75 Kraft, guter Rath und rechte Starke kommen, sei Du auch unter uns und verlasse uns nicht. Zeug mit uns und beschirme besonders unseren kommandirenden General, segne seine Entwürfe und Unternehmungen. Nimm auch in Deinen Schutz unsere ganze Generalität, Stabs- und andere Offiziere, Gemeine und was zu diesem Regiment gehört. Herr, gedenke stets unser nach Deiner großen Barmherzigkeit, hilf, daß wir uns nie auf unsre eigene Macht, sondern auf Deinen allmächtigen Arm ver ­ lassen. Begleite uns ferner auf allen unseren Wegen und weiche mit Deiner gnädigen Obhut nicht von uns. Behüte uns, reiner Gott, durch Deinen heiligen Geist vor Sünden, mit welchen wir Dich erzürnen und unseren Nächsten betrüben. Erhalte uns bei guten Lebens- und Seelen-Kräften, daß wir in unserem Berufe Dir getrost dienen können. Heile die Kranken und Schwachen; die Du aus der Welt fordern wirst, denen stehe mit Deinem Geist bis an ihren letzten Lebenszug bei, erhalte sie mit Trost von Vergebung der Sünden, damit sie nicht verzweifeln. Die aber in Deinem Dienste bleiben, die führe nach Deinem Rath und nimm uns alle endlich ;u Ehren an. Erhöre unser Gebet um unseres Heilandes Jesu Christi willen. Amen. Unser Vater u. s. w." Nach dieser Abschweifung lassen wir Kümmell weiter erzählen: „Nach geschehener Musterung, die sehr speziell war, und abgelegter Huldigung marschirten gedachte Regimenter mit klingendem Spiel an das Wasser und wurden auf Nachen zu den Schiffen gebracht, die von verschiedener Größe waren, theils an 900, 700 und 400 Tonnen. Wir beiden Feldprediger und zwei Auditeurs von der zweiten Division hatten Ordre, nicht mit einzuschiffen, sondern uns zum General ­ stabsquartier nach Otterndorf zu verfügen, Ivo schon vor uns die Quartiere bestellt waren. Ich logirte daselbst beim Goldschmied Herrn Meyer, der mich sehr gut bewirthete und mit vielen Viktualien bei unserer Abreise beschenkte. Wir blieben daselbst bis den Donnerstag (6. Juni). Den 5. wurde das Regiment von Wissenbach bei Ritzebüttel embarqnirt. Den 6. kam die Reihe an uns. Wir marschirten mit dem Generalstab an den Hafen, passirten dort mit dem Regiment v. Bünau die Musterung und wurden, nachdem dieses und das Regiment v. W u t g e n a u verpflichtet worden, auf das Schiss ,5 Systersh so 400 Ton ­ nen hält, embarqnirt. Der Kapitän Mell vom Bünan'schen Regiment war Kommandeur vom Schiffe, es befanden sich darauf fünf Offiziers nebst einer Kompagnie. Der Schiffs ­ kapitän war ein geborener Königsberger Namens 1. G. Schulz. Wir lagen bis den 9. vor Anker, da wir des Morgens um 5 Uhr segelten. Die ersten zwei Tage hatten wir ziemlich Wind, der sich aber hernach drehte und uns ganz konträr war, svdaß wir auf den 20. Juni zu Portsmouth ankamen. Den 28., Abends 7 Uhr, segelten wir von da ab, um unsere Reise so schleunig als möglich gerade nach Amerika fortzusetzen, allein der Wind wilrde so konträr, daß wir den 6. (Juli) in den Hafen von Plymouth einlaufen mußten. Den 14. wurden wir von dem unangenehmen Schiff ,5 Systers' debarquirt und von Herrn General Schmidt zu sich auf ,4 gute Freunde', wo beinahe drei Kompagnien vom H u y n e 'scheu Regiment sich befanden, aufgenommen. Den 20. segelten wir ab, hatten aber beständig schlechten Wind, sodaß wir erst am 28. aus den Kanal bei Lands Ende kamen. Den 20. August kamen wir zwischen den Azorischen Inseln durch, St. Michael, Maria, Floris und der große Berg Pico. Den 28. September wurde ein kleines Schiff mit Kaper gefangen genommen und mitgeführt. Den 2. Oktober hatten wir so guten Wind, daß wir in 24 stunden 35 Meilen segeln konnten. Nun hatte" schon unsere Reise ziemlich lange gedauert, unser Verlangen, an Land zu kommen, wurde immer stärker, bis wir endlich den 16. das erste Land, Brock Island*) genannt, er ­ blickten. Den 20. des Morgens warfen wir Anker vor New-Pork; ein ansehnlicher Ort und einer der vornehmsten in Amerika, hat zwar sehr viele bretterne Häuser, jedoch sind die mehresten von Stein, schöne Kirchen, breite Straßen, zwei, deutsche Kirchen, eine reformirte und eine lutherische die aber zu den jetzigen Zeiten wegen der Rebellion sehr ledig stehen. Ein ansehnlicher Theil der Stadt war durch die Rebellen in den Brand gesteckt worden. Die erste Division war schon im August angekommen und hatte die Stadt von den Feinden ledig gemacht. Die mehrsten der hiesigen Einwohner waren rebellisch gesinnt, sehr viele und fast die Hälfte der Häuser standen ledig, nach und nach zogen sie sich wieder in ihre Wohnungen, nachdem ihnen das Betragen der Hessen andere Begriffe von denselben bei ­ gebracht hatte. Man hatte ihnen gesagt, daß der Hessen Kinder fräßen und in allem sehr feindselig wären. Man sah vorher und noch im Oktober in der Stadt keine Kramläden, alles *) Hiermit wird die Insel Block-Island gemeint sein an: Eingang vom Long-Jsland-Sund.