149 » Der dritte Historiker-Tag sollte laut dem Beschluß der vorjährigen Leipziger Versammlung in Marburg stattfinden. Doch hat man von dort, wie verschiedene Blätter berichten, gebeten, von dem Plane abzusehen. Die Beilage Nr. 140 der Münchener „Allgemeinen Zeitung" enthält einen von kundiger Hand ge ­ schriebenen Aussatz über unsern landsmännischen Dichter Richard Jordan, der im fernen Westen lebend vor Kurzem die prächtigen „Lieder vom Stillen Ocean" aus deutschem Boden hat erscheinen lassen. Wir wollen auch bei dieser Gelegenheit nicht versäumen aus das kleine, schön ausgestattete Buch, das Jedem, der am Schönen Freude hat, Genuß bereiten wird, ausmerksam zu machen. Die „Lieder vom Stillen Ocean" sind bei Otto Hendel in Halle erschienen. Am 21. Mai starb in Kassel im Alter von nur 44 Jahren nach längerem Leiden Herr Dr. med. Emil Ioost, ein vielgesuchter uud tüchtiger Arzt, ein liebenswürdiger, humaner Mann, dessen Heimgang in weiten Kreisen Kassels lebhafter Theilnahme begegnet. Der nun Verewigte hatte einen an der Influenza erkrankten Patienten in Behandlung, bei welchem später die Lunge in Mitleidenschaft gezogen war. Hierbei hatte er sich inficirt. Seit einem Vierteljahr kränkelte nun Br. Joost und besuchte, um Heilung zu finden, 11 Wochen lang das Bad Falkenstein, kehrte aber betrübt, seine Hoffnung nicht erfüllt 31t sehen, von dort nach Kassel zurück. Er hatte indeß keine Ruhe und ließ es sich nicht nehmen, bis 31t den letzten Tagen seines Lebens seinem Beruf pflicht ­ getreu obzuliegen. Von der Beliebtheit, deren sich der Hingeschiedene erfreute, legte die zahlreiche Betheiligung an seiner Beerdigung Zeugniß ab. Dr. Joost, der schon mit 16 Jahren das Abiturientenexamen abgeleistet hatte, studirte in Marburg, wo er dem Korps Hasso-Nassovia an ­ gehörte. Die in New-Iork erscheinenden „Hessischen Blätter" (Herausgeber und Eigenthümer: Boelcker Brothers) erfüllen mit Geschick die schöne Aufgabe, unsere Landsleute im fernen Westen geistig untereinander und mit der Heimath zusammenzuhalten. Wir entnehmen der Nr. 16 (vom 21. April) folgende gewiß manchen unserer Leser interessirenden Personalnotizen. Im St. Joseph, Mo., starb am 8. März der Prediger- Adam Jockel, geboren am 6. Dezember 1834 in Mannheim. Jockel ging, 17 Jahr alt, nach Amerika, verheirathete sich dort mit Elisabeth Löhr und machte den amerikanischen Krieg mit. — Ganz plötzlich verschied in Detroit, Mich., am 13. April Kapitän Chas. Rühl. Er war am 14. November 1829 zu Darmstadt geboren und kam im Jahre 1862 als hessischer Offizier nach New-Iork um den Bürgerkrieg mitzumachen. Nach demselben kehrte er nicht mehr in die alte Heimath zurück, sondern widmete sich dem Geschästsberufe. Ein Sohn von ihm wohnt als Geschäftsmann in New-Iork. — Wilhelm Protz mann, 52 Jahr alt, aus Wittgenborn, Kreis Gelnhausen, starb am 12. März in Brooklyn, N.-I, nach langem schweren Leiden. Ebenfalls jung nach Amerika gekommen, gründete er sich ein Tapeziergeschäst, das durch seine Gediegenheit einen großen Kunden ­ kreis gewann. Verdient machte er sich als Gründer- verschiedener Gesangvereine, sowie des Hessischen Volksfestvereins von Brooklyn. — Es starben ferner: Anton Stephan Alt, 49 Jahre alt, aus Naumburg (Kurhessen) in Brooklyn; Johann Ludwig (72 Jahre) aus Schönstadt, Kr. Marburg, und Carl Dittmar (58 Jahre) aus Bracht, Kreis Marburg, beide in Cincinnati. — In Arlington, Hancock County, Ohio, starb am 25. April im Alter von 92 Jahren Frau Anna Katharina Tracht aus Lautern (Großherzogthum Hessen), eine der ältesten Pionierinnen der dortigen deutschen Kolonie. Im Jahre 1831 schloß sie sich einem Trupp hessischer Auswanderer an, um sich in Amerika niederzulassen. Das Schiff, aus dem sich die Auswanderer befanden, wurde jedoch bei dunkler Nacht durch einen schweren Sturm auf eine Sandbank bei Norfolk, Va., geworfen, und die Schiffbrüchigen waren in höchster Noth, bis sie am Morgen durch Plantagenneger nach dem nahen Strande gebracht wurden. Dieses denkwürdige Ereigniß wird seither im Hessen- Settlement alljährlich durch Gottesdienst am 17. September festlich begangen. Frau Tracht hinterläßt zwei Söhne, zwei Töchter, 17 Enkel und 33 Urenkel. Kunstnachrichten aus Hessen. In H a n a u ist man nicht sehr erfreut über die Verzögerung der Grimm denkmal-An gelegen- heit, die dem betreffenden Künstler, Professor Eberle-München, zur Last fällt, der seine Zu ­ sagen bisher nicht erfüllt hat. Nach 8 5 des Vertrags vom 4. Februar 1891 beträgt die Bau ­ zeit 3 1 jz Jahre. Die Aufstellung des fertigen