51 Kirbeslikdep von A. T r a b e r t. I. H komme vald! Ich rufe Pich. Daheim! Daheim! O süßer Laut — Und jetzt so wonneleer, So öd' und einsam, daß mir graut; Wie drückt mich das so schwer! Mein Weib ist todt in's siebte Jahr, Und, was von ihr mir blieb, Mein Kind, das meine Freude war, Hat mir entführt die Lieb'. So ward zum Friedhos mir geweiht Mein einst so heit'res Haus; Nur Schatten der Vergangenheit Geh'n traurig ein und aus. O komme, die mein Herz begehrt Als heißersehnten Gast. O komm' und mache Du mir werth Des Lebens müde Last. Du, die so hold mich angelacht Und jetzt mir weilt so fern, O komm'! Erleuchte mir die Nacht Als meiner Hoffnung Stern. O komme bald! Ich rufe Dich, Du Ende meiner Noth; Komm'! Plaudre, kose, rette mich, Sonst sehn' ich mich zu Tod. II. Lieve sei Pein Levenslauf. Freunde bei den Aktenfächern, Zecher bei den vollen Bechern, Grüß' Euch Gott! Mir schmeckt's nicht mehr. Seit ich, wo sie wohnt, gefunden, Wandr' ich alle Tag und Stunden, Sie nur suchend, hin und her. Braune Aeuglein, hell und munter, Grüßen gar so hold herunter Und ich selber grüß' hinauf. All' mein Denken, all' mein Sinnen Ist ein einzig süßes Minnen, Liebe ward mein Lebenslauf. Wenn Ihr Nachts, vom Weine trunken, Singt und lärmt in den Spelunken, Geht das Pförtlein dort mir auf; Und im Arme meiner Trauten Horch ich nur den süßen Lauten: „Liebe sei Dein Lebenslauf!" Nennt Ihr mich darum den Thoren, Fühl' ich mich wie neugeboren, Fröhlich rufend mein Glückauf! Und in allen meinen Liedern Will ich jubelnd ihr erwidern: Liebe sei Dein Lebeslauf! III. Eifersucht. Wie glitzert's da droben Stern an Stern lind alle küssen mein Liebchen so gern. Sie küssen's mit gold'nen Strahlen Allnächtlich zu tausend Malen. Ihr Sternlein da droben, treibt's nicht zu toll! Sonst zieh' ich de» Vorhang vor im Groll Und küsse statt Eurer Strahlen Sie heimlich zu tausend Malen. Aus alter und neuer Zeit. Das Kadettenhaus zu Kassel. Nach der im Jahr 1806 erfolgten Auflösung der alten Kadettenanstalt, welche sich in dem am Steinweg gelegenen, spater „das Kunsthaus" genannten Hause befand, wurde im Jahr 1809, unter der Leitung des westfälischen Artilleriegenerals Mir, das Gebäude in der unteren Königstraße, jetzt Proviant- magazin, als Deolo d'Artillerie erbaut und im Jahr 1815, neu hergerichtet, zum Kadettenhaus bestimmt. Als solches hat es 51 Jahre hindurch gedient, und findeil diese Auszeichnilngen daher wohl einiges Interesse bei denjenigen, welche selbst oder deren Vorfahren ihre militärische Ausbildung in dieser Anstalt genossen haben. Zum ersten Kommandeur wurde damals Oberst von Cochenhausen ernannt. Verwaltungsoffizier war Hauptmann Ruperti. Unterricht ertheilten: int Planzeichnen: Hauptmann Wiegrebe; in der Mathematik: Hauptmann von Radowitz; in der Geographie: Rath Glaß; in der Geschichte: Hof ­ rath Professor Niemeier; in der deutschen Sprache: Kantor Vogt; in der französischen Sprache: Mr. Hodiesne; im Fechten: Mr. Labassée; im Reiten: Mr. Credo; im Tanzen: Balletmeister Brümer. Das Exerziren dirigirte Oberst von Cochenhausen persönlich, Ehrenches der Anstalt war ­ der Generaladjutant des Kurfürsten, General- lieutenant von Thümmel. von Cochenhausen galt als ein sehr gelehrter Offizier; ein von ihm erfundener Globus befindet sich im Kasseler Museum. Wiegrebe und von Radowitz waren Eleven der westfälischen Artillerie- schule gewesen, sie trugen Artilleriennisorm tutb