128 festung gegen Preußen zu. Ohngeachtet unser Paß durchaus unrichtig war, so kamen wir dennoch — mirabile dictu — glücklich wieder zur Stadt hinaus. Von da gings in's Preußische über Trenenbrietzen, Zehlendorf, Potsdam nach Berlin. In Berlin mußten wir beinahe vier Wochen bleiben; Theils weil sich hier täglich neue Flüchtlinge einfanden und wir alles gemeinschaftlich unter ­ nehmen wollten, Theils weil wir erst aus die Rückkunft des nach Schill gesandten Abgeordneten warteten, Theils auch, weil man beinahe für gewiß glaubte, Preußen werde mit Oesterreich gegen Frankreich sich verbünden. Indessen er ­ folgte Schill' s Niederlage, Preußen blieb ruhig, und wir selbst mußten auf eine baldige Retirade ans Berlin bedacht sein, da es leicht möglich war, daß die Spione des französischen und westphälischen Gesandten unsern Aufenthalt einmal auskund ­ schaften möchten und alsdann Preußen uns ans jeden Fall ausgeliefert haben würde. Ich und ein preußischer Major erhielten vom österreichischen Gesandten Pässe als österreichische Kuriere und Geld, desgleichen auch Depeschen an den Erzherzog Karl, den Staatsminister Graf Stadion und andere hohe Personen. Damit versehen, reisten wir beide von Berlin bei Tag und Nacht als Kuriere durch Preußen, Schlesien, Mähren und Oesterreich nach Wolkendorf, wo damals Franz II. sein Hoflager hatte, und nach Wagram, wo das österreichische Hauptquartier war. Wir wurden gut empfangen, erhielten selbst zur Reise nach Wagrain eine kaiserliche Equipage und lebten übrigens gut, da es uns an Geld nicht fehlte. Damals stand das Freikorps des Herzogs von Braunschweig mit den Oesterreichern in Dresden, und da ich wie alle meine Kameraden gesonnen war, mich bei diesem engagiren zu lassen, so reiste ich mit dem Obersten v. D(örnberg), den ich in Wagram traf, über Prag nach Dresden zu. In Prag traf ich den damaligen Rittmeister, nunmehrigen Major v. B(aumbach), ich sah das neu geworbene kurhessische Freikorps, welches aus Husaren, Dragonern, Grenadieren, Garden, Jägern, Füsilieren und Artillerie bestand und ließ mich engagiren. Wie ich zu dem Ende zum Kurfürsten ging und meinen Namen nannte, er ­ innerte er sich augenblicklich meines Vaters und fragte gleich, ob ich dessen Sohn sei. Er wollte mich nur zum Unterleutnant bei den Jägern machen, indessen ich wollte bei die Husaren, und da ich auf seine Frage, ob ich Pferde und Geld zur Equipage hätte, nein antwortete, so mußte ich vor der Hand Junker werden; denn mir oder einem meiner Kameraden, die doch alles auf ­ geopfert und verloren hatten, Geld vorzuschießen, dazu ist er viel zu geizig. *) Ohngeachtet nun bei seinem Korps viele Verbesserungen angebracht waren, indem z. B. die Infanterie statt der ehe ­ maligen Hüte französische Tschakos und graue Chenillen, * 2 ) auch die Dragoner österreichische Helme und österreichischen Schnitt tragen, so ist der Kurfürst doch immer noch der alte erbärmliche Hecht; unter anderm mußten seine Soldaten, so lange sie wenigstens in Prag auf der Parade waren, die alten infamen Zöpfe tragen. Acht Tage nach meinem Engagement marschirten wir aus Prag in das Feld, ein Theil des Korps stand schon im Felde und damals in Dresden. Gott weiß es, welche sonderbaren Gefühle meine Brust durchglühten, wie wir unter fliegenden Fahnen und klingendem Spiele aus der Stadt marschirten. Wenn ich so ein Jahr nur zurück ­ dachte, wo ich noch Advokat und nun ein Husar aus mir geworden war!. Dazu kam bei den großen Fortschritten, welche die Oesterreicher, Braunschweiger und Hessen in Sachsen gemacht hatten, der beseligende Gedanke, in wenigen Wochen ziehen wir so siegreich in Kassel zum Frankfurter- Thor ein! Ich mag und darf an alle diese zer- trümmerten Hoffnungen gar nicht zurückdenken. Es ist in der That schrecklich niederschlagend! Wenige Wochen hernach wurde ich dann Cornet oder, wie es nach der österreichischen Ordonnanz heißt, Unterleutnant. Wir marschirten in's Bay- reutische, machten einen Theil des 11. Armee ­ korps aus und standen unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls K(ienmayer). Bei der bah- reutischen Stadt Berneck stand der Feind, aus Franzosen und Bayern unter dem Kommando des Marschalls Ihn not) bestehend. 3 ) Es war ­ ben 9. Juni 1809, als wir mit ihnen die Affaire hatten. Ohngeachtet das Terrain, das aus lauter steilen Bergen, Wäldern und Felsen bestand, für den Feind sehr günstig war, so wurde er doch geschlagen. Unsere Husaren standen stundenlang unter dem feindlichen Kartütschenhagel, aber zum Glück flogen die Kugeln über die Köpfe weg und wir verloren nur ein Pferd. Zum Einhauen kamen wir nicht. Gegen Nachmittag war die Stadt Bcrneck von unseren Leuten ein ­ genommen, und nun hieß es abermals: Kavallerie vor, um den fliehenden Feind zu verfolgen. Hinter Berneck gegen Abend setzte sich der Feind noch y Seine Offiziers-Uniform erhielt Dithmar vom Kur ­ fürsten aber doch vorschußweise; denn er schreibt weiter, daß er dem Kurfürsten darauf noch Geld schuldig sei. *) Mäntel. 3 ) Hier begeht Dithma r zwei Irrthümer, da die Bayern nie unter Junot gestanden haben und dieser nie Marschall gewesen ist.