97 Ariihling. Die Drossel singt; der Frühling kehret wieder. — Ach zog' er auch in meinem Herzen ein! Du schone Zeit, du Ebenbild der Jugend, Willst du durch deinen Zauber mich erfreun? Des Thaues Fall, der auf den Blumenblättchen Gleich Diamanten glänzt im schönsten Licht, Das sind die Thränen, die ich um dich weinte, Ach schöne Jugend, ich vergcss' dich nicht! Du, Frühling, mahnest mich an jene Zeiten, Begrüßest mich mit freundlich liebem Blick, Doch ich bin still, denn meiner Jugend Trünine, Sie bringt mir keine Ewigkeit zurück! Von der Erinn'rung muß allein ich zehren, Die Bilder zich'n vor meinem Geist dahin; Nach ihnen möcht ich Haschen, sie umkreisen, Doch seh' ich ein, daß ich zu machtlos bin. So mag der Lenz denn neuen Trost mir geben Und mich erfreu'n durch seine Himmelslust, Auch meinem Leben neue Hoffnung bieten, Und heil'ger Frieden zieh' in meine Brust! Hark Wever. Vr Nhsterhoas. *) Gedicht in Wetterauer Mundart von Kriedrich von Hrais. „Häi, Mordschwernuuth 2 ), woas eaß dann doas? „Ihr Keann, ihr Keann, dr Uhsterhoas! — „Schwinn 3 ), hoabbt ernt 4 ), hoabbt ernt!" Dorch die Hecke Eaß hen edorch eann imm die Ecke. Bei deam giht's flichtig, der eaß hoi 5 ), Der legkt sein Ajcr eann dr Froi 3 ). „Doas wehr 7 ) merr doach e Konststeck 3 ) doas — „So väile Ajer vo ahm 2 ) Hoas? — „Der hott sein Helf 10 )." — Ohm Breckilche “) Setzt's Hinkilche eanns Geckilche; Däi leje duschuhr deatt 12 ) eann's Ha 13 ) Eann scheele 14 ) eann die Wearrera. Dr Hoas eaß bluus dr Knächt devohn, Woas horr hen Spring eann Lääf 1B ) gedohn! Jhrscht eann die Foarb; die Nonwe "h koacht Die Ajer schwoarzblo, woas e Proacht! Ach goldgähl, ruuth eann blitzeblo — Bo alle Sorte sein se do. — Ds Esilche off Chreastdoah 47 ) brengt Bäil Gonts. Dr Uhsterhoas verschenkt Die Ajer dozzeltweis de Keann "), Däi müsse suche beaß 19 ) se feann 2 °), Leir e gesprenkiltes eamm Groas, Hääßt's „gukkt emohl denn gonrc Hoas!" Ds Johr, ds mut 21 ), brengt imm däi Zeit Bäil Schihnes, Fraad eann Herrlichkeit; Doach all doas Groin 22 ) eann all düi Blomme Wehrn 23 ) »ant, wehr nüit ds Hüsi komme. Woas wärt novch all' deam Krohin gefrcgkt/ Wann nüit dr Hoas die Ajer legkt? Ahn Johr treibt's anner, — wuhlgedohn 24 ), Btet siwwezig Johr giht's Ahler ohn! Denkt so e Ahles ohn däi Zeit, Düi langt verrbei eamm Troiwe 22 ) leit 23 ), Off ahmol scheint die Sonn. „Ei woas? „Ach, läiwer Gvitt, dr Uhsllrhoas!" *) Osterhase. 2 J Mordschwernoth. 3 ) geschwinde. 4 ) haltet ihn. 5 * ) hurtig. *) Frühe. ’) wäre. 8 * ) Kunst ­ stück. 8 ) einem. 10 ) Hülfe. ”) Brückchen. ia ) dort. "> Hen. "»schicken. "»Läufe, "»der Rabe. "»Christ ­ tage. "» den Kindern. "» bis. ao ) sie finden. 21 » neue: aa ) Grün. 23 ) wären. '"» wohlgethan. 2 °» Trüben, liegt. Aunsch. Hoch auf den Alpenmatten, Da möcht' ich wieder steh'n Und auf die blauen Schatten Jn's Thal hinunter seh'n. Wo hohe Fichten winken Nah' bei dem Felsenschlund, Da möcht' ich wieder trinken Mir Geist und Herz gesund. Wo Alpenrosen klettern Empor und einsam blühn, Wollt ich dem Sturm, den Wettern Dann trotzen stolz und kühn. Hoch über Thal und Hügel, Im lichten Gotteshaus, Spannt' ich der Seele Flügel In stiller Andacht aus. #. Mendel.