61 aus nach Kassel au Unkosten durch fürstliche Unterstützung gleichgemachte Transport der bremer und holländischen Waaren von Karlshafen nach der Hauptstadt erleichtert vieles und ersetzt der Stadt zum Theil den Schaden, den ihr Münden durch sein Stapelrecht thut. Ein ähnlicher Vor ­ theil für Handel und Wandel sind die wöchent ­ lich seit 1765 nach Hersfeld zweimal abgehenden Marktschiffe. „Das Kommerzkollegium arbeitet jetzt an Be ­ förderung eines Speditionshandels in Kassel, welches den Messen helfen könnte. Eine so ­ genannte seit 1724 unter einem sachverständigen Direktor und solchen Mitgliedern bestehende Wege ­ kommission, mit ehren durch das ganze Land ver ­ breiteten Oberwegc- und Brückenbau-Ingenieurs kommt unter dein jetzigen Landgrafen, durch seine mit den Landständen genommenen besten Ver ­ anstaltungen eigentlich erst zu ihrer mit dem besten Erfolg begleiteten Zweckmäßigkeit. Die größere Durchfuhr durch Kassel aus einem Kreise in den anderen, besonders aus dem niedersächfischeu von Lübeck, Hamburg und Braunschweig nach Frankfurt wird täglich sichtbarer." Der Polizei Kassels wird in der Beschreibung mit folgenden Worten gedacht: „Eine aus dem Gouverneur, dem Kommandanten und Mitgliedern der Regierung, der Kammer, anderer Kollegien, der Stadtobrigkeit, dem Stadtrath und sogenannten Kommissarien der Oberneustadt zusammengesetzte Polizeikommission hat jede Ordnung, Sicherheit und Bequemlichkeit zur Absicht, welche Polizei- sache ist und heißt. Sie würde aber vielleicht zu noch größerem Vortheil der Stadt gereichen, wenn sic einige wenige Mitglieder hätte, die mit gehörigen Ansehen sich, ohne andere Geschäfte zu haben, bloß mit eigentlicher Polizei beschäftigen könnten." Auch eiu „Gesundheitskollegium" hatte man zu damaliger Zeit schon in Kassel. Der Verfasser entwirft folgende Schilderung davon. „Ein Collegium medicum und medico-chirurgicmn, das jetzt einen Chirurgum als Generalchirurguni zum Direktor, sechs von den Kassel'schen Aerzten als Mitglieder, auch einen Rechtsgelehrten zum Mitglied und Unterbediente hat, führt die Auf ­ sicht über den Gesundheitszustand der Stadt, und von ihr aus durch die nun im ganzen Lande angestellten Physici über den im Lande. Es prüft alle Aerzte, Wundärzte und Apotheker, welche in Stadt und Land praktiziren wollen, nach der Absicht und dem Beruf eines jeden. Diese Anstalt ist durch die bekannte Hofmann'sche Medizinalordnnng in Deutschland bekannt ge ­ worden. Die Frage, ob ein Findclhaus für eine solche Stadt, auch für Land uud Volk nützlich oder schädlich sei, hat der heutige Landgraf durch die Aushebung des Kasselischen an seinem Theil entschieden. Noch möchte zu Anstalten für den Gesundheitszustand in Kassel die auch ihrem Gebäude nach ansehnliche vor der Unterneustadt liegende Charite, ein großes Krankenhaus für iu- und auch nötigenfalls ausländische Kranke und Verwundete in Stadt und Land, gehören. Denn sie nimmt jeden aus, der solche im Land erreichen kann, weil Stadt und Land etwas zu ihrem Auskommen beitragen. Aufnahme von kranken Ausländern, die im Lande krank werden, gebietet die allgemeine Menschenliebe. Die Anstalt hat den Minister der Fundation, einen Rechts- gelehrten, Aerzte, Wundärzte, den Baudirektor und obrigkeitliche Personen der Stadt zu Direktoren, dabei aber einen eigenen Arzt, Wund ­ arzt und Apotheker. Landgraf Friedrich II. stiftete sie. Ihre Lage außer der Stadt in der freien offenen Gegend des Forstes ist zweckmäßig, nicht zu nahe an der Stadt, auch nicht ganz nahe dem Dorfe. Dieses Gebäude, sowie die ganze Einrichtung verdient gesehen zu werden. Alle übrigen öffentlichen Anstalten Kassels zur Bildung von Aerzten, Wundärzten und Hebammen sind vom jetzigen Landgrafen nach der Universität Marburg verlegt worden." Nach Uebergehung minder wichtiger Angaben sagt die Beschreibung weiter: „Noch verdient von Kassel bemerkt zu werden eine durch wohlhabende Privatpersonen unter fürstlicher Autorität durch Zusammenschießnng eines großen Kapitals auf Aktien entstandene Leihbank oder das sogenannte Lombard, als eine Leih- und Kommerzienbank. Die Interessenten genießen jährliche Zinsen. Jeder ­ mann kann gegen tarirte Unterpfänder und fest ­ gesetzte Zinsen hier kleinere und größere Summen Geldes bekommen. Wenn die festgesetzte Zeit der Bezahlung verflossen ist, werden nach vorheriger Ankündigung, auch immer noch zuni Besten des Eigenthümers, die Unterpfänder an den Meist- bietenden verkauft. Das Heilsame dieser öffent ­ lichen Anstalt rechtfertigt das Verbot, daß Niemand weiter in Kassel ans Unterpfänder etwas entlehnen und ausleihen darf. Im siebenjährigen Kriege unterstützte sie bei ausgeschriebenen feindlichen Kriegsgeldern die Stadt durch ihren Kredit und ist immer in den besten Umständen. „Kassel besitzt eine Stadtpflasterkommission. Dieselbe steht unter sachverständiger und obrig ­ keitlicher Direktion und verschafft der Stadt zum Theil aus herrschaftlicher, zum Theil aus eigener Kasse, die aus dem Beitrag von Eigenthümern der Häuser und aus Stadtzuschüssen gespeist wird,