145 versicherte, er werde den Spuck entlarven, aber die besten Nasen versagten ihren Dienst. Verzweiflungs ­ voll lag Maienschein über seiner Arbeit, mit dem Taschentuch sich Nase und Mund verstopfend, so daß ihm kaum die allernöthigste Luftzufuhr blieb, als wiederum Dornenblüth mit treuherzigem und theilnahmevollem Gesichte erschien. Er blieb in der Thür stehen und hob sein Geruchsorgan witternd in die Höhe. „Wahrhaftig, heute ist es noch auffallender," bemerkte er. „Es ist doch gut, daß ich nicht mit Dir getauscht habe, denn hier würde ich es kaum aushalten können." „Ich werde noch verrückt," murmelte Maien ­ schein dumpf. „Und was das Aergste ist, der gute Käse ver ­ dirbt," meinte Dornenblüth. Maienschein warf ihm einen giftigen Blick zu: „Hütte ich den Menschen, mit meinen Händen wollt' ich ihn erwürgen." „Du gehst zu weit," warf Dornenblüth ein. „Was würden Deine betagten Eltern sagen, wenn Du zum Mörder würdest um eines Käses willen und anscheinend noch dazu eines Limburgers!" „Was soll ich nur machen!" rief Maienschein nun wieder in heller Verzweiflung. „Meine Arbeit rückt nicht von der Stelle, ich werde nicht fertig, ich bin blamirt, unglücklich." „Wer wird denn gleich den Kopf verlieren," sagte Dornenblüth tröstend. „Komm, wir wollen nochmals den Versuch machen, des Unthiers habhaft zu werden." Obwohl Maienschein im Innern von der Schuld seines Zimmernachbars überzeugt war, fügte er sich dem Vorschlage. Sie gingen prüfend durch das Zimmer und berochen alle Gegenstände. „Hier, rieth Maienschein," auf den Spiegel deutend. „ Gott bewahre!" gab Dornenblüth zurück. „ Ihr Rechtsverdreher habt feine Nasen, aber sie sind nicht naturwissenschaftlich gebildet." Und er setzte seinen Gang durch das Zimmer- fort, erst anscheinend planlos, dann langsam aber in einer bestimmten Richtung vorgehend und zwar auf das Stehpult zu. „Hier muß es sein," sagte er mit großer Sicher ­ heit, als er in dessen Nähe angekommen war. Und er unterzog es einer genauen Inspektion, doch ohne befriedigendes Ergebniß. „Es ist nichts," jammerte Maienschein. „Doch, doch! Es muß. Hat das Pult eine Schublade?" „Ja!" Sie wurde geöffnet und war leer. Jetzt kniete Dornenblüth auf die Erde nieder und steckte den Kopf unter das Pult. „Heureka! Hier ist er! Wußte ich's doch!" „Wo?" fragte Maienschein. „Hier unter dem Pult! Nimm geschwind das Schreibzeug herunter." Mit fieberhafter Eile that Maienschein das Ge ­ heißene, und Dornenblüth erhob sich, indem er zu ­ gleich das Pult in die Höhe nahm und auf den Kopf stellte. „Da ist er!" rief er triumphirend, und zeigte dem Freunde das oorpus delicti, einen etwa halb- pfündigen Limburger Käse, der kunstgerecht dort festgenagelt war. „Welche Verschwendung! die Hälfte hätte es auch gethan!" fügte Dornenblüth hinzu. Maienschein warf einen langen, vielsagenden Blick auf den Freund, aber Dornenblüth verlor seinen unerschütterlichen Ernst nicht, und der schwer ­ geprüfte Zimmerbewohner war schließlich froh, daß die Pesthöhle entdeckt war. Er schwieg. „Siehst Du, das hast Du mir zu verdanken," meinte Dornenblüth bedeutungsvoll. „Nun lüfte aber das Lokal, sonst mußt Du noch Gewerbesteuer für Käshandel bezahlen!" Und er ging von dannen. In der Nacht aber ward Maienschein durch den Zuruf des Freundes geweckt. „Was ist denn?" fragte er. „Meinst Du nicht auch, der Mensch, der Dir den Käse angesetzt hat, versteht sich besser auf's Kasperstellen, als der Stümper, der bei mir sich dann und wann einstellt?" „Hol' ihn der Teufel!" knurrte Maienschein und drehte sich im Bette herum. Jbr Icug drs Todks. Zum Hades geht's, in's Schattenreich! Ich rief — sie folgten allsogleich. Ich bin der Herr der ew'gen Nacht — Die größte Gottesgnaden macht. Und mein gewaltig Schattenheer Ist größer als der Saud am Meer. Sie flohen aus dein Hochzeitssaal Und standen auf vom Festesmahl, Sie ließen Pflicht und Spiel und Tanz — Die Dornenkron' — den Mhrthenkranz. Sie kamen in der Unschuld Schein Und sündenvoll aus Krankheitspein. Mit Lächeln kam der Eine her, Der And're müd' und sorgenschwer.