eintreffenden Festtheilnehmer. Abends von 7 Uhr ab: Konzert der Stadtkapelle, Festkommers und Gesangsvorträge im Vereinsgarten.