115 doch besänftigte er sich, da ihm die Abgesandten gefielen, und lud sie sogar an seine schwelgerische Tafel, wo er dann die Liebenswürdigkeit selbst war. Diese Gesandschaft rettete die Stadt Homberg. 1827 wurde Dithmar in den Stadtrath, 1829 zum Bürgermeister gewählt. 1830 nahm er als Bürgermeister von Homberg am konstituirenden Landtage Theil. Von 1832—1848 bekleidete er das Amt eines Vizebürgermeisters, in welcher Eigenschaft er es erlebte, daß eine Rotte Hand ­ werker in die Stadtrathsitzung eindrang unb alle Rathsglieder aus dem Fenster zu werfen drohte, falls diese nicht ihre Einwilligung zur Reparatur der Kirche geben würden. Die Last des Bürger ­ meisteramts lag meist auf seinen Schultern, da der regierende Bürgermeister, ein Schuhmacher, regelmäßig verhindert war oder Erleichterung in seinem Amte beanspruchte. Seiner lebhaften Mit ­ wirkung ist die Verlegung des Schullehrer-Seminars nach Homberg zu verdanken. Im Frühjahr 1848 mußte der gesammte vorhandene Stadtrath ab ­ danken, die an die Stelle der Abgesetzten gewählten Männer traten aber 1850 gern wieder zurück. Dithmar nahm sich den Umschwung der Dinge so zu Herzen, daß er erkrankte und nach längerem Leiden am 1. August 1850 starb. Er war ver ­ heiratet mit Lisette, geborene Rössel, Tochter des Raths Rössel zu Elberburg mrd hatte neun Kinder (50-58). 50. Elise Dithmar wurde zu Homberg am 1. Februar 1808 geboren und starb daselbst un ­ verehelicht am 1. Mai 1882. 51. Georg Theodor Dithmar wurde zu Homberg in Niederhessen am 10. Dezember 1810 geboren, lernte Lateinisch und ein wenig Griechisch bei Rektor W. Coester in der Vaterstadt, besuchte das Gymnasium zu Hersfeld von 1825—1828. Seine um ihn hochverdienten Lehrer daselbst waren Münscher, Piderit und Vilmar. Bei der Militüraushebung in Homberg (Mürz 1828) wurde er für tauglich zur Garde befunden, doch durch die Bemühung des Kreisraths Cranz frei ge ­ geben. Von Michaelis 1828 bis Pfingsten 1832 studirte er in Marburg vorzugsweise Theologie. Professor H. Hup selb war ihm der liebste von seinen damaligen Lehrern, unter dessen Dekanat er am 6. Juni 1832 das Kandidatenexamen mit Lob bestand. Vom Juni 1832 lebte er, sich aus ­ ruhend, in Homberg. Als Student hatte er als Subsenior des Korps Teutonia sich in zehn Men ­ suren den Ruf eines „gefürchteten" Schlägers erworben. Von April bis Oktober 1833 war er Lehrer der v. Blumenstein'schen Söhne in Rotenburg a. Fulda. Da Rektor W. Coester als Pfarrer von Homberg nach Obervorschütz abging, wurde ihm, der noch nicht ganz 23 Jahre alt war, die Ver- sehung der Rektorstelle in Homberg übertragen. Da man ihn für die Stelle tüchtig befunden, die er am 14. Oktober angetreten hatte, bekam er dieselbe definitiv am 25. Juli 1834. Im Sommer 1835 machte er eine Reise über Gotha, Erfurt, Halle, Wittenberg nach Berlin. Er besuchte viele Schulen und Kirchen und machte interessante Bekanntschaften. Im November 1836 ward er an das Gymnasium in Fulda als beauftragter Lehrer gesandt, wo er im Ganzen in angenehmen Verhältnissen lebte. Doch als der ihm ertheilte Auftrag höheren Ortes zurückgezogen war, kam er auf Vilmar's Veranlassung an das Gymnasium zu Marburg, wo ihn Vilmar auch zum Gymnasial ­ bibliothekar machte und ihn mit ununterbrochenem Vertraue!! beglückte. Er übertrug ihm noch vor seinem Scheiden den Unterricht des Deutschen in Prima. Münscher, dessen Nachfolger, übertrug ihm auch den Unterricht im Hebräischen und die Lektion der griechischen Dichter in Prima. Außerdem leitete er mit Pfarrer L. Schmitt hier eine Privattöchterschule. Sein Gesundheitszustand war längere Zeit nicht der beste. Doch es hieß gearbeitet! Vilmar's Nachfolger, Direktor Fr. Münscher schenkte ihm ebenfalls sein ganzes Vertrauen. Auf dessen Wunsch fing er au Gedichte zu machen und lieferte solche zu den Festen aller hessischen Gymnasien: Hanau 1865, Rinteln 1867, Hersfeld 1870. Kassel 1879, Fulda 1885. Dieselben wurden mit Ausnahme des Kassel'schen gedruckt und zu gutem Zweck verwendet. Dr. Piderit gab das Hanau'sche mit Anmerkungen heraus, das für Hersfeld elegant gedruckte half durch den Erlös zur Gründung einer neuen Freitischstelle. Für das Marburger Gymnasium schrieb er dreimal die wissenschaftliche Abhandlung zum Oster ­ programm, 1848 über altdeutschen Katechismus- Unterricht, 1861 zur Geschichte der deutschen Grammatik, welcher Jakob Grimm seine An ­ erkennung nicht versagte, und 1867 über H. W. Kirchhof; auch verfaßte er alle im Namen des Lehrerkollegiums ergehenden Jubiläumsgedichte, so z. B. 1870 nach Hersseld. An selbstständigen Werken ließ er folgende erscheinen: Deutsches Historienbuch 1851, zweite Auflage 1860, und Marburg's Vorzeit 1872. Vilmar's Litteratur ­ geschichte und deutsche Grammatik gab er wiederholt neu heraus, desgleichen Johann Paul's Schimpf und Ernst 1856. Zahllose Gelegenheitsgedichte von ihm erschienen im Hessenland, in den hessischen Blättern, dem Melsuuger Kalender, der ober ­ hessischen Zeitung und in anderen Blättern. Er trat im Herbst 1875 nach öffentlicher