—- j '^ffHWWMWWW MWM-MGM " • — 62 — das gute und schöne Pflaster, welches sie vor mancher selbst größeren deutschen Stadt auszeichnet. „Die Nachtlaternen aus deu Straßen, deren gegen tausend sind, werden unter Direktion der Kriegs- und Domänenkammer gegen die dazu eingeführte Bezahlung eines Hellers vom Pfund Rindfleisch durch die nöthigen Unterbedienten bestritten. Die Verpachtung des Fleischhellers sowie des Laternenbrennens hat gezeigt, daß beide Einrichtungen sehr darunter leiden. Kassel hat seit 172 l Laternen, eckig gestaltet, auf Pfählen. Daß die Laternen in drei Sommermonaten nicht brennen, wenngleich die Nächte dunkel sind, das ist ein Vorwurf, deu sie mit weit größeren Städten sich kann und muß mache» lassen. „Ein neuerrichtetes Oberforstamt unter dem Oberjägermeister, der zugleich geheimer Stnats- minister ist, das bisher in Hanau war, ist nun ­ mehr in Kassel, breitet sich aber über das Land-, Forst- und Jägerwesen aller fürstlich hessischen Lande durch die ihm untergebenen Hofjäger, Oberforst- und Forstmeister ans, deren nach den verschiedenen Forstmeistereien sieben sind. Bei den ersteren sind Forsträthe, auch Forstmeister und Jagdjunker. Damit ist eine jenem auch untergebene Holzkommission verbunden. „Die Münze ist auch in Kassel, unter den deut ­ schen Fürstenmünzen eine der vollständigsten, und hat ein aus dem Vizepräsidenten der Kammer und dem Kriegszahlmeister bestehendes Direktorium. Man münzt hier goldene und silberne und Scheide ­ münze von Kupfer ununterbrochen fort und zwar in deu Gewölben des Renthofes. (Schluß folgt.) •! -8H- Ohm und Onkel. Erzählung von C. von Dincklage-Campe. lFortsetzuug.) VIII. Es gewann in der That den Anschein, als ob Ecke ­ brecht seinen Vorsatz ausführen würde, er war häus ­ licher und bekümmerte sich persönlich um seine Landwirthschast, welcher er bald ein reges Interesse abgewann. Seiner Frau gegenüber schlug er da ­ gegen den möglichst verkehrten Weg zur Besserung ein, indem er ihr die wirthschaftlichen Tugenden seiner Mutter und Schwägerin anpries. „Sieh einmal," sagte er unter Anderem einmal in schroffem To» zu ihr, „wie Deine Mägde meine Wäsche hergerichtet haben. Aber das kommt da ­ von, daß Du Dich garnicht um dergleichen be ­ kümmerst. Zu Haus, in Welsen, leitet Agnese die Mägde selbst in solchen Arbeiten an." Statt aller Antwort streckte Alice ihre zarten rosigen Händchen dem Gatten entgegen. „Do you like more Arbeitsfäuste?" lächelte sie. Er konnte nicht umhin, die rosigen Finger an seine Lippen ,;u ziehen, und nach wie vor ging alles den alten Gang bergab. War des Obersten Stimmung weniger galant und verwies er Alice mit dürren Worten ihre Nachlässigkeit und Verschwendung, dann gab es eine Scene, und die Baronin „boudirte", zu deutsch maulte, bis Eckebrecht klein beigab. Die Münikerodes von Welsen durften sich einen Winterausflug »ach Kassel gestatten. Es war ein längst gehegter Wunsch Tankmar's, sich dort mit seiner Frau malen zu lassen, um diese Bilder der langen Reihe ritterlicher Ahnen anzufügen. Sie kamen, um für die kurze Zeit Abschied von den Geschwistern zu nehmen. „Dir wird alles gewährt, mir alles ab ­ geschlagen," grollte Frau Alice. Agnese hob den kleinen derben Tankmar vom Boden aus, indem sie entgeguete: „O wie gern bliebe ich zu Haus, wenn ich solch' süßes Kind mein Eigen nennen dürfte." Dergleichen Mahnungen fruchteten indessen bei der Lady nicht, Einschränkungen hielt sie für Launen ihres Gatten. Die Verhältnisse spitzten sich mehr und mehr zum Ruine zu, für die noth ­ wendigsten landwirthschaftlichen Verbesserungen fehlte das Geld, und sie unterblieben. Nach Art schwacher Charaktere versagte Eckebrecht zwar Alicens überflüssige Wünsche, um dann aber doch schließ ­ lich ohne Dank doppelt zu geben. — Alle berechtigten und unbegründeten Klagen verstummten plötzlich vor einem großen, un ­ erwarteten Glücksfall. Die Baronin Alice erbte ein Vermögen von einem unbekannten Oheim, gleichviel ob er es als Nnbob in Indien erwarb oder als Peer in irgend einer englischen Graf ­ schaft. Die großen Summen waren nicht illusorisch, sondern wurden ihr in klingender Münze zahlbar angewiesen. Einen Tag lang herrschte ungeheure Freude auf Münikerode, es war wie die Erlösung von einem schweren Banne, der auch die Herzen ge-