- 166 Philipp der Großmüthige. Landgraf von Hessen 1504 -1567. Von H. Metz. (Fortsetzung.) f äleich bei Beginn des Bauernkrieges (1525) Vjl sandte Landgraf Philipp dem schwäbischen j Bande mehrere hundert Reiter gegen die Allfrührer zu Hilfe, durch welche eine Vereinigung der Bauern an der Donau verhindert wurde. Später selbst in Bedrängnis; durch den Aufruhr gerathen, verlangte Philipp seine Hilfstruppen vom schwäbischen Bunde zurück, erhielt dieselben aber nicht; sie wurden vielmehr in mehreren Gefechten verwendet. Als Philipp im Begriffe stand, seinem von den Aufrührern hart be- dräitgten Bundesgenossen, dem Kurfürsten von der Pfalz, zu Hilfe zu eilen, erhielt er die Nach ­ richt, daß sein eigenes Land durch größere Bauern ­ ansammlungen bedroht sei. Fünftausend Bauern standen bei Aura zwischen Kissingen und Hammel ­ burg; siebentausend bei Bildhausen; achttausend in der Grafschaft Henneberg. Diese hatten sich der Städte Meiningen, Salzungen, Schmalkalden und Wasungen bemächtigt, zehntausend standen im Stifte Fulda. Diese letzteren Bauern zogen die meisten buchonischen Ritter und Städte in ihren Bund. Vach und Heringen wurden ein ­ genommen, Schloß Friedewald belagert. Unter Otto Hund, Johann Riedesel und Heinze von Lüdcr sandte Landgraf Philipp eine Gesandt ­ schaft in die Stadt Fulda. Dieser ward der Bescheid, „der Koadjutor habe den weltlichen Stand angenommen; wenn der Landgraf, der christlichen brüderlichen Versammlung der Land ­ schaft in den Buchen beitrete, wollten sie Frieden mit ihm halten". Auch Hersfeld war zu den Aufständischen übergegangen. Der Abt Crato hatte zwar den Johannisberg, Petersberg und das Schloß zu den Eichen befestigt, mußte aber dessen ungeachtet, der Uebermacht unterliegend, die zwölf Artikel der Bauernschaft unterzeichnen mit dem Vorbehalt „einer anderen christlichen Ordnung, welche etwa sein gnädiger Verspruchs- Herr würde ausgehen lassen". Von Hersfeld aus forderten die Aufrührer die Städte Rotenburg, Melsungen, Spangenberg, Sontra, Alsfeld, Ziegen ­ hain, Treysa, Neukirchen, Homberg, Witzenhausen und Kassel zum Beitritt auf. Nachdem sich der Landgraf der Treue seiner Ritter und der Städte bei Alsfeld versichert hatte, zog er den Aufrührern entgegen, die das ganze Stift Hersfeld einge ­ nommen hatten und verheerend bis vor Roten ­ burg und Spaugenberg gedrungen waren. Einem Abgesandten der Stadt Hersfeld, der sicheres Geleit für vier Rathsherrn begehrte, wurde ab ­ schlägiger Bescheid. Von den buchonischen Auf ­ rührern nun verlassen, öffnete die Stadt dem Landgrafen die Thore, leistete Erbhuldigung und lieferte die Schuldigen aus. In der Osterwoche hatten die Ausrührer vier Stiftskirchen in Hersfeld zerstört und sich unter einem obersten Feldhanpt- mann, einem Rath und engeren Ausschuß kvn- stituirt, den Koadjutor zu einem Fürsten der Buchen ernannt. Mit zwei Hecrhaufen, deren einen Konrad Hesse, Schultheiß von Marburg, führte, deren anderen der Landgraf selbst be ­ fehligte, zog letzterer den Bauern zuerst nach Hünfeld entgegen und erklärte, mit dem als Unterhändler von Seiten der Aufrührer ab ­ gesandten Koadjutor sich verständigen zu wollen, wenn er seine Unterthanen zum Gehorsam bringe. Als aber auf der Reise Beider nach Fulda Philipp das Lager der Bauern auf dem Francn- berg sah, wurden die Unterhandlungen abgebrochen. Fulda öffnete nach kurzer Belagerung durch den Landgrafen die Thore; 1500 Aufrührer wurden im Schloßgarten während drei Tagen durch Hunger und Durst gestraft, dann in ihre Heimath entlassen, der schuldige oberste Feldhauptmann, ein Prediger und zwei Rädelsführer wurden enthauptet; der Koadjutor wieder in seine Würde und sein Land eingesetzt, ihm die von den Bauern abgenommene Beute des Stiftes, mit Ausnahme des Geschützes, vom Landgrafen zurück-