106 Orten vertheilte Nahrungskvmmerz dadurch gewinnt oder verliert, auch welches von beiden in Rücksicht auf Familien stattfinde, will ich nicht entscheiden. Manchen Klubs Oekonomie ist gut. Die Be ­ satzung in Kassel, besonders der Offizier, verdirbt Kassels Sittlichkeit nicht, sehr viele wissen sich nützlich und angenehm zu beschästigeu. Der gemeine Soldat ist dienstwillig für jeden Ein ­ wohner. Oeffentliche Religionsspötterei ist bei dem guten Exempel, das der Hof im äußeren Gottesdienste giebt, in Kassel nicht zu Hause. Einige vortreffliche Kanzelredner haben seit Jahr und Tag das außer den Gang gebracht, was man Gleichgiltigkeit in der Religion nennt. Liebhaberei am Lesen besteht in allen Ständen und bei beiden Geschlechtern, wie dies mehrere Lesegesellschaften beweisen. Vielleicht ist man in Kassel weniger empfindsam und süß und tändelnd, als in seiner Nachbarschaft. Man liest viel Französisch, doch immer mehr Deutsch. Die jungen Frauenzimmer lesen nur zwischendurch deutsche Romane. Sie lieben Moden und öffent ­ liche Spaziergänge, wie überall in ähnlichen Städten. Die beträchtliche Anzahl musikalischer Liebhaber in Kassel hat bis jetzt ein öffentliches und schönes Konzert für sich und auch für den besuchenden Fremden unterhalten. In Hessen, selbst in ganzen Dörfern herrscht viel Talent für Musik. Liebhaberei für Zeichnen ist allgemein und bildet die Jugend sehr; daher mag es auch kommen, daß man es sich angelegen sein läßt, eine schöne Hand zu schreiben. Daß der Kasselaner gern in seinen Lustgefilden von mannigfaltiger Schönheit sich zu Pferde, im Wagen und zu Fuße bewegt, ist begreiflich. Geschichte der Familie Dithmar. Ein Beitrag zur hessischen Familiengeschichte von Otto Gerland. ^Mll elche Bedeutung die Familiengeschichte, auch tf J die der bürgerlichen Familien erlangt hat, be ­ st darf hier nicht der Auseinandersetzung. Giebt es doch mehrere Werke, welche sich nur mit darauf bezüglichen Veröffentlichungen beschäftigen. Ueber die Geschichte hessischerFamilien ist bislang wenig veröffentlicht; ich selbst habe in diesen Blättern (Hessenland 1893, Nr. 13—15) die Geschichte der Familie Ko pp zum Abdruck gebracht und gebe im Folgenden die der weit verzweigten Familie Dithmar, soweit diese bereits als zur Geschichte gehörig angesehen werden kann, d. h. bis ans drei Generationen nach der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts eingetretenen Theilung der Familie in zwei Linien. Möchten doch auch bald für andere Familien die Verfasser von Familiengeschichten sich finden! A. Quellen. Die Akten des Königlichen Staatsarchivs zu Marburg betr. der Beamtenstelle zu Wolshagen 1781. Die Kirchenbücher von Rotenburg a. F., Homberg in Niederhessen, Wolfhagen und Frankfurt an der Oder. Die in den Händen des Verfassers dieses Aufsatzes befindlichen Familienpapiere. Dankenswerthe Mittheilungen des Herrn Ober ­ lehrers a. D. Pfarrer G. Th. Dithmar zu Marburg. Strieder: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten-Geschichte, Bd. VII. S. 356 ff. Kleinschmidt: Geschichte des Königreichs West ­ falen, Gotha 1893. Ledderhose: Kleine Schriften, Bd. I. S. 113. Hessen-Kassel'sche Staats- und Adreß-Kalender, Stamm- und Rangliste des kurhessischen Truppen ­ korps von 1809. Man. Hass. der ständischen Landesbibliothek zu Kassel, 4" 181. B. Allgemeines über die Familie. Die Familie gehört dem hessischen Bürgerstand an, ein Wappen hat sie nie geführt. Urkundlich nachweisbar ist sie erst zur Zeit des dreißigjährigen Krieges in Rotenburg a. F., von da hat sie sich Anfangs des 18. Jahrhunderts über Hessen und über Hessen hinaus ausgebreitet. Sie selbst schreibt den Namen immer Dithmar, in den von dritter Hand herrührenden Urkunden wird der Name häufig auch Dittmar, Dietmar u. s. w. geschrieben, und es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß Familien mit dem in dieser Weist geschriebenen Namen niit der hier besprochenen Familie zusammen ­ hängen, da die Nachkommenschaft einzelner Familien ­ glieder unbekannt ist.